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Nichts geht mehr

SAMSUNGSeit Jahren strebt Bonn an, Fahrradhauptstadt von NRW zu werden. Dazu muss man wissen, dass Bonn nicht nur die lauteste Stadt NRWs ist, sondern auch tagtäglich von Automassen überrollt wird, die die halbe Stadt lahmlegen. Als man vor einigen Monaten im Rahmen von Sanierungsarbeiten eine Spur einer innerstädtischen Autobahnbrücke sperrte, war das Tagesthema und Hauptaufreger bei den Berufspendlern und Lokalmedien. Der Bonner General-Anzeiger richtete dafür extra einen Live-Ticker ein.
Umso erstaunlicher ist das Ansinnen der Stadt, Fahrradhauptstadt zu werden, wenn man überlegt, dass Bonn kaum über Radwege verfügt. Statt Radwege gibt es hier höchstens mal gestrichelte Linien auf den Straßen, was dazu führt, dass sich Auto- und Radfahrer beständig in die Haare kriegen, und der eine oder andere Radfahrer im wahrsten Sinne des Wortes unter die Räder kommt. Als jemand, der täglich mit dem Rad unterwegs ist, kann ich sagen, dass man schon eine beinahe unvernünftige Liebe zum Radfahren braucht, um in dieser Stadt trotz allem zu fahren. Als gebürtiger Münsteraner bin ich immer wieder begeistert, wie gut dort die Fahrradinfrastruktur ist. Nun ist Bonn nicht Münster, hier fehlt es einfach an Platz und am politischen Willen. So müsste man, wollte man den Radverkehr stärken, den Platz woanders einsparen, sprich bei den Autofahrern. Nun rächt sich eine verfehlte Stadtplanung, die jahrzehntelang primär auf den Autoverkehr ausgerichtet war und unsere Städte zu öden Durchfahrstrecken degradiert hat.

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01/ 2013

Nach dem Frühstück suchte ich im Internet nach einer alten Professorin von mir, von der ich lange nichts mehr gehört hatte, und stieß auf den Seiten der Westfälischen Nachrichten auf eine Sterbeanzeige. Von allen meinen Professoren war Frau M. die Streitbarste und Angreifbarste, die sich mit ihrer ganzen Person einbrachte, die von Hentigs Bildungsbegriff hochhielt und uns Popper nahebrachte, die grundsätzlich erst am späten Vormittag ihre Vorlesungen hielt, da sie ein Nachtmensch war und es als Körperverletzung betrachtete, um acht Uhr morgens vor den Studenten stehen zu müssen; die den SPIEGEL mit einer Begeisterung las, dass auch ich ihn abonierte, die ein ganzes Semester darauf verwendete, einen einzigen Text hermeneutisch zu lesen, und die alle in ihren Augen denkfaulen Studenten mit ihrer Ironie nach wenigen Tagen verscheuchte, die oben unter dem Dach des Hüfferstiftes mit Freiwilligen philosophische und erziehungswissenschaftliche Bücher las, wo wir uns in ihrem kleinen Büro mit den alten muffigen Möbeln über die ausgeteilten Kopien beugten, und bei der ich 2000 als einer der letzten Studenten die Diplomarbeit schrieb, bevor sie in den Ruhestand ging. Frau M. ist im Januar 2013 in Münster verstorben.