Archiv der Kategorie: Zettelkasten

Informationen

Bereska schrieb in seinen Kolberger Heften von der Informationsflut des Radios. Knapp vierzig Jahre ist das nun her, und mutet schon nostalgisch an. Ich frage mich, ob wir heutzutage einen Scheitelpunkt erreicht haben, wo die Menge der auf uns einströmenden Informationen kaum noch gesteigert werden kann – oder ob wir in vierzig Jahren angesichts aktueller Verhältnisse müde lächeln werden? Immerhin, so lautet ein berühmter Vergleich, stecken in einer Wochenendausgabe der New York Times so viele Informationen, wie der Mensch des Mittelalters während seines ganzen Lebens erhalten hat. Und wenn die Menge an Informationen, die wir aufzunehmen vermögen, nicht mehr gesteigert werden kann, gibt vielleicht Google Glass die Richtung vor, wo die Umwelt nur noch aus konsumrelevanten Informationen besteht und alles andere als nicht verwertbar ausgeblendet werden wird? Letztens auf der Rückfahrt nach Bonn war ich im Zugabteil der einzige Mensch, der weder auf ein Smartphone noch auf ein Notebook starrte, sondern aus dem Fenster sah und nachdachte. Für eine Weile kam es mir so vor, als sei ich der letzte Vertreter der aussterbenden und unterschätzten Kulturtechnik des aus dem Fenster guckens. Ich erinnerte mich an eine Erzählung von Ray Bradbury, in der ein Mann nachts auf der Straße von der Polizei angehalten wird, weil er dort spazieren geht. Was er dort treibe, will der Polizist misstrauisch wissen , der es nicht glauben kann, dass ein Mensch einfach so zu Fuß durch die Gegend läuft. Der Schaffner hat mich das nicht gefragt, aber ein wenig misstrauisch geguckt hat er schon, bilde ich mir ein.

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Herbst

SAMSUNGBuntes Laub. Spaziergänge im Wald. Wanderungen im Siebengebirge. Der Aufbruch der Graugänse. Lange Sommerherbsttage an der frischen Luft mit Freunden. Klare Farben vor blauem Himmel. Das Knattern der Drachen in der Luft. Gespräche am See im Park. Die tuckernden Schiffe auf dem Rhein. Letztes Eisessen des Jahres draußen vor dem Lokal. Lange Leseabende. Das Gefühl des Übergangs. Der Herbst ist immer noch meine liebste Jahreszeit. Und während man durch das Laub stapft, kann man alle möglichen Dinge sammeln, die eine nette Herbstdekoration ergeben.

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Ausrichtung

Wieso gibt es konservative, linke, liberale, linksliberale oder rechte Zeitungen, aber kein Blatt, welches alle politischen Strömungen in sich vereint? Wäre das nicht der objektivste Grad der Berichterstattung (da es nun mal keine neutrale Berichterstattung geben kann), der einseitigem Denken durch die unterschiedlichsten politischen und weltanschaulichen Standpunkte entgegentritt? Aber wer sollte so etwas leisten können? Und wer sollte so etwas lesen? Eine Utopie.

Versificatoren

Beim Wiederlesen von »1984«, welches ich immer noch für eine beeindruckende Dystopie halte, fällt mir auf, wie stark die Realität die damaligen Mechanismen von Kontrolle überholt hat. Es handelt sich hierbei um das, was Bjung-Chul Han das digitale Panoptikum genannt hat. In anderer Hinsicht erscheint mir Orwells Roman noch immer sehr aktuell. Bei einer Forendiskussion über Amazons neue eBook-Flatrate fragte ein User, wovon denn die Autoren dann noch leben sollten. Ein anderer Teilnehmer antwortete, dass Autoren sowieso bald durch Programme ersetzt werden würden, die Romane automatisch generieren. Dabei fiel mir die synthetisch erzeugte Musik aus »1984« ein:

Draußen vor dem Fenster sang jemand. Winston lugte unter dem Schutz des Musselinvorhangs hinaus. Die Junisonne stand noch hoch am Himmel, und drunten auf dem besonnten Hof stapfte ein Monstrum von Frau, wuchtig wie eine romanische Säule, mit stämmigen roten Unterarmen und einer um ihre Taille gebundenen Sackleinwandschurze, zwischen einem Waschfass und einer Wäscheleine hin und her, auf der sie eine Reihe viereckiger weißer Dinger aufhangte, die Winston als Kinderwindeln erkannte. So oft ihr Mund nicht durch Wascheklammern verschlossen war, sang sie mit mächtiger, tiefer Altstimme:

»Es war nur ein tiefer Traum,
Ging wie ein Apriltag vorbei-ei
Aber sein Blick war leerer Schaum
Brach mir das Herz entzwei-ei!«

Das Lied wurde wahrend der letzten Wochen von ganz London geträllert. Es war einer von zahlreichen ähnlichen Schlagern, die für die Proles von einer Unterabteilung der Fachgruppe Musik herausgegeben wurden. Der Wortlaut dieser Lieder wurde ohne jedes menschliche Zutun von einem sogenannten »Versificator« zusammengestellt. Aber die Frau sang so melodiös, dass aus dem fürchterlichen Blödsinn beinahe ein hübsches Liedchen wurde.

Im Journalismus wird ein solches Programm zum automatischen Verfassen von Nachrichten schon eingesetzt. Anfang Mai meldete die »Los Angeles Times« , sie habe die erste von einer Software produzierte Nachricht publiziert und werde das in Zukunft öfter tun. Die Stuttgarter Softwarefirma Aexea verspricht eine Nachrichtenmaschine, die hochwertige Texte erzeugen kann. Mit dieser lasse sich zum Beispiel eine Nachrichtenseite basteln, bei der auf die speziellen Interessen bestimmter Leser zugeschnittene Artikel produziert werden – ganz ohne Menschen im Produktionsprozess.
Die böse Ironie an der Geschichte ist, dass für Orwell der Versificator das Instrument eines totalitären Regimes war, denn wo eine Maschine produziert, kann es auch keinen kritischen Geist geben, und dass nun im Rahmen eines freiheitlichen Kapitalismus eben dieses Instrument als Objekt der Gewinnmaximierung eingesetzt wird.

01/ 2013

Nach dem Frühstück suchte ich im Internet nach einer alten Professorin von mir, von der ich lange nichts mehr gehört hatte, und stieß auf den Seiten der Westfälischen Nachrichten auf eine Sterbeanzeige. Von allen meinen Professoren war Frau M. die Streitbarste und Angreifbarste, die sich mit ihrer ganzen Person einbrachte, die von Hentigs Bildungsbegriff hochhielt und uns Popper nahebrachte, die grundsätzlich erst am späten Vormittag ihre Vorlesungen hielt, da sie ein Nachtmensch war und es als Körperverletzung betrachtete, um acht Uhr morgens vor den Studenten stehen zu müssen; die den SPIEGEL mit einer Begeisterung las, dass auch ich ihn abonierte, die ein ganzes Semester darauf verwendete, einen einzigen Text hermeneutisch zu lesen, und die alle in ihren Augen denkfaulen Studenten mit ihrer Ironie nach wenigen Tagen verscheuchte, die oben unter dem Dach des Hüfferstiftes mit Freiwilligen philosophische und erziehungswissenschaftliche Bücher las, wo wir uns in ihrem kleinen Büro mit den alten muffigen Möbeln über die ausgeteilten Kopien beugten, und bei der ich 2000 als einer der letzten Studenten die Diplomarbeit schrieb, bevor sie in den Ruhestand ging. Frau M. ist im Januar 2013 in Münster verstorben.

Balkonsommer

Heute zum ersten Mal wieder meinen Arbeitsplatz nach draußen auf den Balkon verlagert. Kein Kaffeehausliterat, denke ich, aber immerhin ein Balkonliterat. Auch die Weberknechte  haben sich wieder eingefunden. Waren sie im letzten Jahr noch zu zweit, sind es mittlerweile zwischen drei und sechs Exemplare, die regungslos in den Pflanzen unseres Balkons sitzen, durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Dafür sind die Vögel aufgebracht, die sich durch meine Anwesenheit gestört nicht mehr an die Futtersilos und Meisenknödel trauen. Während ich stoisch sitzen bleibe und arbeite, ist mir der Fluch aller Meisen der Umgebung sicher.

Lob der Faulheit

Im Guardian erklärt Neil Gaiman, der eine sechsmonatige Auszeit von seinen Social Media  – Aktiviäten plant, wo er die Ideen für seine Geschichten herbekommt :

»People ask me where I get my ideas from«, he said, »and the answer is that the best way to come up with new ideas is to get really bored.«

Das ist in heutigen Zeiten leichter gesagt als getan. Wo Smartphone und Notebook fast immer griffbereit und »always online« sind, wo Internet, Social Media, Computerspiele, Fernsehen und Radio rund um die Uhr für Beschäftigung und Ablenkung sorgen können, ist die Unfähigkeit zur Muße weit verbreitet. Wo jeder vorgibt, immer unglaublich beschäftigt zu sein (und es auch ernsthaft versucht), und Zeit nur etwas ist, was es zu optimieren gilt, sind für Gaiman Theateraufführungen in der Schule ideal gewesen, um den ersehnten Punkt der Langeweile zu erreichen:

»You have to sit there for hours and you can’t read or use a phone or check something on the web. I’ll come out afterwards thinking: ‚Did I just plot out an episode of Dr Who there? I think I did.’«

Anfang des Jahres nun begann Neil Gaimans Social Media – Auszeit. In seinem Journal gibt er ein erstes Resümee:

»Two days in to Neil off Social Media, and it’s interesting. I’ve a novel I’m reading on my phone’s Kindle app, and whenever I would have been tempted to go and look at my Twitter Feed or Tumblr or Facebook, I read Gene Wolfe’s THE LAND ACROSS instead. This is a good thing because 1) it is a very good book, and 2) it reminds me of the joy and power of fiction and 3) it distracts me from what had become a very automatic thing to do.«

»Bulpingtonismus-Blupismus«

In der aktuellen Ausgabe des Quarber Merkur findet sich ein Interview mit dem von mir sehr geschätzten Boris Strugatzki, der leider im letzten Jahr verstorben ist. Darin äußert er sich über die Anziehungskraft, die der Realismus auf ihn und seinen Bruder Akardi ausübte. Gleichsam hatten sie Angst , dem sogenannten »Bulpingtonismus-Blupismus« zu verfallen, so nannten sie die »hölzern langweilige Art, das hölzern langweilige , wirkliche Leben« zu schildern. Der Begriff kam auf, nachdem sie von H. G. Wells »The Bulpington of Bulp« gelesen hatten. Obwohl sie Wells als ihren Lieblingsautoren und auch Lehrmeister schätzten, empfanden sie diesen Roman als seinen langweiligsten und schworen sich, niemals derart Schindluder mit ihren Lesern zu treiben. »Und ich glaube«, so fügt Strugatzki in dem Interview hinzu, »wir haben diesen Schwur gehalten«. Sogar der alltäglichste von ihren Romanen, »Das lahme Schicksal«, sei unterhaltsam, weil die in der realen Welt spielende Handlung durch die Anwesenheit Seiner Majestät des Wunders erleuchtet wird.

Das Digitale und die Flüchtigkeit

Ich schreibe gerade an einer Erzählung für die Dezemberausgabe von GEGEN UNENDLICH. Neben der Freude an der kurzen Form, die eine Abwechslung zur Arbeit am Roman darstellt, genieße ich das Schreiben von Hand. Ein Notizheft und ein Stift, nichts weiter. Dabei wird mir wieder bewusst, wie flüchtig die Arbeit am Rechner ist. Nicht erst seit dem Datenverlust Anfang des Monats, der mir trotz Sicherheitskopien die Arbeit von einer Woche entriss. Dem Digitalen ist die Flüchtigkeit schon eingeschrieben. Ein Stromausfall, ein technischer Defekt, ein neues Format (was werde ich in zwanzig, dreißig Jahren noch öffnen und lesen können?), die Weiterentwicklungen bei den Datenträgern …
Aber: das Digitale ist beweglich, verfügt über kurze Wege, kann Dinge wagen, die den analogen Medien nicht gelingen wollen, schafft neue Möglichkeiten abseits von Verlagen (und auch neue Abhängigkeiten von den neuen Türstehern, die sich um die Wortproduzenten versammelt haben und sie mit der Leichtigkeit des Seins locken wollen, um an deren Tantiemen teilzuhaben).

Die Lust des Fabulierers

In seinem Vorwort zu »Der Name der Rose« schreibt Umberto Eco, dass es heutzutage der Trost des homme de lettres sei, wieder schreiben zu dürfen aus reiner Liebe zum Schreiben. 1968 war ihm ein Buch aus der Feder eines Abbé Vallet in die Hände gefallen, das ihn so fesselte, dass es die Keimzelle für seinen historischen Roman um ein italienische Benediktinerkloster und seine Bibliothek wurde. Zu dieser Zeit, berichtet Eco, war es die gängige Überzeugung, nur schreiben zu dürfen aus Engagement für die Gegenwart und im Bestreben, die Welt zu verändern. Zehn Jahre später nun fühle er sich frei, aus schierer Lust am Fabulieren die Geschichte des Adson von Melk zu erzählen. Und es schiene ihm tröstlich, dass diese Geschichte so unendlich fern in der Zeit ist und so herrlich frei von allen Bezügen der Gegenwart.
Lange Zeit schienen die Fabulierer fast ausschließlich auf fremden Pfaden weitab der Gegenwart und der Realität zu wandeln , als würde der Blick aus dem Fenster die Lust am Fabulieren ersticken. Sie siedelten ihre Stoffe in ferner Vergangenheit oder Zukunft an, erschufen Phantasiewelten und fremde  Rassen, als halte die Gegenwart keine starken Stoffe mehr bereit – oder als hemme sie die Phantasie. Realistische Mainstreamprosa hingegen verlor sich in alltäglichen Kleinigkeiten, während der große erzählerische Wurf anderen Zeiten oder Welten vorbehalten schien. Frei von dem Anspruch, die Welt erklären zu müssen und sich in Bedeutungsschwangerschaft zu verlieren, kam eine erzählerische Haltung zu neuen Ehren,  dass es ausreichend sei, sich auf das Erzählen einer Geschichte zu konzentrieren, dass dieses Arbeiten mit Bildern und Modellen alles einzufangen vermag, was das Leben und die Welt ausmacht – und dies in einer Sprache zu uns bringt, die wir nicht erst aus dem Abstrakten übersetzen müssen.

Die Heinzelmännchen der Literatur

Der Übersetzerverband VdÜ kritisiert die schlechte Bezahlung der Übersetzer in Deutschland (siehe hier und hier). Beim Lesen der vom VdÜ kritisierten Punkte möchte man ausrufen: »Willkommen im Boot, liebe Übersetzer!« Zwar gibt es bei uns Autoren in schöner Regelmäßigkeit reißerische Artikel, die das enorme Einkommen einiger weniger von uns beziffern, doch die Realität sieht doch anders aus. Vom Schreiben leben tun hierzulande nur wenige Schriftsteller, die meisten fahren zweigleisig mit einem oder gar mehreren Brotberufen nebenher. Ist das schlimm? Ich denke, die meisten Autoren sind sehr realistisch, und obwohl es merkwürdig anmutet, dass in der ganzen Verwertungskette »Buch« so ziemlich jeder der Beteiligten davon leben kann, eben außer denjenigen, die die Bücher schreiben, werden doch noch immer Unmengen an Büchern verfasst, veröffentlicht und gelesen. Und am meisten verdienen nicht unbedingt die Verlage. Letztens fragte ich einen Bekannten, als er mich auf meine Tantiemen ansprach, was er schätzen würde, wie viel ein Autor an seinem Buch verdient, das für zehn Euro im Laden steht. Nur soviel: Er lag weit daneben …

Der Autor und die sozialen Netzwerke

Noch vor wenigen Jahren war es gerade mal üblich, dass ein Autor eine eigene Homepage besaß. Mittlerweile ist in dieser Hinsicht stark aufgerüstet worden. Fast jeder Autor heutzutage ist auf twitter, Google+ und facebook vertreten, um sozial für sich und sein Werk zu trommeln. Es ist das bekannte Spiel: was keiner kennt, kann auch keiner lesen (und kaufen). Was nützt das beste Buch, wenn niemand darauf aufmerksam wird. Bei den Verlagen ist das gut zu beobachten. Ein Großteil des Werbeetats geht für eine Handvoll Bücher drauf, die dann mit dementsprechenden Aufwand in die Öffentlichkeit gedrückt werden. Und die sich in der Regel gut verkaufen. Die anderen Verlagsautoren gehen dabei leider leer aus. Sie müssen sich ohne große Werbung durch das Autorenleben schlagen – oder selbst aktiv werden. Besonders schön zeigt sich die Auswirkungen der PR-Aufmerksamkeit am aktuellen Fall von J.K. Rowling. Die bekannte Autorin hatte im April diesen Jahres unter männlichem Pseudonym einen Krimi veröffentlicht, der sich in den ersten drei Monaten 1500 Mal verkaufte. Dann wurde die wahre Identität des Verfassers bekannt und das Werk gelangte sofort in die Bestsellerlisten. Was war passiert? War das Buch über Nacht besser geworden? Nein, aber der PR-Trick der ausgebufften J.K. Rowling hat wunderbar funktioniert. Sie äußerte in einem Interview, dass es ihr ziemlichen Spaß bereitet hätte, ohne den ganzen Hype unbeschwert einen Roman zu schreiben und zu veröffentlichen. Das glaube ich ihr gerne. Aber wesentliche Verkäufe hat diese Methode nicht generiert. Die literarischen Qualitäten des Romans allein reichten nicht aus. Erst jetzt, nachdem die berühmte Harry-Potter-Autorin als Verfasserin bekannt wurde, reißen sich alle Verlage um das Buch und werden einen erheblichen Teil ihres Werbeetats darauf verwenden. Und das Buch wird sich wunderbar verkaufen. Nicht, weil es gut ist, sondern  weil es gut beworben wird.

Amazon und die Bequemlichkeit

In der Amazon-Debatte wird ja immer wieder auf die Bequemlichkeit der Kunden hingewiesen, die dazu führe, dass wir alle im Internet bestellen und unsere Innenstädte veröden. Dabei wurden jahrzehntelang im Namen der Bequemlichkeit unsere Städte mit Hauptstraßen zugepflastert, so dass der Kunde mit seinem Auto faktisch bis in den Karstadt reinfahren kann. Selbst in den engsten Städten werden einstöckige Supermärkte mit riesigen Parkplätzen vor der Tür errichtet. Und nun soll Bequemlichkeit mit einem Mal etwas Schlechtes sein? Was wohl passieren würde, wenn man die Innenstädte für den Autoverkehr sperrte, um gegen diese Bequemlichkeit vorzugehen?

Hilfe! Das Genre

Das Genre sagt erst mal nichts über den Anspruch aus, ein Krimi, historischer Roman oder Science – Fiction ist nicht per se trivial oder Unterhaltungsliteratur, genauso wenig wie es sich beim  bürgerlichen Realismus  per se um anspruchsvolle Literatur handelt. Auch der sogenannte Realismus ist ein Genre, nicht nur alles, was von ihm abweicht. Entweder man verzichtet ganz, wie Ursula LeGuin einmal gefordert hat, auf den Genre-Begriff und mutet dem Leser zu, sich ohne vorherige Schubladen (außer dem Autorennamen) einem Buch zu nähern, oder man erreicht, dass alle Genres gleichrangig nebeneinander stehen und nicht pauschal als Unterhaltungsliteratur abgewertet werden.

Lange Zeit war der Genre-Begriff einer Deutung durch die akademische Textkritik und des journalistischen Feuilletons unterworfen, so dass aus dem an sich neutralen Gattungsbegriff eine literarische (Ab-)Wertung wurde.  Diese Ideologie war so weit verbreitet, dass lange Zeit niemand die Verallgemeinerung infrage stellte.  In Deutschland begann es mit der „U- und E“-Debatte erst sehr spät : die Diskussion der Unterscheidung zwischen unterhaltender und ernsthafter Literatur. Kann eine unterhaltsame Literatur auch ernsthaft sein? Ist es ernsthafter Literatur auch möglich, zu unterhalten? Und wenn dem so ist, was taugt dann diese künstliche Trennlinie, die uns doch nur davon abhält, zum wahren Kern der Dinge vorzustoßen?

Schublade

Wenn ich eine Science-Fiction-Geschichte schreibe, bin ich ein Science-Fiction-Autor. Wenn ich einen historischen Roman schreibe, bin ich ein Autor historischer Romane. Was bin ich aber, wenn ich einen Science-Fiction- und einen historischen Roman geschrieben habe? Ein historischer Science-Fiction-Autor oder ein Science-Fiction-Autor historischer Romane? Ein Retro-Science-Fiction-Autor?

Brüderle

Früher, erzählt ein alter Reporter, hätte es bei den Bonner Journalisten einen Berufsethos gegeben, über nichts zu schreiben, was die Politiker privat in den Cafés, Bars und Restaurants von sich gaben, es wurden dabei auch keine Fotos von ihnen geschossen. Der Journalist hielt sich für nicht so wichtig wie die Nachricht. Heute hätten wir den Fall Brüderle.

SF

Eines der Mysterien der Science Fiction ist die Verwandlung eines ansprechenden Original-Buches in eine deutsche  Übersetzung  mit billiger Covergestaltung und plumpen und zumeist unpassenden Titeln…