CalyxOS

Im 20. Jahrhundert wurde nach einem Diktum Stanisław Lems die Hölle computerisiert. Er habe nichts gegen den Fortschritt, schrieb er, er wäre nur lediglich der Ansicht, dass ihn die Menschen hauptsächlich dazu nutzen, fürchterliche Dinge anzustellen.

Wir benutzen Technik und machen sie zu einem Teil von unserem Leben. Dabei bleibt Lems Frage aus der Summa technologie bestehen: »Wer bewegt wen? Bewegt die Technologie uns oder wir sie?« Das Smartphone ist dabei die technische Entwicklung, die uns näher ist, als jede andere Technik. Die meisten Menschen würden eher fremde Leute in ihr Schlafzimmer lassen, als ihnen ihr entsperrtes Smartphone in die Hand zu drücken. Nirgendwo fallen mehr Daten an, nirgendwo lässt sich mehr über uns erfahren, es ist das Schweizer Taschenmesser des Digitalzeitalters.

Privatsphäre ist die Achillesferse der Smartphones mit iOS oder Android. Die Grenzen des Datenschutzes sind in diesem Fall amerikanisches Recht (Apple und Google), politischer Druck und geschäftliche Interessen. Lange Zeit war das ein Ausschlusskriterium für mich und ich blieb bei meinem Barrenhandy. Zum Schluss einem MP01 von Punkt, das auf Telefonieren und SMS beschränkt war. Ein angenehmer Gefährte, reduziert auf das Wesentliche und gut verarbeitet, der einen in keiner Situation nervt oder ablenkt. Aber letztlich sind unverschlüsselte Telefonate und SMS nicht privat. Und hier kommen datenschutzfreundliche Custom-Roms ins Spiel.

Custom-Roms wie GrapheneOS, von Edward Snowden empfohlen, CalyxOS oder LineageOS sind ein gangbarer Weg, Datenschutz und Smartphone zu vereinen. Ironischerweise läuft gerade CalyxOS vorrangig auf den Pixels von Google, einem der größten Datenkraken der Welt. Aber es ist eine Ironie, die durchaus zu gefallen weiß.

Meine Wahl fiel auf CalyxOS und das Pixel 4a. Das Flashen des neuen Betriebssystems auf dem neuen Gerät verlief erstaunlich einfach. CalyxOS stellt dabei eine gute Mischung aus Datenschutz und Benutzerfreundlichkeit dar. Wer ein handelsübliches Android kennt, wird sich nicht groß umgewöhnen müssen.

Es ist ein guter Zeitpunkt umzusteigen, während Apple gerade das Telefon in unserer Tasche zu unserem schlimmsten Feind macht, und Google und Konsorten keine bessere Wahl darstellen. Edward Snowden hat die aktuelle Situation bei Apple gerade in seinem lesenswerten Artikel »The All-Seeing »i«: Apple Just Declared War on Your Privacy« zusammengefasst, und beschrieben, wohin die Reise gehen wird.

Social Media und das Ende der Blogs

Es muss so 2002 / 2003 gewesen sein, als mir ein Bekannter auf seinem Notebook etwas zeigte, das er seinen Blog nannte. Ich hatte noch nie von so etwas gehört und scrollte ein wenig in den Einträgen herum. Ehrlich gesagt wusste ich damals nicht so recht, was ich davon halten sollte. Mit einem unsicheren Lächeln gab ich ihn das Notebook zurück und er fing an zu erklären, was das alles war. Kurze Zeit später jedenfalls war ich angefixt genug, es selber auszuprobieren zu wollen. Damals, so muss man heute ja schon schreiben, waren Blogs das heiße Ding. Wer erinnert sich noch daran, wie sehr die Journalistinnen und Journalisten damals gegen diese Dinger angeschrieben haben, weil sie um ihren exklusiven Zugang zur Öffentlichkeit fürchteten? Einige Jahre später hatten viele von ihnen selbst einen eigenen Blog. Ich fing bei blogger.de an und erstellte »The Mad Tea Party«. Es war noch nicht so fürchterlich viel los gewesen und erheblich leichter, Aufmerksamkeit für seine Postings zu bekommen. Bald bildeten sich auch die ersten Alphablogger heraus und alles ging seinen Gang.

Die Ironie ist, dass mir durch die Nutzung von Instagram die Vorzüge des Blogs bewusst geworden sind. Hier bin ich noch Herr im Haus, hier kann ich mich einrichten, wie ich will, habe genügend Freiheiten und muss nicht fürchten, dass mit einer Änderung der Nutzungsbedingungen auf einmal alles für die Katz war. Außerdem kann jeder frei auf meine Inhalte zugreifen, ohne sich bei einem der Dienste anmelden zu müssen. Im Blog kann ich Gedanken Raum geben und Dinge vertiefen. Auch über 2200 Zeichen hinaus. Und man sollte vor Augen haben, dass bei den sozialen Medien von heute auf morgen einfach Schluss sein kann. Mit einem Blog ist sowas wohl eher die Ausnahme, bei Instagram gehört es durchaus zur Tagesordnung. Man sollte also sein Herz nicht daran hängen.

Trotzallem sind mittlerweile die meisten Autorinnen und Autoren zu den sozialen Medien abgewandert. Erst war es Facebook, dann Twitter und später Instagram. Mein »Datenhafen« wirkt da schon ein wenig antiquiert. Es werden keine Texte mehr im Netz gelesen, heißt es, erst recht keine längeren. Instagram ist da die logische Konsequenz. Mit einer Milliarde Nutzern weltweit ist dieser Dienst purer Gigantismus.

Aber es bleibt auch die Gewissheit, dass die Karawane irgendwann weiterziehen wird. Ähnlich wie bei Facebook werden bald auch Instagram die Nutzer weglaufen, zuerst die Jüngeren, dann werden immer mehr Ältere nachziehen. Was wird ihr nächstes Ziel sein? Wie sieht das soziale Netzwerk der Zukunft aus? Ist es so etwas wie TikTok? Oder vielleicht werden es wieder die Blogs sein, schlicht und minimalistisch, der Macht des Wortes und des Gedankens vertrauend?

»Audacious«

Früher irgendwann, in grauer Vorzeit, als die ersten MP3s auf unseren Computer Einzug hielten, benutzten wir alle Winamp. Das kleine Programm entlockte unseren PCs Musik zu allen Gelegenheiten, spielte auf WG-Partys und langen Wochenendmittagen, während des Kochens und beim Sport. Winamp war all das, was iTunes nie war: schlank, schnell, aufgeräumt und auch die penibel geordnetste Musiksammlung in Ruhe lassend. Außerdem wollte es keine Daten von uns. Mit dem Kauf eines iBooks hielt dann auch iTunes bei mir Einzug, um dann unter Win 7 von MusicBee abgelöst zu werden. Unter Linux benutzte ich seitdem Amarok, bis ich auf ein kleines Programm aufmerksam wurde, das die Nachfolge des legendären Winamp angetreten hat: Audacious. Schon bei den ersten Hördurchläufen fiel mir auf, wie viel Spaß dieses kleine und durchdachte Programm machen kann. Ich fühlte mich wie in alte Zeiten versetzt, zumal es im minimierten Modus genau wie Winamp aussieht. Audacious verbraucht wenig Resourcen, besitzt eine hohe Audioqualität und unterstützt eine Vielzahl von Formaten. Es ist frei und open source, und läuft unter Linux und Windows.

Lob der Faulheit

Im Guardian erklärt Neil Gaiman, der eine sechsmonatige Auszeit von seinen Social Media  – Aktiviäten plant, wo er die Ideen für seine Geschichten herbekommt :

»People ask me where I get my ideas from«, he said, »and the answer is that the best way to come up with new ideas is to get really bored.«

Das ist in heutigen Zeiten leichter gesagt als getan. Wo Smartphone und Notebook fast immer griffbereit und »always online« sind, wo Internet, Social Media, Computerspiele, Fernsehen und Radio rund um die Uhr für Beschäftigung und Ablenkung sorgen können, ist die Unfähigkeit zur Muße weit verbreitet. Wo jeder vorgibt, immer unglaublich beschäftigt zu sein (und es auch ernsthaft versucht), und Zeit nur etwas ist, was es zu optimieren gilt, sind für Gaiman Theateraufführungen in der Schule ideal gewesen, um den ersehnten Punkt der Langeweile zu erreichen:

»You have to sit there for hours and you can’t read or use a phone or check something on the web. I’ll come out afterwards thinking: ‚Did I just plot out an episode of Dr Who there? I think I did.’«

Anfang des Jahres nun begann Neil Gaimans Social Media – Auszeit. In seinem Journal gibt er ein erstes Resümee:

»Two days in to Neil off Social Media, and it’s interesting. I’ve a novel I’m reading on my phone’s Kindle app, and whenever I would have been tempted to go and look at my Twitter Feed or Tumblr or Facebook, I read Gene Wolfe’s THE LAND ACROSS instead. This is a good thing because 1) it is a very good book, and 2) it reminds me of the joy and power of fiction and 3) it distracts me from what had become a very automatic thing to do.«

Xubuntu 13.04, Raring Ringtail

Nachdem Microsoft seine Unterstützung für XP in einem Jahr einstellt, war es an der Zeit, für mein betagtes Notebook ein alternatives Betriebssystem zu suchen. Das Toshiba Tecra S3 ist ein solides Arbeitsgerät und außerdem hasse ich es, funktionierende Sachen vorzeitig zu entsorgen. Da ich noch eine Windows 7 DVD im Schrank liegen hatte, versuchte ich es zuerst damit. Doch dies wollte sich nur auf einem System mit 64-Bit Prozessor installieren lassen. Auf einigen IT-Seiten war ich auf Xubuntu aufmerksam geworden, das sich aufgrund seiner Xfce-Arbeitsumgebung gut für ältere Rechner eignen sollte. Mit Linux ist das bei mir immer so eine Sache. Ich bringe der Idee der offenen Software große Sympathie entgegen, doch irgendwie hatte es in all den Jahren bei jedem Versuch mehr Frust als Lust gegeben. Doch diesmal funktionierte alles auf Anhieb. Ich spendierte dem Tecra die Festplatte meines Schreibnotebooks, dem ich eine SSD eingebaut hatte, und installierte ein frisches Xubuntu 13.04, Raring Ringtail. Obwohl ich kein Linux-Crack bin, hatte ich von Anfang an keine Probleme, mich damit zurechtzufinden. Die Einrichtung verlief problemlos, zumal ich die selben Programme wie vorher nutzen kann (Thunderbird, Firefox, KeepNote, Calibre, Scrivener), und was wichtiger war: meine alte Hardware lief auf einmal doppelt so schnell. Seitdem ist Xubuntu einige Wochen bei mir im Einsatz und hat einen guten Eindruck hinterlassen.

Arbeitsgerät

Vor einer Woche kam mein neuer Schreibrechner an, ein Thinkpad Edge 135. Mattes Display, eine Tastatur zum Niederknien und funktionale Schlichtheit. Ähnlich wie ein Besuch im Lenovo-Shop, wo man statt jugendlicher Hipness eine fachkundige, unaufgeregte Beratung erhält, bekommt man mit einem Thinkpad ein zuverlässiges Arbeitsgerät. Dadurch, dass Lenovo nicht überall der Mode des Immerflacher nachgeht, besitzen die Tasten einen ausreichenden Hub, der ein bequemes Schreiben ermöglicht. Bei den Flachflundern bekomme ich immer das Gefühl, auf einem Taschenrechner zu tippen. Drei Schrauben an der Bodenplatte gelöst, und schon erreicht man problemlos das Innere. Kein verlöteter Arbeitsspeicher, kein verklebter Akku, alles sehr wartungsfreundlich und somit auch einigermaßen nachhaltig. Die vorhandene Festplatte ließ sich schnell aus ihrer Metallhalterung entnehmen und durch eine 120 GB SSD von Samsung ersetzen. Die ehemalige Thinkpad-Festplatte wanderte in mein betagtes Toshiba Tecra S3, ein schlankes und schnelles Xubuntu ersetzte das vorhandene Windows XP, und somit dürfte es noch einige weitere Jahre seinen Dienst als Alltagsrechner verrichten.

forum

Auf fnw_2013_02_coverdem Heldenmarkt in Bochum stieß ich auf ein Magazin namens forum. Wer sich nicht vom Untertitel „Nachhaltig Wirtschaften – Das Entscheider-Magazin“ abschrecken lässt, wird mit lesenswerten Artikeln zum Thema „Städte von morgen“ belohnt. Neben einer Menge fantastischer Abbildungen bietet forum so viele Ideen zur Entwicklung der Metropolen, wie sich ein SF – Autor nur wünschen kann. forum erscheint vierteljährlich.