Kipp-Punkte

Ich mag den Glauben daran, dass wir den Hebel noch rumreißen können. Dass wir lernen, uns als Teil der umgebenden Welt zu begreifen, als Teil der Natur, der mit allem anderen verbunden ist. Dass eine kluge Wissenschaft und eine kluge Wirtschaft ihre Intelligenz und ihr Herz benutzt, um die Dinge zu verbessern.

Aber ich weiß auch, dass das vermutlich nur ein Wunschdenken ist. Es wird wohl keine optimistische Zukunft geben, in der wir leben werden. Es wird eine Zukunft geben, in der wir überleben. Unsere Kinder und deren Kinder werden von unserem Verhalten katastrophal betroffen sein.

Ein Bonner Professor, kurz vor der Pension, engagiert sich mittlerweile bei Extinction Rebellion. Er sagt, dass Aufklärung durch die Wissenschaft in den letzten vierzig Jahren nicht geholfen habe, und sieht Protest durch zivilen Ungehorsam als letzten Ausweg.

Erdüberlastungstag

Heute ist deutscher Erdüberlastungstag. Damit haben wir schon am 5. Mai soviel Ressourcen verbraucht, wie uns rechnerisch für das ganze Jahr zur Verfügung stehen.

In meinem in Arbeit befindlichen Roman leben elf Menschen seit fünfzehn Jahren in einer Station auf dem Mond. Wir schreiben das Jahr 2083. Der Kontakt zur Erde ist abgebrochen. Die Sehnsucht nach der Heimat groß, die nah und doch unerreichbar ist. Die ganz banalen Dinge fehlen. Ohne Schutzanzug nach draußen gehen können. Frische Luft atmen. Sein Gesicht in die Sonne halten. An einem See sitzen. Spaziergänge im Wald. Einen Kaffee trinken.

Science-Fiction und Gegenwart.

Kleiner blauer Punkt

Wenn in Deutschland Zehntausende von Kindern und Jugendlichen für den Umweltschutz demonstrieren, zeugt das von einem gesunden Menschenverstand, der vielen Erwachsenen abhandengekommen ist. Manchmal ist es sinnvoll, die Sachen einfach zu betrachten.
Wenn wir es nicht schaffen, die Zerstörung unserer aller Lebensgrundlage zu stoppen und uns selbst als Teil der Natur zu betrachten, müssen wir uns um die übrigen Probleme nicht mehr kümmern. Arbeitsplätze? Tote Menschen brauchen keine Arbeit. Demographischer Wandel? Egal, wenn es keine Zukunft mehr gibt. Das Auseinanderdriften zwischen Reich und Arm. Atomare Aufrüstung. Migration. Die Zukunft der deutschen Automobilindustrie. Der Brexit. Spielt dann alles keine Rolle mehr.
Noch immer wird so getan, als wäre der Umweltschutz ein Luxusproblem. Dabei ist kein Thema wichtiger. Es gibt keinen Plan B. Das Überleben unserer Spezies ist fest an das der Erde gebunden. Ein neuer Planet, der der menschlichen Rasse Unterkunft bietet, ist nicht in Sicht und wird für lange Zeit auch nicht erreicht werden können.
Die Erde bietet uns perfekte Lebensgrundlagen. Sie ist unsere Heimat. Unter Milliarden von Möglichkeiten der Evolution ist hier menschliches Leben entstanden. Auf diesem kleinen blauen Punkt im Universum.

Herbst

SAMSUNGBuntes Laub. Spaziergänge im Wald. Wanderungen im Siebengebirge. Der Aufbruch der Graugänse. Lange Sommerherbsttage an der frischen Luft mit Freunden. Klare Farben vor blauem Himmel. Das Knattern der Drachen in der Luft. Gespräche am See im Park. Die tuckernden Schiffe auf dem Rhein. Letztes Eisessen des Jahres draußen vor dem Lokal. Lange Leseabende. Das Gefühl des Übergangs. Der Herbst ist immer noch meine liebste Jahreszeit. Und während man durch das Laub stapft, kann man alle möglichen Dinge sammeln, die eine nette Herbstdekoration ergeben.

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Weberknecht

002 (3)Letztes Jahr ließ sich ein Weberknecht in unseren Erdbeersträuchern nieder. Da ich den Sommer über gerne auf dem Balkon schreibe, bekam ich ausreichend Gelegenheit, dieses Tier zu beobachten. Viel passierte nicht. Eigentlich saß es meistens nur rum. Aber es blieb unseren Balkonfrüchten (und den zahlreichen Blattläusen) sehr lange treu. Zwischendurch verschwand das Spinnentier irgendwohin, kehrte aber immer wieder zurück. Bis es Winter wurde. Die Erdbeersträucher wurden zurückgeschnitten und trieben in diesem Frühjahr wieder aus. Seit einer Woche bevölkert wieder ein Weberknecht den Blumenkasten, diesmal brachte er gleich noch Verstärkung mit. Jetzt sitzen sie zu zweit auf den Blättern unserer Erdbeersträucher und rühren sich nicht.