Archiv der Kategorie: Literatur

»Der Neiding 6 – Schwertzeit«

Cover Neiding 6

Heute beendete ich den sechsten Teil von »Der Neiding«. Der letzte Satz im letzten Band. Nach acht Jahren ist die große Geschichte von den Brüdern Arbogast und Farold, die zugleich die Geschichte vom Sachsenkrieg, dem Aussterben des alten Glaubens und dem Siegeszug des Christentum ist, zu Ende erzählt. Es ist die Demut des Geschichtenerzählers, hinter den Figuren und ihren Erlebnissen zurück zu treten, dafür zu sorgen, dass alles lebendig vor die Augen des Lesers tritt, die auch sein größter Stolz ist. Nun heißt es Abschied nehmen von Farold und Arbogast. Ich wünsche mir, dass der Leser ein ähnliches Vergnügen an der Geschichte finden möge, wie ich es beim Verfassen hatte. »Der Neiding 6 – Schwertzeit« wird Ende März im Handel erhältlich sein.

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Der Neiding 6

 Die Arbeit am sechsten und abschließenden Teil vom Neiding neigt sich ihrem Ende entgegen. Noch drei Kapitel sind zu bearbeiten, eines davon muss fast komplett neu geschrieben werden, dann kann das Manuskript ins Korrektorat und Lektorat. Seit dem letzten Band sind einige Monate vergangen und das anvisierte Veröffentlichungsdatum von Teil 6 lag im Herbst letzten Jahres, aber ich habe gelernt, dass Charaktere ihre eigene Geschwindigkeit haben, in der sie ihre Geschichten erzählen. Auch wenn ich weiß, dass ich die Geduld einiger Leser ein wenig strapaziert habe, hoffe ich doch, dass sie von dem bald erscheinenden Band entschädigt werden.

Amazon und das Selfpublishing

Das größte Versprechen, was vor einigen Jahren von den neuen digitalen Formaten ausging, war das Aufbrechen alter Strukturen, verbunden mit der Hoffnung, dass es besser werden würde. Besser für den Leser. Und besser für die Verfasser. Wo bis dahin der Weg an die Öffentlichkeit über die Verlage führte, die somit eine Türhüter-Funktion besaßen, war nun jeder frei, seine Geschichte der Öffentlichkeit anzubieten. Der Markt würde es schon richten. Es war etwas Neuartiges, bei einem Anbieter zu verlegen, der keinerlei literarische Qualitätskriterien besitzt und soweit vom traditionellen Buchhandel und Verlagswesen entfernt ist, wie man es sich vorstellen kann. Für Amazon zählen einzig und allein die Downloads, die Anzahl verkaufter eBooks. Das war für viele Autoren, die vom traditionellen Verlagswesen gelangweilt oder enttäuscht waren, eine erfrischende Neuerung.
Selfpublishing heißt in Deutschland immer noch Amazon. Das abgeschlossene Ökosystem des Onlinehändlers hat das eBook nicht nur populär gemacht, es hat auch den größten Kundenstamm an sich gebunden. Nirgendwo gibt es mehr Leser, nirgendwo wird mehr verkauft. Alle anderen Händlerkanäle sind bloße Ergänzungen.
Was ist bislang dabei herausgekommen? Ist Amazon der große Teufel, den wir Autoren unsere Seele verkaufen? Jein. Als Geschäftspartner ist Amazon zuverlässig und erfüllt seinen Teil der Abmachung. Unsere eBooks werden auf der weitreichenstärksten Plattform angeboten, das Hochladen und die Konvertierung der eBooks funktioniert zuverlässig, die Tantiemen werden pünktlich gezahlt. Knapp achtzig Prozent meiner Einnahmen stammen von Amazon.
Anderseits bildeten sich mit Amazon neue Bedingungen heraus. Der mysteriöse Algorithmus, der unsere Werke platziert und sie in eine Rangliste einsortiert, entscheidet über Erfolg und Misserfolg. Die vorderen Plätze werden in der unüberschaubaren Flut von eBooks gefunden, die hinteren nicht. Die Kundenrezensionen, von jedem Leser zu verfassen, bekamen eine riesige Bedeutung. Dies führte auf Autorenseite zu einer großen Anzahl gefälschter Bewertungen, die als Gefälligkeiten von Familie, Freunden und Bekannten verfasst werden, und die man mittlerweile schon im großen Stil bei Unternehmen in Auftrag geben kann. Und zu einem Haufen schlechter Bewertungen, die Autoren der Konkurrenz angedeihen lassen, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Außerdem tut Amazon wenig, um seine Geschäftspartner, die Selfpublisher, zu schützen. Hier ist es, ganz der Händler, näher an seinen Kunden als an seinen Autoren. Selbst die skurrilsten Kundenbewertungen, die rein gar nichts mit dem jeweiligen eBook zu tun haben, werden nicht entfernt. Die damit verbundenen schlechten Bewertungen sind für Autoren, die von den Tantiemen ihrer Bücher leben, existenziell. Amazon kümmert es nicht. Außerdem macht es Amazon durch seine großzügige Umtauschaktion leicht, eBooks nach dem Lesen wieder zurückzugeben. So entstand eine breite Nische an Lesern, die Amazon als eine riesige Bücherei begreifen. Sie kaufen eBooks, lesen sie innerhalb einer Woche durch, und geben das Werk dann wieder zurück. Der Kaufpreis wird ihnen zurückerstattet, der Autor verdient keinen Cent.
Auffallend ist der freie Fall der eBook-Preise, der von Amazon in den letzten Jahren aktiv gefördert wurde. Als PR-Aktionen werden Gratistage empfohlen, die zukünftige Leser auf den Autor und sein Werk aufmerksam machen sollen. Das Verschenken der eigenen Werke, ein zweischneidiges Schwert. Ist eine kostenlose Leseprobe oder ein Gratisband einer Reihe in meinen Augen eine gute Werbemaßnahme, zeugt das zeitweise Verschenken eines ganzen Romans von einer geringen Wertschätzung der eigenen Arbeit gegenüber. Oder anders ausgedrückt: Wer verkaufen will, darf nicht verschenken. So hat sich im Amazon-Kosmos in weiten Kreisen mittlerweile eine Billig- und sogar Gratismentalität durchgesetzt, die es nicht mehr einsieht, für Literatur zu bezahlen. Eine Tasse Kaffee ist heute auf dem Markt mehr wert als ein Roman, der im Selfpublishing als eBook erscheint. Mittlerweile ist die Abwärtsspirale bei 0,99 EUR für ein eBook bzw. für 100 Seiten angelangt. Man bekommt als Autor zwar bis zu 70 Prozent des Verkaufspreises, im Vergleich zu den mageren 7 – 10 Prozent bei den Verlagen, muss aber aufgrund der niedrigen eBook-Preise ungleich mehr Ausgaben verkaufen, um sein Auskommen zu haben. Amazon fördert hier den Hang zur Selbstausbeutung (»bevor es Verlage tun, beuten wir uns lieber selber aus«), dem viele Selbstverleger in der Hoffnung auf Erfolg verfallen.
Das freie Spiel des Marktes hat erstaunlicherweise keine mutigere, spannendere, eigenwilligere Literatur herausgebracht, wie es am Anfang von vielen erwartet wurde. Auch von mir. Schaut man sich die Angebote an, findet man zumeist nur Eingängiges: leicht verdauliche Genreliteratur dominiert, auch in den Bestsellerlisten. Die literarische Ich-AG der Selfpublisher hat smarte Autoren hervorgebracht, die es verstehen, sich zu vermarkten und zu gefallen. In dieser Hinsicht unterscheiden sie sich nicht von den Abgängern des Literaturinstituts und der Schreibschule in Leipzig oder Hildesheim, die schon von früh an bestens vernetzt sind und wissen, welche Erwartungshaltungen sie zu bedienen haben. Nur findet man bei den Verlagen ab und an tatsächlich einen eigenwilligen- und ständigen Roman in den Bestsellerlisten, bei den eBooks eher nicht. Das mag an den unterschiedlichen Lesegewohnheiten liegen oder an der vorhandenen bzw. fehlenden Werbung. Vor Kurzem sagte jemand zu mir, er lese seit Jahren nur noch Selbstverleger, da ihn der Einheitsbrei der Verlage langweilen würde. Vielleicht, dachte ich mir, liegt hier drin ja wirklich eine Chance. Aber momentan scheint es mir so, als seien die Verlage die mutigeren Verleger

Die letzten Wochen …

Cover_GU_9_M… des Jahres erweisen sich als sehr produktive Zeit. In wenigen Tagen erscheint die Nummer 9 von GEGEN UNENDLICH, in der meine Erzählung »Analoge Tendenzen« zu finden sein wird. Eine Kurzgeschichte aus dem Jahr 2005, die für die Ausgabe noch ein wenig überarbeitet wurde, und bei der es großen Spaß machte, sie noch einmal zur Hand zu nehmen. Schon im Februar haben wir dann mit der Nummer 10 ein kleines Jubiläum erreicht. Blättere ich die bisherigen Ausgaben durch, freue ich mich darüber, dass wir neben den üblichen Verdächtigen der doch sehr überschaubaren und gut vernetzten deutschen SF- und Phantastikszene auch mal nicht so häufig vertretene Autoren bringen konnten, die dem zu Konventionen erstarrten Genre frischen Wind einhauchten.

Gleichzeitig neigt sich die Arbeit am letzen Band von »Der Neiding« ihrem Ende entgegen.  »Der Neiding 6«, der Abschluss der großen Sachsensaga um die Brüder Farold und Arbogast, wird Anfang nächsten Jahres veröffentlicht werden. Noch einmal begleite ich  die mir über die Jahren vertraut gewordenen Gestalten, die  unausweichlichem ihrem Schicksal entgegen gehen. »Unser Schicksal ist schon längst von den Nornen bestimmt«, würde Arbogast sagen, und so bleibt mir nur, den Charakteren bis zu ihrem vorherbestimmten Ziel zu folgen.

Hand-Werk

Nach zwei Wochen der Planung habe ich mich nun an die Überarbeitung vom letzten Teil des »Neidings« begeben. Eine klare, schlichte Sprache verwenden und eine reduzierte Handlung, wodurch das Historische etwas Parabelhaftes und Zeitloses bekommt. Dadurch wird es zweitrangig, wie weit die erzählte Geschichte zurückliegt. Kraftvoll erzählen, nicht intellektuell; auf das Wesentliche, allgemein Menschliche herunterbrechen. Einen historischen Roman zu schreiben kam mir lange Zeit vor, wie mit einem Schmuddelkind in der Öffentlichkeit zu erscheinen, nun stelle ich fest, dass das Kind bescheiden und klug ist.

»Urd«

Cover Neiding 5Es ist geschafft! Gestern habe ich das letzte Kapitel von »Urd« beendet und ins Korrektorat gegeben. Die Veröffentlichung steht also kurz bevor. Ich freue mich sehr darüber und möchte mich für die vielen freundlichen Leserkommentare und interessierten Rezensionen im Netz bedanken. Als nächstes werde ich die Arbeit  kurz für ein anderes Projekt unterbrechen, bevor ich mich in zwei Wochen an den letzten Teil vom »Neiding« begebe und die Reihe abschließe.

pandora

pandoraBeim Durchforsten meiner Sammlung von Literaturmagazinen aus den letzten fünfundzwanzig Jahren, die sich in allen Formen, Größen und Farben in den Regalbrettern und Ordnern tummeln, manche regional beschränkt und nur bei ausgewählten Läden und Copyshops erhältlich, manche sogar mit einer ISSN-Nummer versehen, und auch so einige, die direkt nach der ersten Ausgabe das Erscheinen einstellten, fielen mir wieder die Ausgaben von »pandora« ins Auge. »pandora«, verlegt im Shayol-Verlag, war der Versuch, in Deutschland ein anspruchsvolles Magazin zur Science – fiction und Fantasy herauszugeben. Was Hanns Riffel, vielen bekannt als Mitinhaber der SF-Buchhandlung »Otherland« in Berlin, auf die Füße stellte, hatte es in unserem Lande so lange nicht gegeben. Als großer Freund der »Alien Contact«-Seiten kaufte ich mir die erste Ausgabe sofort nach ihrem Erscheinen und war, anders kann ich es nicht sagen, einigermaßen beeindruckt. Der schon im Vorwort deutlich gemachte Anspruch wurde von Namen wie J.G Ballard, Ursula K Le Guin, Dietmar Dath, Tad Williams und Boris Strugatzki unterstrichen. Das Ganze war eine wilde Mischung aus Prosa und Sachtexten, die alle eins sein wollten: nicht weniger anspruchsvoll als das, was gemeinhin als Genre der realistischen oder mimetischen Literatur fungiert. Passend dazu fand sich auch gleich zu Beginn ein Artikel von Ursula Le Guin zum Thema Genre, der gleichzeitig für die Haltung des Magazins stehen mag. David Pringel scPandora4_Cover_0400pxhrieb seine »Überlegungen zur Novelle« und behandelte damit wohl die edelste Form, in der Literatur erscheinen kann.  Die Prosa und Rezensionen standen dem Anspruch der Sachtexte in nichts nach. Nachdem ich die erste Ausgabe durchgeblättert hatte, bestellte ich ohne zu Zögern ein Abo. Ausgabe 2 und 3 trafen in gewohnter Qualität ein, Band 4 folgte, dann war Schluss. Die fünfte Ausgabe erschien nicht mehr; Hans Riffel und Jakob Schmidt, letzterer seit Ausgabe Nummer 3 als Mitherausgeber dabei, hatten das Handtuch geworfen. Im Vorwort des vierten Bandes wird der Mangel an Zeit genannt, ein solch ambitioniertes Projekt weiter auf dem Niveau zu führen. Auf der Seite des Shayol-Verlags sind die Ausgaben von »pandora« noch erhältlich.

Zwielicht Classic und GU Nr. 5

zwielicht-classic-5In der aktuellen Ausgabe von »Zwielicht Classic« bin ich mit meiner Erzählung »Der Geisterfotograf« vertreten. Ich freue mich über die Publikation in der von Michael Schmidt herausgegebenen Reihe, wundere mich aber immer noch ein wenig darüber, mich in einem Horrormagazin wiederzufinden. Im Sommer wird dann die gedruckte Fassung des eBooks erscheinen.

Außerdem erscheint in den nächsten Tagen die Nummer 5 unserer phantastischen eBook – Reihe »GEGEN UNENDLICH«. Mit der Eröffnungserzählung von Malte S. Sembten startet die Ausgabe mit einer umfangreichen Erzählung. Das Titelbild stammt diesmal von Crossvalley Smith. Mit dabei sind diesmal neben Malte S. Sembten auch noch Peter Nathschläger und Jörg Isenberg, den GU-Leser schon in der Nummer 3 kennengelernt haben.

DIE STORYS:
Malte S. Sembten: »languerous@barron.feu«Cover_GU_5_M
Peter Nathschläger: »Yemoyas Traum«
Michael Blasius: »Jagdmodus«
Andreas Fieberg: »Hirngespinst«
Jörg Isenberg: »Block A«
Joachim Pack: »Eine kurze Bettgeschichte«

AUS DEM INHALT:
Die rätselhafte eMail-Adresse, die es eigentlich nicht geben dürfte, gefunden in einem alten Buch / Die magische Brücke in eine bessere Welt / Zuschauer, die Todesurteile vor dem Fernseher vollstrecken / Die verhängnisvollen Einbildungen einer nervlich zerrütteten Frau / Die Rückkehr der Großen Alten / Das überraschende Ende einer Bettgeschichte // Sechs bizarre Begebenheiten, sechs Facetten der Phantastik, unterhaltsam und pointiert erzählt.

GEGEN UNENDLICH. Phantastische Geschichten – Nummer 4

Cover_GU_4_MMittlerweile ist die vierte Ausgabe unserer Phantastikreihe »GEGEN UNENDLICH« erschienen. Diesmal konnten wir für das Coverbild Lothar Bauer gewinnen, der in der Szene seit langem als sehr produktiver Illustrator bekannt ist. Es ist wieder eine spannende und hochwertige Mischung an Erzählungen aus unterschiedlichsten Bereichen der phantastischen Literatur zusammengekommen. Mit Barbara Hundgeburt-Grabow, Monika Niehaus und Silke Jahn-Awe sind diesmal drei Gastautorinnen dabei.

Außerdem wird mit der Nummer 4 eine neue Rubrik eingeführt. Im »Fraktalgenerator« widmen wir uns in kürzeren Texte verschiedenen Phänomen der Phantastik. Persönlich und meinungsstark. Ich wünsche viel Spaß bei der Lektüre!

DIE STORYS:

Michael Blasius: »Karma AG«
Andreas Fieberg: »Das lange Warten«
Barbara Hundgeburt-Grabow: »Spiegelbilder«
Joachim Pack: »Vor dem Rand der Welt«
Monika Niehaus: »Der seltsame Fall des Leutnant Benjamin Abel«
Silke Jahn-Awe: »Betamesser«

AUS DEM INHALT:

Der schockierende Vorleben-Bescheid vom Amt für Identitäten — ein rätselhaftes Kunstwerk auf einem fernen Planeten — die magische Lichtbildnerei einer alten Dame — die Macht des Wissens und die Hilflosigkeit eines paranoiden Wissenschaftlers — ein außergewöhnlicher Fall von Bewußtseinsspaltung — Kulinarisches vom Planeten Omega. — Sechs bizarre Begebenheiten, sechs Facetten der Phantastik, unterhaltsam und pointiert erzählt.

»Der Neiding 4 – Winter« veröffentlicht

Cover Neiding 4

Der vierte Teil von »Der Neiding« ist fertig und wird in den nächsten Tagen an die Händler ausgeliefert. Somit dürfte er auf den letzten Drücker wie angekündigt noch in diesem Monat bei amazon & Co erhältlich sein. Bei neobooks steht er schon zum Download bereit. Dort gibt es auch eine Leseprobe.

Der Neiding 4 – Winter

Der Neiding - CoverCover Neiding 2Cover_Neiding_3_klCover Neiding 4

 

 

 

Die Arbeit am vierten Teil von »Der Neiding« ist fast abgeschlossen. Seit einer Woche befindet sich der Text im Lektorat, während ich noch etwas am letzten Kapitel feile. Mittlerweile ist das Ende der Reihe in Sicht: ein oder zwei Bände werden es noch werden, dann ist die Saga um die beiden Brüder Arbogast und Farold zu Ende. Zeit für ein kurzes Innehalten. So viele Jahre, wie mich jetzt der Stoff und die Charaktere begleiten, verlasse ich den Neiding mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Es hat mich sehr gefreut, die beiden Männer und ihre Sippe kennengelernt zu haben, die irgendwann ihre eigene Dynamik entwickelten, als sie ins Leben traten und ich ihnen nur noch hinterher stürmen musste. Nun muss ich ihnen noch durch das große Finale folgen, bevor sich ihre Spuren endgültig im Nebel der Zeit verlieren, und ich wieder in die Gegenwart zurückkehre. Und da die beiden Brüder bereits das Interesse eines großen Verlages geweckt haben, findet man sie vielleicht auch bald zwischen zwei Buchdeckeln wieder. Es würde mich freuen.

Das Digitale und die Flüchtigkeit

Ich schreibe gerade an einer Erzählung für die Dezemberausgabe von GEGEN UNENDLICH. Neben der Freude an der kurzen Form, die eine Abwechslung zur Arbeit am Roman darstellt, genieße ich das Schreiben von Hand. Ein Notizheft und ein Stift, nichts weiter. Dabei wird mir wieder bewusst, wie flüchtig die Arbeit am Rechner ist. Nicht erst seit dem Datenverlust Anfang des Monats, der mir trotz Sicherheitskopien die Arbeit von einer Woche entriss. Dem Digitalen ist die Flüchtigkeit schon eingeschrieben. Ein Stromausfall, ein technischer Defekt, ein neues Format (was werde ich in zwanzig, dreißig Jahren noch öffnen und lesen können?), die Weiterentwicklungen bei den Datenträgern …
Aber: das Digitale ist beweglich, verfügt über kurze Wege, kann Dinge wagen, die den analogen Medien nicht gelingen wollen, schafft neue Möglichkeiten abseits von Verlagen (und auch neue Abhängigkeiten von den neuen Türstehern, die sich um die Wortproduzenten versammelt haben und sie mit der Leichtigkeit des Seins locken wollen, um an deren Tantiemen teilzuhaben).

„Ich reite heim und gehe nirgendwo hin.“

u1_978-3-10-007622-9.434854Vor einigen Monaten bin ich auf ein Mammutprojekt des S.Fischer-Verlags aufmerksam geworden, der zu seinem 125jährigen Verlagsbestehen im Jahre 2011 die Isländersagas neu übersetzt hat. Vier dicke Bände sind es geworden und sie haben es in sich. Befreit vom ideologischen Ballast der alten Thule-Ausgaben liegen die Prosatexte in einer starken und bildhaften Sprache vor, die schon Dashiell Hammet, Jorge Luis Borges oder J.R.R. Tolkien bewundert haben. Niedergeschrieben wurden die Sagas von anonymen Verfassern im 13 und 14. Jahrhundert . Die Erzählungen schildern die Erlebnisse von Personen und Familien, die im 1. Jahrhundert Island besiedelten. Die Sagas handeln von Freundschaft, Liebe, Stolz, gekränkter Ehre, Rache, Toschlag und Buße. Wir treten in eine Welt, die „beseelt ist von wütenden Außenseitern, starken Frauen und Rechtskundigen, (…) aber auch von Schadenszauber und Wiedergängern und nicht zuletzt abenteuerlichen Reisen in ferne Länder“. Jede Saga wird von einer fundierten Einleitung und von einem knappen Anmerkungsteil ergänzt. Die umfangreichen vier Bände folgen dabei einer geographischen Ordnung: der erste Band versammelt die Geschichten, die im Süden Islands spielen (unter anderem die berühmte Saga von Egill Skalla-Grimson, die lange Zeit in Deutschland nur antiquarisch zu erstehen gewesen war), Band 2 bringt die Sagas aus dem Westen, der dritte Band spielt im Nordwesten und Band 4 schließlich enthält die Sagas aus dem Nordosten, Osten und dem Ausland.

Aktuelles

Nachdem ich nun einige Wochen die Finger von der Tastatur genommen habe, begann ich vor einigen Tagen mit dem vierten Band vom Neiding. Wie immer nach einer kurzen Pause verspüre ich eine Freude, wie wenn man heimkommt: die Charaktere, die Orte und die Sprache vergangener Zeit sind mir in den letzten Jahre sehr vertraut geworden und ans Herz gewachsen. Gleichsam steht nun auch die Veröffentlichung unserer Nummer 2 von GEGEN UNENDLICH kurz bevor. Nachdem die kostenlose Sondernummer so rege Nachfrage verzeichnen konnte, freue ich mich sehr, dass mit dieser Anthologie wieder einige Facetten der phantastischen Literatur präsentiert werden können, u.a. mit den Erzählern Uwe Durst und Hubert Katzmarz.

Abschied von Bleiwenheim

androsf36cover500Nachdem vor einigen Monaten bei p.machinery die gesammelten Werke von Hubert Katzmarz erschienen sind, folgt nun mit »Abschied von Bleiwenheim« ein Gedenkband mit Erzählungen von Kollegen, Freunden und Weggefährten. Mit ihnen wird dem Autor düsterer Phantastik ein literarischer Nachruf bereitet, der in seinen Geschichten von der Unausweichlichkeit des Menschseins berichtet. Seine Charaktere sind Getriebene, ausgeliefert an eine Welt, die ihnen als Feind gegenübertritt. Und immer wieder ist es der Sinn für das Skurrile, ein Humor, mit dem das Unerträgliche abgemildert wird. Abgerundet wird das Buch durch einen Auszug aus einem Roman, den Hubert Katzmarz leider nicht mehr beenden konnte. Der schöne Band wird von einer Covercollage von Thomas Franke geschmückt.

Extimes: 6

Ein hochbeiniger Igel eilt durch den dunklen Garten. Im Schein der Laterne folgt ihm sein kugeliger Schatten, bevor er sich unter dem Zaun hindurchdrückt und die Straße überquert.

Das Waschen der Lammleber, die wie ein geöffnetes Buch in den Händen liegt.

Im Supermarkt ein kleines Mädchen mit aufgemaltem Löwengesicht.

Drei junge Frauen sitzen in der nächtlichen Straße auf dem Bürgersteig, zwischen Litfaßsäule und Hauswand, und unterhalten sich leise. In der autoleeren Ruhe sitzen sie entspannt beisammen wie in einem Wohnzimmer.

Friedlos

Cover_Neiding_3_klDer dritte Teil meines historischen Romans »Der Neiding« ist fertig und wird an die Händler ausgeliefert. Auf neobooks steht das eBook schon zum Download bereit. »Friedlos« fällt in eine Zeit großer politischer Umwälzungen (wie man heute sagen würde) und kriegerischer Auseinandersetzungen. Während Arbogast mit seinem Gesippten Rolant seine Rache verfolgt und sich auf die Suche nach Farold macht, geht das Land nach und nach im Chaos unter. Dies war sehr reizvoll umzusetzen, da ich der Versuchung widerstehen musste, Arbogast mitten in die Ereignisse zu werfen, gleichzeitig die Geschehnisse dem Leser aber plastisch vor Augen führen wollte. Wie nimmt ein Mann, der von einer Sache besessen ist, die Veränderungen um sich herum wahr? Gleichzeitig stelle ich den Sachsenkrieg nun auch verstärkt aus Sicht der Franken dar.

Aus dem Klappentext: »Im ganzen Gebiet der Sachsen kommt es zu Aufständen gegen die fränkischen Besatzer und die sächsischen Adeligen, die sich Karl dem Großen unterworfen haben. Arbogast nimmt mit Rolant die Verfolgung von Farold auf, um ihn zu töten und das Heil seiner Sippe wieder herzustellen. Aus der Bewusstlosigkeit erwacht, findet sich Farold im Kloster Fulda wieder, doch seine Verletzungen sind schwer und er schwebt zwischen Leben und Tod. Währenddessen kommt es zu einer großen Schlacht am Süntelgebirge, bei der die Franken vernichtend von den vereinten Sachsenstämmen unter Herzog Widukind geschlagen werden. Doch die Rache des mächtigen Frankenkönigs Karl folgt sofort: in Verden lässt er Tausende von sächsischen Geiseln hinrichten.«

Die Lust des Fabulierers

In seinem Vorwort zu »Der Name der Rose« schreibt Umberto Eco, dass es heutzutage der Trost des homme de lettres sei, wieder schreiben zu dürfen aus reiner Liebe zum Schreiben. 1968 war ihm ein Buch aus der Feder eines Abbé Vallet in die Hände gefallen, das ihn so fesselte, dass es die Keimzelle für seinen historischen Roman um ein italienische Benediktinerkloster und seine Bibliothek wurde. Zu dieser Zeit, berichtet Eco, war es die gängige Überzeugung, nur schreiben zu dürfen aus Engagement für die Gegenwart und im Bestreben, die Welt zu verändern. Zehn Jahre später nun fühle er sich frei, aus schierer Lust am Fabulieren die Geschichte des Adson von Melk zu erzählen. Und es schiene ihm tröstlich, dass diese Geschichte so unendlich fern in der Zeit ist und so herrlich frei von allen Bezügen der Gegenwart.
Lange Zeit schienen die Fabulierer fast ausschließlich auf fremden Pfaden weitab der Gegenwart und der Realität zu wandeln , als würde der Blick aus dem Fenster die Lust am Fabulieren ersticken. Sie siedelten ihre Stoffe in ferner Vergangenheit oder Zukunft an, erschufen Phantasiewelten und fremde  Rassen, als halte die Gegenwart keine starken Stoffe mehr bereit – oder als hemme sie die Phantasie. Realistische Mainstreamprosa hingegen verlor sich in alltäglichen Kleinigkeiten, während der große erzählerische Wurf anderen Zeiten oder Welten vorbehalten schien. Frei von dem Anspruch, die Welt erklären zu müssen und sich in Bedeutungsschwangerschaft zu verlieren, kam eine erzählerische Haltung zu neuen Ehren,  dass es ausreichend sei, sich auf das Erzählen einer Geschichte zu konzentrieren, dass dieses Arbeiten mit Bildern und Modellen alles einzufangen vermag, was das Leben und die Welt ausmacht – und dies in einer Sprache zu uns bringt, die wir nicht erst aus dem Abstrakten übersetzen müssen.

Der Neiding 3 – Friedlos

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Heute habe ich die Überarbeitung des letzten Kapitels beendet. Der dritte Teil hat etwas mehr Zeit in Anspruch genommen als eingeplant, ist dafür aber auch ein wenig dicker als sein Vorgänger geworden. Jetzt geht das Manuskript ins Lektorat, und wird vermutlich innerhalb der nächsten 10-12 Tage bei den Händlern gelistet sein.

Tschick

»Die Welt ist schlecht und der Mensch ist auch schlecht. Trau keinem, geh nicht mit Fremden. Das hatten mir meine Eltern erzählt. Und das Fernsehen erzählt es auch. Und vielleicht stimmte das ja auch, und der Mensch  war zu 99 Prozent schlecht. Aber das Seltsame war, dass Tschick und ich auf unserer Reise fast ausschließlich dem einen Prozent begegneten, das nicht schlecht war.«

Wolfgang Herrndorf
1965 – 2013

Die Heinzelmännchen der Literatur

Der Übersetzerverband VdÜ kritisiert die schlechte Bezahlung der Übersetzer in Deutschland (siehe hier und hier). Beim Lesen der vom VdÜ kritisierten Punkte möchte man ausrufen: »Willkommen im Boot, liebe Übersetzer!« Zwar gibt es bei uns Autoren in schöner Regelmäßigkeit reißerische Artikel, die das enorme Einkommen einiger weniger von uns beziffern, doch die Realität sieht doch anders aus. Vom Schreiben leben tun hierzulande nur wenige Schriftsteller, die meisten fahren zweigleisig mit einem oder gar mehreren Brotberufen nebenher. Ist das schlimm? Ich denke, die meisten Autoren sind sehr realistisch, und obwohl es merkwürdig anmutet, dass in der ganzen Verwertungskette »Buch« so ziemlich jeder der Beteiligten davon leben kann, eben außer denjenigen, die die Bücher schreiben, werden doch noch immer Unmengen an Büchern verfasst, veröffentlicht und gelesen. Und am meisten verdienen nicht unbedingt die Verlage. Letztens fragte ich einen Bekannten, als er mich auf meine Tantiemen ansprach, was er schätzen würde, wie viel ein Autor an seinem Buch verdient, das für zehn Euro im Laden steht. Nur soviel: Er lag weit daneben …

GEGEN UNENDLICH: Sondernummer gratis

COVER_GU_SNHeute ist die Sondernummer von GEGEN UNENDLICH  erschienen. Von mir ist die Erzählung „Dienstag, zwölf Uhr“ dabei. Daneben finden sich noch vier weitere, sehr schöne Erzählungen. Die Sondernummer von GU steht fast überall im Handel zum kostenlosen Download bereit.

Silke Jahn-Awe: Tank 142
Michael Blasius: Dienstag, zwölf Uhr
Norbert Golluch: Die virtuelle Familie
Andreas Fieberg: Wohnungsnot
Joachim Pack: Lift!
Michael Blasius: Die Bibliothek von Babel

Macht es wie Gottes Sohn, werdet Mensch – so könnte die Botschaft in einer Welt lauten, die die Hölle ist. // Der Geist der Vergangenheit lässt einen polnischen Partisanen nicht mehr los. // Das Update ist da, Zukunft 2.0 übernimmt das Ruder. // Jemand sucht eine Wohnung und findet statt dessen sein Schicksal. // Ziemlich mitgenommen wirkt auf dem Planeten Vingart ein irdischer Besatzer bei seiner Begegnung mit einem Einheimischen.

Der Autor und die sozialen Netzwerke

Noch vor wenigen Jahren war es gerade mal üblich, dass ein Autor eine eigene Homepage besaß. Mittlerweile ist in dieser Hinsicht stark aufgerüstet worden. Fast jeder Autor heutzutage ist auf twitter, Google+ und facebook vertreten, um sozial für sich und sein Werk zu trommeln. Es ist das bekannte Spiel: was keiner kennt, kann auch keiner lesen (und kaufen). Was nützt das beste Buch, wenn niemand darauf aufmerksam wird. Bei den Verlagen ist das gut zu beobachten. Ein Großteil des Werbeetats geht für eine Handvoll Bücher drauf, die dann mit dementsprechenden Aufwand in die Öffentlichkeit gedrückt werden. Und die sich in der Regel gut verkaufen. Die anderen Verlagsautoren gehen dabei leider leer aus. Sie müssen sich ohne große Werbung durch das Autorenleben schlagen – oder selbst aktiv werden. Besonders schön zeigt sich die Auswirkungen der PR-Aufmerksamkeit am aktuellen Fall von J.K. Rowling. Die bekannte Autorin hatte im April diesen Jahres unter männlichem Pseudonym einen Krimi veröffentlicht, der sich in den ersten drei Monaten 1500 Mal verkaufte. Dann wurde die wahre Identität des Verfassers bekannt und das Werk gelangte sofort in die Bestsellerlisten. Was war passiert? War das Buch über Nacht besser geworden? Nein, aber der PR-Trick der ausgebufften J.K. Rowling hat wunderbar funktioniert. Sie äußerte in einem Interview, dass es ihr ziemlichen Spaß bereitet hätte, ohne den ganzen Hype unbeschwert einen Roman zu schreiben und zu veröffentlichen. Das glaube ich ihr gerne. Aber wesentliche Verkäufe hat diese Methode nicht generiert. Die literarischen Qualitäten des Romans allein reichten nicht aus. Erst jetzt, nachdem die berühmte Harry-Potter-Autorin als Verfasserin bekannt wurde, reißen sich alle Verlage um das Buch und werden einen erheblichen Teil ihres Werbeetats darauf verwenden. Und das Buch wird sich wunderbar verkaufen. Nicht, weil es gut ist, sondern  weil es gut beworben wird.