»MŒBIUS« vom 15.9.2019 – 16.2.2020 in Brühl

Moebius Brühl
Abb.: Arzak le rocher, 1995, Gouache und Acryl auf Papier © 2019 Moebius Production

Vor einigen Jahren brachte das Max Ernst Museum in Brühl eine großartige Ausstellung der künstlerischen Arbeiten von Tim Burton. Horden von nerdigen Typen warteten geduldig in einer langen Schlange an der einzigen Kasse des Hauses, das auf einen solchen Ansturm kaum vorbereitet war. Ich habe noch nie ein solch buntes Durcheinander in einer Museumsausstellung gesehen, es war ein Riesenspaß.

Jetzt widmet sich das Max Ernst Museum in einer neuen Ausstellung den Bilderwelten des französischen Comiczeichners Jean Giraud, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Moebius:

Das Max Ernst Museum Brühl des LVR zeigt eine Ausstellung mit visionären Bildwelten des bedeutenden französischen Comiczeichners und Szenaristen Jean Giraud (1938-2012), der unter dem Namen »Mœbius« international bekannt geworden ist. Mœbius erforschte die Sphären der Träume und der Science-Fiction. Mit seiner immensen Imaginationskraft schuf er in präziser Strichführung surreale Welten im ständigen Fluss. In seinen Geschichten treffen utopische Architekturen und futuristische, menschenüberfüllte Megametropolen auf Wüstenlandschaften und schamanistische Reisen durch Raum und Zeit.

Bei Mœbius verschwimmen die Genregrenzen zwischen Comicstrip und Kunst. Seine fantastischen Erzählungen werden für den Betrachter dabei zur Seelenreise in das Ich des großen Meisters der Linie und damit in unbekannte Bereiche der Fantasie, die überraschend detailgenau und suggestiv Form annehmen.

Die Ausstellung widmet sich dem umfangreichen Werk von Mœbius und seinen komplexen Bildgeschichten: Ausgehend von seinen Notizbüchern (»Carnets«), in denen er grundlegende Ideen seiner Bildproduktion konzentriert hat, über skizzenhafte Zeichnungen, szenisch gegliederte Comicfolgen, abstrakte Gemälde bis hin zu populären Druckgrafiken wird das Spektrum seiner faszinierenden Zeichenkunst ausgebreitet.

Die Rückkehr aufs Land

97839385118241

Nicht häufig verirrt sich ein Comicband in meine Hände, um so mehr freue ich mich, wenn es sich dabei um ein besonders schönes Exemplar handelt. Ein paar Jahre ist die deutsche Veröffentlichung von »Die Rückkehr aufs Land 1« von Jean-Yves Ferri und Manu Larcenet schon her, von der der Verlag REPRODUKT mittlerweile einen zweiten Band herausgebracht hat.
Der autobiographische Comic handelt von Manu und Mariette, die dem Leben in der Stadt Lebewohl sagen und mit ihrer Katze Speed aufs Land ziehen. In den einzelnen Episoden begleiten wir das junge Paar vom Einzug in das neue Haus, dem Kennenlernen der Umgebung mit der mitunter eigenwilligen Landbevölkerung, bis zum Alltag mit seinen ungewohnten Herausforderungen. Schweigsame Nachbarn kommen auf ein Glas selbst gebrannten Schnaps vorbei, die attraktive Bäckerin erweist sich als hilfreich bei Radiergummimangel, ein Gemüsegarten will angelegt werden, beim Pilze sammeln im Wald unterstützt das Internet, es folgt eine Einladung zum Holzfällen und dem jährlichen Schweinefest, und ein Eremit im Wald, bei dem es sich um den ehemaligen Bürgermeister handelt, erweist sich als Psychiaterersatz. Und kaum hat Manu sich richtig eingelebt, wünscht sich Mariette ein Kind …
Der Humor speist sich in »Die Rückkehr aufs Land« aus den schon häufig verwendeten Unterschieden zwischen Städtern und Landbevölkerung, aber Ferri und Larcenet zeichnen die Kontraste auf eine sehr liebevolle Art und Weise, ohne ins allzu Karikaturhafte zu verfallen. Dazu kommt, dass man durch das autobiographische Element eine sehr glaubwürdige Gestaltung des Landlebens vorfindet und die kleinen Alltäglichkeiten mit charmanter Hand dargestellt werden. Abgerundet wird das Leseerlebnis durch die schöne Aufmachung des Bandes, der sich an das Querformat des französischen Orginals gehalten hat.