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Lesung in Bonn am 22. März

 

Am 22. März stellen wir die aktuelle Ausgabe von GEGEN UNENDLICH in der Buchhandlung Böttger in Bonn vor. Die schöne Lokalität war schon vor zwei Jahren Schauplatz der von uns organisierten Lesereihe  »Phantastischer Sommer«, und es ergab sich eine spannende Mischung aus dem klassischen Lesungspublikum der Buchhandlung und den Freunden der Phantastik und Science-Fiction. Es werden Texte von Alban Nikolai Herbst, Georg Klein und Friedhelm Wilhelm Korff zu hören sein. Außerdem trägt der Bonner Autor Uwe W. Appelbe aus »Die Kinder« vor. Ich werde einen Ausschnitt aus meiner längeren SF-Story »Unter der Sonne von Cela 14« lesen.

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Alle-Mal-Malen hier?

In Bonn gab es lange Zeit einen älteren Mann, der allgemein als »Alle-Mal-Malen-Mann« bekannt war. Abend für Abend zog er durch die Kneipen und Cafés, trat an die Tische und fragte: »Alle mal malen hier?« Bejahte man die Frage, ließ er sich schnell nieder, zog einen Block und einen Bleistift aus seiner alten Aktentasche, die er immer bei sich trug, und zeichnete ein Gruppenbild. Lehnte man sein Angebot ab, zog er von dannen, manchmal auch schimpfend.

Über die Jahre hinweg wurde dieser Mann zu einer Institution in der Stadt. Nach einer Lesungen vor zwei Jahren, bei der wir unser Magazin »GEGEN UNENDLICH« vorstellten, kehrten wir im Anschluss mit einigen Leuten in einer Kneipe ein und setzten uns an eine der langen Bierbänke vor dem Lokal. Es dauerte nicht lange, und der »Alle-Mal-Malen-Mann« fuhr mit seinem klapprigen Fahrrad vor und stellte uns die berühmte Frage. Ich überlegte nicht lange. Das war das letzte Mal, dass wir ihn sahen. Einige Monate später starb der Maler, dessen Künstlername Jan Loh lautete. Heute jährt sich sein erster Todestag.

Nichts geht mehr

SAMSUNGSeit Jahren strebt Bonn an, Fahrradhauptstadt von NRW zu werden. Dazu muss man wissen, dass Bonn nicht nur die lauteste Stadt NRWs ist, sondern auch tagtäglich von Automassen überrollt wird, die die halbe Stadt lahmlegen. Als man vor einigen Monaten im Rahmen von Sanierungsarbeiten eine Spur einer innerstädtischen Autobahnbrücke sperrte, war das Tagesthema und Hauptaufreger bei den Berufspendlern und Lokalmedien. Der Bonner General-Anzeiger richtete dafür extra einen Live-Ticker ein.
Umso erstaunlicher ist das Ansinnen der Stadt, Fahrradhauptstadt zu werden, wenn man überlegt, dass Bonn kaum über Radwege verfügt. Statt Radwege gibt es hier höchstens mal gestrichelte Linien auf den Straßen, was dazu führt, dass sich Auto- und Radfahrer beständig in die Haare kriegen, und der eine oder andere Radfahrer im wahrsten Sinne des Wortes unter die Räder kommt. Als jemand, der täglich mit dem Rad unterwegs ist, kann ich sagen, dass man schon eine beinahe unvernünftige Liebe zum Radfahren braucht, um in dieser Stadt trotz allem zu fahren. Als gebürtiger Münsteraner bin ich immer wieder begeistert, wie gut dort die Fahrradinfrastruktur ist. Nun ist Bonn nicht Münster, hier fehlt es einfach an Platz und am politischen Willen. So müsste man, wollte man den Radverkehr stärken, den Platz woanders einsparen, sprich bei den Autofahrern. Nun rächt sich eine verfehlte Stadtplanung, die jahrzehntelang primär auf den Autoverkehr ausgerichtet war und unsere Städte zu öden Durchfahrstrecken degradiert hat.

Voyager

1781119_623916197685999_555754049270840656_oLange hat mir keine Neueröffnung in Bonn, dieser bissig-spießigen, zum bildungsbürgerlichen Mainstream neigenden Stadt, solche Freude gemacht wie das neue Projekt einiger Unentwegter: das Voyager. Hier finden Brettspieler, Nerds, Science-Fiction und Fantasy-Fans ein neues Zuhause. Unbedingt mal reinschauen, wenn man in der Nähe ist. Das Voyager ist ein schönes Beispiel dafür, dass eine Stadt nicht dadurch interessanter wird, dass Tausende neue Mitarbeiter von Post, Telekom und Postbank hinziehen, sondern dass kreative Köpfe was auf die Füße stellen. Die Getränkekarte lockt mit etlichen, sehr leckeren Sachen, und für das leibliche Wohl ist auch gesorgt.

Brüderle

Früher, erzählt ein alter Reporter, hätte es bei den Bonner Journalisten einen Berufsethos gegeben, über nichts zu schreiben, was die Politiker privat in den Cafés, Bars und Restaurants von sich gaben, es wurden dabei auch keine Fotos von ihnen geschossen. Der Journalist hielt sich für nicht so wichtig wie die Nachricht. Heute hätten wir den Fall Brüderle.

Tod und Ewigkeit

Dreißig Fußminuten von unserer Wohnung entfernt, am Ufer des Rheins, liegt ein altes Mausoleum. Adolf von Carstanjen ließ den Nachbau des Pantheon Ende des 19. Jahrhunderts als Familiengruft in Bad Godesberg errichten. Das Gebäude wird immer noch benutzt und kann mittlerweile von allen Bürgern als Begräbnisstätte in Anspruch genommen werden.

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Hubert Katzmarz – Gesammelte Werke

Per Post kamen die beiden Bände der gesammelten Werke von Hubert Katzmarz an. p.machinery hat die Erzählungen und Gedichte des leider viel zu früh verstorbenen Bonner Autoren mit kongenialen Covercollagen von Thomas Franke herausgebracht. Die Bücher sind echte Handschmeichler und eine wahre Augenweide. Ein Lesetipp für all diejenigen, die phantastische Literatur auch zu schätzen wissen, wenn sie ab und an ein wenig sperrig daher kommt.

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