Der Pakt

Lange Zeit gab es einen unausgesprochenen Pakt zwischen Bürger und Staat, der lautete: Du arbeitest und zahlst deine Steuern, dafür wirst du dir einen bescheidenen Wohlstand aufbauen, eine Rente haben, die dir die Existenzangst nimmt, und deinen Kindern wird es besser gehen als dir. Es war die Zeit, wo ein Einkommen in einem normalen Beruf noch reichte, eine Familie zu ernähren. Dieser Pakt wurde vom Staat einseitig aufgekündigt, auch wenn er noch nicht alle sozialen Pflaster abreißen will.

Wenn jetzt unsere Bundeskanzlerin in den Ruhestand geht, hinterlässt sie ein gespaltenes Land. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist größer geworden, der Mittelstand bröckelt, der Niedriglohnsektor ist riesig. Wir haben einen Mindestlohn, der kaum zum Leben reicht und der trotz besseren Wissens so niedrig ist, dass am Ende eines langen Arbeitslebens die Rente auf Höhe der Grundsicherung liegt. Politischer Mehltau ist bis in die letzte Ritze gekrochen und lähmt das geistige Leben des Landes. Der öffentliche Diskurs ist praktisch abgeschafft, eine falsche Moral und Diffamierungen ersetzen Debatten, die sich in Nebensächlichkeiten erschöpfen. Der gute Bürger ist ein Untertan geworden.

Aber Resignation kann nicht die Antwort sein, wenn man etwas ändern möchte. Bei der letzten Kommunalwahl in unserer Stadt ist eine neue politische Partei von null auf hundert direkt in den Stadtrat gewählt worden. Und sie macht ihren Job gut, trotz verkrusteter Strukturen der Altparteien bringt sie frischen Wind in die Stadtpolitik und auf einmal gehen Dinge, die lange undenkbar waren. Das ist nicht die Lösung aller Probleme, aber zumindest ein guter Anfang.