Silicon Valley-Liberalität

Zu viel für Apple: Jesus mit Joint (Foto: Cicero)

Zu viel für Apple: Jesus mit Joint (Foto: Cicero)

Heute Vormittag, beim Stöbern in der Buchhandlung, fiel mein Blick auf das Cover der Januar-Ausgabe des Cicero Magazins. Egal, was man auch von der Art und Weise der Titelillustration halten mag, in dem Moment war ich froh, dass diese Buchhandlung nicht im Besitz von Apple ist. Denn in diesem Fall hätte ich dieses Cover nicht zu Gesicht bekommen.
Als Cicero die elektronische Ausgabe des aktuellen Magazins in den Zeitungskiosk von Apple hochladen wollte, scheiterten sie an den restriktiven Auflagen des amerikanischen Konzerns. Erst als das Cover durch ein anderes ersetzt wurde, konnten sie ihr Heft zum Verkauf im App Store anbieten. Ähnlich erging es dem Entwickler Lucas Pope, der sein Spiel »Papers, Please« für iOS über den Online-Store von Apple vertreiben wollten. Problem hier war ein Nacktscanner im Spiel. Erst nach einigem Hin und Her erlaubte Apple das Spiel dann doch. 2012 musste Focus das Bild einer barbusigen Frau zensieren, um nicht aus dem App Store zu fliegen.
Solche Beispiele zeigen sehr schön, dass diese angebliche Silicon Valley-Liberalität genau so prüde ist, wie all die anderen erzkonservativen Instanzen, die aber über ein ungleich schlechteres Image verfügen. Der global agierende Softwarekapitalismus, der seine Werte und Mythen zu Werbezwecken einsetzt, predigt hier Wasser und trinkt Wein. Und die Anbieter, die ihre Produkte zum Markt (in den App Store) tragen wollen, laufen Gefahr, aufgrund der asymmetrischen Machtlage im vorauseilendem Gehorsam die Schere im Kopf einzusetzen. Wer entwickelt schon ein Produkt, was es dann nicht in den Verkauf schafft. So wird eben vieles prüder, verliert seinen Mut und unterwirft sich dem großen Bruder, der mittlerweile, ganz im Gegensatz zum legendären Werbespot »1984«, Apple ist. Aber vielleicht kommt der eine oder andere Anbieter auch zu dem Ergebnis, dass man nicht alles schlucken muss, was einem aufgetischt wird, und es für dieses Spiel immer zwei braucht?

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Silicon Valley-Liberalität

  1. Christian Weis schreibt:

    Tja, manche US-Amerikaner werden eben nicht müde zu beweisen, dass sie hirnvernebelte Vollpfosten sind. Gewalt, Folter, jedem seine Schusswaffe und sein Feuerfrei, klar, ist völlig okay und ganz normal, aber ein Hauch von unzüchtigem Bildchen, und schon drehen sie durch. Ich frage mich, wann es so weit ist, dass sämtliche Bibeltexten widersprechenden Abhandlungen i.S. Evolution etc. dort endgültig verboten werden. Die Todesstrafe für Nichtbilbeltreue (=teufelsanbetende Anti-Christen) sollte man auch einführen, schnellstens (und selbstverständlich vor der Hinrichtung noch ausgiebig waterboarden).
    [Sarkasmusmodus Ende]

    • Michael Blasius schreibt:

      Mittlerweile ist es aber so weit gekommen, dass sich auch andere Länder mit amerikanischen Moralvorstellungen auseinandersetzen müssen, da diese durch die Dominanz im IT- und social-media-Bereich (Facebook, Twitter, Microsoft, Apple, Google) weltweit importiert werden. Also muss ich mich auch als Herausgeber eines deutschen Magazins zu politischen Kultur auf einmal dem US-amerikanischen Moral – und Wertekanon beugen, oder von einer Veröffentlichung im App Store von Apple absehen und auf einen wahrscheinlich lukrativen Markt verzichten.

      • Christian Weis schreibt:

        Ja, traurig, traurig. Das, was manche Amerikaner (glücklicherweise nicht alle) da treiben, ist nicht weit von dem entfernt, was Putin seit einiger Zeit macht. Die eigenen verqueren Vorstellungen und Ansichten werden anderen einfach übergestülpt. Ich will da noch gar nicht von Faschismus sprechen, aber diese Tendenzen sind schon alarmierend.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s