Informationen

Bereska schrieb in seinen Kolberger Heften von der Informationsflut des Radios. Knapp vierzig Jahre ist das nun her, und mutet schon nostalgisch an. Ich frage mich, ob wir heutzutage einen Scheitelpunkt erreicht haben, wo die Menge der auf uns einströmenden Informationen kaum noch gesteigert werden kann – oder ob wir in vierzig Jahren angesichts aktueller Verhältnisse müde lächeln werden? Immerhin, so lautet ein berühmter Vergleich, stecken in einer Wochenendausgabe der New York Times so viele Informationen, wie der Mensch des Mittelalters während seines ganzen Lebens erhalten hat. Und wenn die Menge an Informationen, die wir aufzunehmen vermögen, nicht mehr gesteigert werden kann, gibt vielleicht Google Glass die Richtung vor, wo die Umwelt nur noch aus konsumrelevanten Informationen besteht und alles andere als nicht verwertbar ausgeblendet werden wird? Letztens auf der Rückfahrt nach Bonn war ich im Zugabteil der einzige Mensch, der weder auf ein Smartphone noch auf ein Notebook starrte, sondern aus dem Fenster sah und nachdachte. Für eine Weile kam es mir so vor, als sei ich der letzte Vertreter der aussterbenden und unterschätzten Kulturtechnik des aus dem Fenster guckens. Ich erinnerte mich an eine Erzählung von Ray Bradbury, in der ein Mann nachts auf der Straße von der Polizei angehalten wird, weil er dort spazieren geht. Was er dort treibe, will der Polizist misstrauisch wissen , der es nicht glauben kann, dass ein Mensch einfach so zu Fuß durch die Gegend läuft. Der Schaffner hat mich das nicht gefragt, aber ein wenig misstrauisch geguckt hat er schon, bilde ich mir ein.

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6 Antworten zu Informationen

  1. sjahnawe schreibt:

    Heute um 11 kam auf WDR5 das Feature Himmel auf Erden – Vollkommenheit, Sport und Shitstorm von Thomas Palzer . Dort war unter vielen anderen interessanten Sachen die Rede von Ray Kurzweil, der zu den Transhumanisten gehört und der Meinung ist, dass eine „Verschmelzung von Biologie mit Technik“ die Evolution beschleunigt, „um endlich alle Grenzen niederzureißen und das Universum mit Intelligenz zu erfüllen“ (Manuskript der Sendung: http://www.wdr5.de/sendungen/dok5/himmelauferden108.pdf). Weiter war zu hören, dass die Tranhumanisten Millionen Anhänger haben und dass Ray Kurzweil Leiter der University of Singularity ist, die von Google, Apple und der NASA Geld bekommt. Ich habe nichts recherchiert und ich kenne mich in der Materie auch nicht aus… Es macht mir alles ein bisschen Angst, weil man Folgen nicht unbedingt abschätzen kann… Es gibt viele SF- oder Sachbücher, die sich mit Transhumanismus beschäftigen, von denen ich die meisten auch nicht gelesen habe. Ich erkenne immer wieder, gerade erst gestern im Supermarkt, dass ich so viele Reize, wie auf mich einströmen, gar nicht mehr verarbeiten kann. Ich bräuchte einen größeren Arbeitsspeicher. In 40 Jahren wird man wohl müde lächeln. Vielleicht sind dann schon bestimmte Chips im Körper notwendige Voraussetzung für bestimmte Berufe. Vielleicht bekomme ich nur noch mit Erweiterungen einen Job… Mit einem speziellen Chip, der die Masse an Infos auf die für mich relevanten Infos reduziert, könnte ich auch wiederum langsamer denken. Aber jede Entwicklung ruft eine Gegenentwicklung hervor. Unendliche Steigerungen gibt es nicht. Vielleicht kommt es zum berühmten „Kampf“ zwischen Menschen und Maschinen, vielleicht werden wir, ohne dass wir es merken, assimiliert oder zerstören uns selbst, weil sich Systeme aufhängen. Vielleicht bricht alles aber auch schon vorher zusammen oder wir Menschen entscheiden uns, dass wir lieber wieder lokal und mit weniger Technik agieren. Wir werden es nicht sehen, was die ferne Zukunft bringt 😉

  2. Christian Weis schreibt:

    Ich fahre selten Zug, aber bei der letzten längeren Fahrt im ICE ist mir die technische Ausstattung der Fahrgäste auch aufgefallen – damals hatte ich gerade meinen eBook-Reader frisch gekauft und auf der Zugfahrt ausprobiert, insofern bin ich unter all den Auf-einen-Monitor-Guckern nicht aufgefallen. 😀

    Vor der Technik an sich hab ich keinen Bammel, höchstens vor Leuten, die alles ohne Hirn und Verstand sofort übernehmen und naiv jedem Trend hinterherlaufen. Dieses freiwillige sich-entmündigen-und-manipulieren-lassen erstaunt mich immer wieder.

    • Michael Blasius schreibt:

      Ich bin recht häufig mit der Bahn unterwegs und dabei ist der eBook-Reader eine klasse Begleitung, ebenso das Time-Magazin mit seinem transportfreundlichen Format und Dünndruckpapier. Seit ich mal auf einer Urlaubsreise im ICE zur Nordseeküste mit mehreren Geschäftsreisenden (die Prolls des ICEs) in einem Abteil saß, die ohne Pause tippten und Diensttelefonate führten, bevorzuge ich im Fernverkehr die Ruheabteile.

  3. sjahnawe schreibt:

    … Die leider auch nicht das halten, was sie versprechen, weil sich verdammt viele Leute nicht daran halten. Ich habe noch keine (!!!) Zugfahrt im Ruheabteil erlebt, wo es wirklich einigermaßen ruhig war und man nicht schon in den ersten 5 Minuten durch Technikgedöns gestört wurde. Es ärgert mich doppelt, weil ich mir ja aus einem bestimmten Grund einen Platz dort reserviert habe. Viele verwechseln den Ruhebereich mit dem Büro oder den eigenen vier Wänden. Da kann man gut am PC die nächste PowerPoint-Präsentation vorbereiten oder Musik komponieren…
    Der Ruhebereich in der Bahn ist meiner Meinung nach nicht wirklich klar und deutlich als solcher sichtbar… Ein Aufkleber mit einem Hinweis auf jeder Sitzrückseite würde vielleicht schon etwas mehr bringen… Eigentlich ist es schade, dass man sich Ruhebereiche wünscht…

    • Michael Blasius schreibt:

      Grundsätzlich finde ich die Einrichtung von Ruheabteilen eine gute Idee. Wer in Ruhe reisen will ohne von Telefonaten, Notebooks und lauten Gesprächen gestört zu werden, nutzt das Ruheabteil, wer unterwegs arbeiten, am Rechner spielen oder telefonieren möchte, nutzt eines der anderen Abteile. Nur leider funktioniert es so noch nicht.

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