Archiv für den Monat November 2013

K.WEST

100CoverK.West feiert sein 10-jähriges Bestehen. Herzlichen Glückwunsch!

Weiterhin lesenswert: das Interview mit Dietmar Dath: »Unterm Radar der Literaturpriester fliegen«.

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Das Digitale und die Flüchtigkeit

Ich schreibe gerade an einer Erzählung für die Dezemberausgabe von GEGEN UNENDLICH. Neben der Freude an der kurzen Form, die eine Abwechslung zur Arbeit am Roman darstellt, genieße ich das Schreiben von Hand. Ein Notizheft und ein Stift, nichts weiter. Dabei wird mir wieder bewusst, wie flüchtig die Arbeit am Rechner ist. Nicht erst seit dem Datenverlust Anfang des Monats, der mir trotz Sicherheitskopien die Arbeit von einer Woche entriss. Dem Digitalen ist die Flüchtigkeit schon eingeschrieben. Ein Stromausfall, ein technischer Defekt, ein neues Format (was werde ich in zwanzig, dreißig Jahren noch öffnen und lesen können?), die Weiterentwicklungen bei den Datenträgern …
Aber: das Digitale ist beweglich, verfügt über kurze Wege, kann Dinge wagen, die den analogen Medien nicht gelingen wollen, schafft neue Möglichkeiten abseits von Verlagen (und auch neue Abhängigkeiten von den neuen Türstehern, die sich um die Wortproduzenten versammelt haben und sie mit der Leichtigkeit des Seins locken wollen, um an deren Tantiemen teilzuhaben).

„Ich reite heim und gehe nirgendwo hin.“

u1_978-3-10-007622-9.434854Vor einigen Monaten bin ich auf ein Mammutprojekt des S.Fischer-Verlags aufmerksam geworden, der zu seinem 125jährigen Verlagsbestehen im Jahre 2011 die Isländersagas neu übersetzt hat. Vier dicke Bände sind es geworden und sie haben es in sich. Befreit vom ideologischen Ballast der alten Thule-Ausgaben liegen die Prosatexte in einer starken und bildhaften Sprache vor, die schon Dashiell Hammet, Jorge Luis Borges oder J.R.R. Tolkien bewundert haben. Niedergeschrieben wurden die Sagas von anonymen Verfassern im 13 und 14. Jahrhundert . Die Erzählungen schildern die Erlebnisse von Personen und Familien, die im 1. Jahrhundert Island besiedelten. Die Sagas handeln von Freundschaft, Liebe, Stolz, gekränkter Ehre, Rache, Toschlag und Buße. Wir treten in eine Welt, die „beseelt ist von wütenden Außenseitern, starken Frauen und Rechtskundigen, (…) aber auch von Schadenszauber und Wiedergängern und nicht zuletzt abenteuerlichen Reisen in ferne Länder“. Jede Saga wird von einer fundierten Einleitung und von einem knappen Anmerkungsteil ergänzt. Die umfangreichen vier Bände folgen dabei einer geographischen Ordnung: der erste Band versammelt die Geschichten, die im Süden Islands spielen (unter anderem die berühmte Saga von Egill Skalla-Grimson, die lange Zeit in Deutschland nur antiquarisch zu erstehen gewesen war), Band 2 bringt die Sagas aus dem Westen, der dritte Band spielt im Nordwesten und Band 4 schließlich enthält die Sagas aus dem Nordosten, Osten und dem Ausland.