Hávamál

Für eine Szene schlug ich heute nochmal in dem alten Sittengedicht nach. Ich mag die Lebensklugheit, die aus ihm spricht, die Verse uralter Bauernschlauheit, die durch lange Überlieferung zu geschlossener Sicherheit gelangt sind.

Mit seinem Verstande
soll man stolz nicht prahlen,
Vorsicht befolge man;
wer weise schweigend
zur Wohnstätte kommt –
nicht triff Unglück den Achtsamen

Von seinen Waffen
gehe weg der Mann
keinen Fuß auf dem Feld:
nicht weiß man gewiss,
wann des Wurfspießes
draußen man bedarf.

Ein Sohn ist besser,
ob geboren auch spät
nach des Hausherrn Hingang:
nicht steht ein Denkstein
an der Straße Rand,
wenn ihn der Gesippte nicht setzt.

Mit Maß bedacht
sei der Männer jeder,
aber nicht überbedacht;
denn heiter wird selten
das Herz des Grüblers,
der überängstlich ist

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Historisches abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu Hávamál

  1. Manjat schreibt:

    Schöne Verse. In welcher Edda findet man die?

  2. bleiente64 schreibt:

    Bei solchen Versen muß ich immer an Irvings Roman »Die wilde Geschichte vom Wassertrinker« denken, in dem der titelgebende Held Bogus Trumper das Epos »Akthelt und Gunnel« aus dem »Altniedernordischen« zu übersetzen versucht:

    Gunnel uppvaktat att titta Akthelt,
    Hanz kniv af slik lang.
    Uden hun kende inde hunz hjert
    Den varld af ogsa mektig

    Gunnel liebte es, Akthelt anzuschauen.
    Sein Messer war so lang.
    Doch sie wußte in ihrem Herzen,
    die Welt war zu stark.

    Überflüssig zu erwähnen, daß es diese Sprachvariante gar nicht gibt und Irving meines Wissens auch das fragliche Epos erfunden hat. Das aber sehr überzeugend. (Correct me if I’m wrong.) Vielleicht kannst du ja Übereinstimmungen (sprachlicher, nicht inhaltlicher Art …) zum tatsächlichen Altnordisch bestätigen?

    • mblasius schreibt:

      In der Saga von Egill Skalla-Grímsson klagt der altgewordene Held (Übersetzung aus dem Altisländischen):

      Halsbands Gaul mir zockelt, der
      Glatze zu Schaden falle ich, schlapp
      ist mir Beinhügels Bohrer,
      geschwunden das Gehör.

      Geht für mich inhaltlich ein wenig in die Richtung von Irvings »altniedernordischen« Versen. Wörter wie »titta« oder »uppvaktat« (uppvakta) hat er sich ja aus dem Schwedischen geborgt.

      • bleiente64 schreibt:

        Bingo! Und ein paar Brocken Norwegisch sind auch dabei (hjert, mektig). Irving, du Schlingel … Die Zitate aus der Egill-Saga passen. Wahrscheinlich sind die gar nicht lustig gemeint, aber die bildhafte Ausdrucksweise verfehlt ihre komische Wirkung nicht.

  3. bombaclat1 schreibt:

    Ja, zeitlos. Auch ich gehe nicht ohne Knarre auf die Arbeit.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s