Extimes: 2

Auf der Unfallchirugie die junge Ärztin, die eine Betäubungsspritze in die Wundinfektion auf der Fußsohle gibt, was ihr selber wehtut, wie sie sagt. Der Eindruck einer bescheidenen Handwerkerin, als sie zu schneiden beginnt. Der dünne Arzt, der das Bein hält, seltsam mager unter dem weißen Kittel.

Das Schreien von zwei Babys draußen auf der Straße, lang gezogen und schrill, sich langsam entfernend, als wäre alles Leid der Welt in diese kleinen Geschöpfe gefahren, wo doch schon eine scheuernde Windel ausreicht.

Am Rheinufer führt eine Frau ihr Hündchen aus, das alle paar Meter das Bein hebt und sie im Zickzack von Duftmarke zu Duftmarke zieht.

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4 Antworten zu Extimes: 2

  1. bleiente64 schreibt:

    Fein beobachtet! Und zu dem Spruch »Es tut mir selber weh«, wenn einer dem anderen Schmerzen zufügt: Da gibt es tatsächlich immer wieder Zeitgenossen, die sich nicht entblöden, dieses Klischee zu äußern …

    • mblasius schreibt:

      In der Situation hatte der Satz der jungen Ärztin etwas Tröstliches. Las letztens im Wartezimmer im SPIEGEL einen Artikel über Spiegelneuronen und ihre Bedeutung für die Empathie.

      • bleiente64 schreibt:

        Klar, die Spiegelneuronen sind bekannt. Allerdings sollte man das von ihnen ausgelöste Mit-Leiden nicht überbewerten: Es ist eher ein kognitives als ein physisches Phänomen. (Und selbst wenn, würde es mir nicht helfen zu wissen, daß der andere exakt so leidet wie ich.)

        • mblasius schreibt:

          Ich finde bei solchen Artikeln den Versuch spannend, unsere Existenz allein anhand neurologischer Aktivitäten erklären zu wollen. Dadurch wird alles, was sich nicht messen lässt (die Zahl als Fetisch der Aufklärung), als unwissenschaftlich und somit Unsinn abgetan. Was nützt es mir, Liebe oder Kummer auf das Feuern von Neuronen, dem Ausschütten von Botenstoffen oder der Freisetzung oder dem Mangel an Hormonen zu reduzieren. Was macht dies mit unserem Menschenbild?

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