Der Autor und die sozialen Netzwerke

Noch vor wenigen Jahren war es gerade mal üblich, dass ein Autor eine eigene Homepage besaß. Mittlerweile ist in dieser Hinsicht stark aufgerüstet worden. Fast jeder Autor heutzutage ist auf twitter, Google+ und facebook vertreten, um sozial für sich und sein Werk zu trommeln. Es ist das bekannte Spiel: was keiner kennt, kann auch keiner lesen (und kaufen). Was nützt das beste Buch, wenn niemand darauf aufmerksam wird. Bei den Verlagen ist das gut zu beobachten. Ein Großteil des Werbeetats geht für eine Handvoll Bücher drauf, die dann mit dementsprechenden Aufwand in die Öffentlichkeit gedrückt werden. Und die sich in der Regel gut verkaufen. Die anderen Verlagsautoren gehen dabei leider leer aus. Sie müssen sich ohne große Werbung durch das Autorenleben schlagen – oder selbst aktiv werden. Besonders schön zeigt sich die Auswirkungen der PR-Aufmerksamkeit am aktuellen Fall von J.K. Rowling. Die bekannte Autorin hatte im April diesen Jahres unter männlichem Pseudonym einen Krimi veröffentlicht, der sich in den ersten drei Monaten 1500 Mal verkaufte. Dann wurde die wahre Identität des Verfassers bekannt und das Werk gelangte sofort in die Bestsellerlisten. Was war passiert? War das Buch über Nacht besser geworden? Nein, aber der PR-Trick der ausgebufften J.K. Rowling hat wunderbar funktioniert. Sie äußerte in einem Interview, dass es ihr ziemlichen Spaß bereitet hätte, ohne den ganzen Hype unbeschwert einen Roman zu schreiben und zu veröffentlichen. Das glaube ich ihr gerne. Aber wesentliche Verkäufe hat diese Methode nicht generiert. Die literarischen Qualitäten des Romans allein reichten nicht aus. Erst jetzt, nachdem die berühmte Harry-Potter-Autorin als Verfasserin bekannt wurde, reißen sich alle Verlage um das Buch und werden einen erheblichen Teil ihres Werbeetats darauf verwenden. Und das Buch wird sich wunderbar verkaufen. Nicht, weil es gut ist, sondern  weil es gut beworben wird.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Literatur, Zettelkasten abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Der Autor und die sozialen Netzwerke

  1. bleiente64 schreibt:

    Ach ja, die literarische Qualität eines Buches … Ich bin überzeugt, daß die bei der gegenwärtigen Literatur ohnehin keine große Rolle spielt. Welchen Wert ein Stück Literatur hat, wird erst die Zeit zeigen. Wenn es in ein paar Jahrzehnten, gar einem Jahrhundert noch goutiert wird, hat es den Test bestanden.
Gegenwartsliteratur dagegen wird unabhängig von sprachlicher Virtuosität, erzählerischer Fertigkeit und inhaltlicher Tiefe viel eher danach bewertet, inwieweit sie sich als Projektionsfläche für die Vorstellungen der Leser eignet. Gefeiert wird jene Literatur, in die man am meisten hineinlesen kann.
Wenn der Kaiser nackt ist, hat jeder die Chance, sich die schönsten Kleider hinzuzudenken. Für das tapfere Schneiderlein, das sich bei ehrlicher Arbeit die Finger wundfädelt, natürlich eine ernüchternde Erfahrung.

    • mblasius schreibt:

      Der Knackpunkt ist, dass es heute kaum noch die Qualitäten eines Romans sind, die einen Bestseller machen, sondern das „Getue“ drumherum. Und das gleichzeitig alles, was sich nicht sogleich hunderttausendfach verkauft, für die Großverlage uninteressant ist. Welcher größere Verlag baut denn noch einen neuen Autor geduldig über mehrere Bücher hinweg auf, auch wenn er sich nicht von Anfang an gut verkauft, einfach weil an die Qualität eines Autoren geglaubt wird. Bleiben also die Kleinverlage. Die finden aber kaum Leser, da sie erstens den Fuß nicht in die Buchhandelsketten bekommen (die genau wie die Verlage nur noch auf Bestseller fokussiert sind), und nicht das Budget für einen gigantischen Werbeapparat besitzen. Ich halte es für bedenklich, wenn das Wohl und Wehe einer ganzen Branche in Deutschland mittlerweile von einer Handvoll Büchern abhängt.

  2. bleiente64 schreibt:

    Laß doch die Bestseller-Branche untergehen, Literatur wird in Zukunft mehr und mehr woanders verbreitet! Im Prinzip kann sich jeder selbst verlegen, eBook sei Dank, und die PR für sein Werk in die eigene Hand nehmen. Allerdings ändern die sozialen Netzwerke an dem grundsätzlichen Problem nichts, sie verlagern es nur. Da funktionieren ähnliche Mechanismen wie in der klassischen PR-Maschinerie der Verlage, es ist die Fortsetzung des Kampfes um die Aufmerksamkeit des Publikums mit anderen Mitteln. Aber nur weil Autoren die Werbetrommel mithilfe von Twitter, Facebook, Google+ und Co. effektiver als früher selber rühren können, bedeutet es ja nicht, daß jetzt lesenswertere Literatur an die Oberfläche kommt. Im Gegenteil: Dadurch, daß die Filterung von Agenturen, Redakteuren, Verlegern und Lektoren wegfällt, begegnet einem noch mehr Strandgut als früher. Da steht auch nicht jeder drauf. Manchmal wird zwar tatsächlich eine Schatzkiste angespült, aber das ist selten, und die Suche danach ist mühselig, weil uns diese Arbeit nun niemand mehr abnimmt. Der einzige, auf den wir uns dann verlassen müssen, ist der Autor selbst, der von seiner Literatur sagt, sie wäre erstklassig …

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s