Halldór Laxness – Sein eigener Herr

Dieser Roman ist eine Faust von einer Geschichte. Ein ursprüngliches, kraftvolles Erzählen, gegen das alle intellektuellen Errungenschaften in der Prosa wie eitle Spielereien wirken. Es ist die Ahnung einer Literatur, die am Anfang aller Dinge stand, die voller Leben steckte und vom Leben erzählte, die Deutung und Sinnstiftung gab, indem sie darstellte. „Sein eigener Herr“ ist keine bildungsbürgerliche Literatur. Der Roman erzählt von den Menschen und ihrem Kampf in der Welt, bevor es den Bürger und die Probleme der modernen Zivilisation gab. Man merkt bei Laxness an jeder Zeile seine Vertrautheit mit den alten Isländersagas, von denen der Nobelpreisträger sagte: „Ein isländischer Schriftsteller kann nicht leben, ohne beständig über die alten Bücher nachzudenken.“

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4 Antworten zu Halldór Laxness – Sein eigener Herr

  1. Lennek schreibt:

    Das klingt sehr interessant. Ich selber favorisiere auch ein »ursprüngliches, kraftvolles Erzählen« in der Literatur. »Alle intellektuellen Errungenschaften in der Prosa« dagegen als »eitle Spielerei« pauschal abzuwerten, halte ich für fragwürdig. Das eine schließt das andere ja keineswegs aus, es wertet die Literatur sogar auf, wenn sich beides glücklich verbindet. Beispiele dafür gibt es zuhauf, als zwei der markantesten Vertreter dieser Disziplin seien die Argentinier Jose Luis Borges und Julio Cortazar genannt.

    • mblasius schreibt:

      Ich selbst schätze auch die „intellektuellen Errungenschaften“ in der Literatur, gerade in der Phantastik, wo sie ja gerne als ein Spiel mit den Möglichkeiten daherkommen. Aber es geht auch anders, und unter dem Eindruck von „Sein eigener Herr“ stellte ich mir die Frage, warum es so schwer ist, diese ursprüngliche Art des Erzählens heute noch zu lesen. Vom Autor verlangt diese Schreibweise eine Bescheidenheit, die darin besteht, sich der Geschichte unterzuordnen, und der, manchmal auch eitlen, Versuchung zu widerstehen, durch seinen Intellekt brillieren zu wollen. Bei der momentanen Lektüre der Isländersagas, die in einer wunderbaren Auflage im S.Fischer -Verlag erschienen sind, ist mir das sehr stark bewusst geworden. Vielleicht stellen momentan „Karma AG“ und „Der Neiding“ diese beiden unterschiedlichen Arbeits- und Erzählweisen bei mir dar.

  2. Christian Weis schreibt:

    Auf jeden Fall zieht der Name des Autors schon mal Aufmerksamkeit auf sich. Und klingt irgendwie gar nicht isländisch …
    Ich schau grad das Fußballländerspiel Deutschland – Island, und da enden die meisten Namen auf …dottir 😀

    • mblasius schreibt:

      Auf manche Namen könnte man neidisch werden. Geboren wurde er aber als Halldór Guðjónsson, mit der landestypischen männlichen son-Endung.

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