Wilhelm Grönbech – Kultur und Religion der Germanen

Es gibt mittlerweile viele Bücher über germanische Stämme, aber nur sehr wenige, die sich mit dem beschäftigten, was diese Menschen dachten und fühlten. Wer sich mit dem Wesen der altnordischen Menschen beschäftigt, wird früher oder später auf „Kultur und Religion der Germanen“ von Wilhelm Grönbech stoßen. Obwohl das Werk in vier Teilen schon zwischen 1909 und 1912 in Kopenhagen erschien, und zwischen 1937 und 1939 vom Germanisten Otto Höfler aus der englischen Übersetzung ins Deutsche gebracht und veröffentlicht wurde, gilt es immer noch als Standardwerk. Unumstritten ist es dabei nicht, und zwar aus gutem Grund. Grönbech schreibt, als hätte er den „alten Germanen“ auf dem Schoß gesessen, geht sehr genau auf ihr Wesen ein, schildert detailliert, wie die damaligen Menschen tickten. Nun hatten die frühen Germanen keine Schritftkultur, und das, was man von ihnen weiß, stammt in der Regel von Außenstehenden, römischen Geschichtschreibern wie Tacitus, oder gelehrten Mönchen. Dementsprechend ist es mit Vorsicht zu genießen. Woher nahm also Grönbech sein Wissen?

Er stützte sich auf digrönbeche überlieferten Geschichten und Sagen, die zumeist in späterer Zeit niedergeschrieben wurden, und verfasste sein Sachbuch in eben diesem Stil. So ist Grönbech in der Tat etwas gewöhnungsbedürftig, gerade wenn man bislang Bücher zum Thema gelesen hat, die den neutralen, nüchternen Stil unserer Zeit besitzen. Statt auf Kürze zu zielen, ist er episch ausschweifend, und teilweise scheint es mit ihm etwas durchzugehen, aber jedenfalls ist er ein Mensch, der sich aufs Intensivste mit seinem Stoff vertraut gemacht hat und ihn leidenschaftlich bearbeitet. Das gefällt mir durchaus. Grönbach ist ein profunder Kenner der germanischen Götter- und Heldensagen und schließt von diesen Geschichten auf die Germanen, ihre Gedankenwelt und Lebensweise. Das kann man gewagt finden, aber abwegig ist es nicht. Es ist in Ermangelung eigener schriftlicher Zeugnisse wahrscheinlich eine der wenigen Möglichkeiten, sich dem Wesen dieser Menschen zu nähern.

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