Der Rote Löwe

Bei manchen Büchern ist es ein kleines Wunder, sie heute in den Händen zu halten. Der Weg von Mária Szepes berühmten Roman „Der Rote Löwe“, ist von Zufällen und Unwägbarkeiten begleitet gewesen, und hat doch auf verschlungenen Pfaden alle Widrigkeiten überstanden. Scepes schrieb den „Roten Löwen“ während des Zweiten Weltkrieges, und als sie ihn 1945 abschloss, war aus der geplanten Novelle ein umfangreicher Roman geworden. Er wurde 1946 in Ungarn veröffentlicht, aber schon bald unter dem neuen Regime als nicht systemkonform eingestuft und verboten. Als die Anweisung erlassen wurde, alle Ausgaben des Romans zu vernichten, schien das Schicksal von „Der Rote Löwe“ besiegelt zu sein und nur durch die Hilfe eines befreundeten Bibliothekars namens Bela Hamvas gelang es der Autorin, vier Ausgaben zu retten. Jahrzehntelang kursierten von Lesern abgetippte Varianten des Buches im Untergrund.

Der Roman erzählt die Geschichte des jungen Alchimisten Hans Burger, der im 16. Jahrhundert den „Roten Löwen“ entdeckt, ein Pulver, das ewiges Leben verspricht. Er tötet seinen Lehrmeister, um in dessen Besitz zu kommen und nimmt das Pulver zu sich. Damit beginnt eine endlose Reise durch die Jahrhunderte, doch in jeder neuen Existenz verfolgt ihn sein Verbrechen.

Nach Deutschland fand das Manuskript in den 70ern. Die von Werner Fuchs, Ronald M. Hahn und Hans Joachim Alpers gegründete Literaturagentur namens Utopop hatte es sich zur Aufgabe gemacht, der einseitigen Fixierung auf englischsprachige Literaturimporte entgegen zu treten und den deutschen Verlagen ein breites Spektrum deutscher und internationaler Science Fiction und Phantastik anzubieten. Schließlich kam Ende der 70er Jahre ein Kontakt mit Mária Szepes zustande, die zum Glück der deutschen Sprache mächtig war, und bald schon machte sich ein Exemplar von „A vörös oroszalan“ auf den Weg. Es handelte sich dabei aber nicht, wie die Mitarbeiter von Utopop feststellen mussten, um ein Buch, sondern um eines der abgetippten Exemplare, und da keiner von ihnen Ungarisch beherrschte, wurde das Manuskript fotokopiert und an verschiedene Verlage geschickt. Es stellte sich heraus, dass keiner der deutschen Verlage mit diesem merkwürdigen Manuskript etwas anfangen konnte. Wolfgang Jeschke trieb schließlich einen Übersetzer auf und ließ ihn ein Gutachten erstellen, das begeistert ausfiel. Also kaufte Heyne das Manuskript. Die deutsche Fassung von „Der Rote Löwe“ erschien 1984 als Taschenbuch und wurde ein großer Erfolg.

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2 Antworten zu Der Rote Löwe

  1. teekässelchen schreibt:

    ein tolles buch, kann ich nur empfehlen. auch wenn es von der esoterik-ecke teilweise besetzt wird, der roman ist einer der profundesten zum wesen der alchimie, spannend zu lesen und mit starken charakteren, die unter die haut gehen.

    • mblasius schreibt:

      Die Alchimie ist für mich ja immer noch ein Buch mit sieben Siegeln. Unverständlich aber faszinierend. Szepes kann insbesonders rohe Charaktere hervorragend darstellen, die sind mir in Erinnerung geblieben. Selten jemanden die Trostlosigkeit in so starken Farben zeichnen sehen.

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