Archiv für den Monat April 2013

Der Neiding 1 – Irminsul

Der Neiding - CoverGestern erschien auf Amazon der erste Band von „Der Neiding“. 1500 Normseiten sind es geworden, eine kleine Chronik der Sachsenkriege unter Karl dem Großen und die Geschichte zweier Brüder.

Nachdem ich viele Jahre Kurzgeschichten geschrieben und veröffentlicht hatte, begannen 2005 die ersten ernsthafteren Versuche, einen Roman zu skizzieren, und schließlich entschied ich mich für das Genre des historischen Romans als Erstling. Für einen Autoren ohne Namen schien mir dieses Genre die besten Chancen auf eine Veröffentlichung zu bieten, außerdem begann in mir das Interesse für die Geschichte und Kultur der germanischen Stämme zu wachsen, also beschloss ich, beides zu kombinieren. Aber wo sollte ich anfangen? Ich begann mich mit der Materie zu beschäftigen, las die unterschiedlichsten Werke und machte mir Notizen. Bei der Lektüre von Grönbechs „Kultur und Religion der Germanen“ fand ich schließlich ein schönes Bild, was zur Keimzelle des Neidings wurde, auch wenn die Szene im Roman so gar nicht vorkommt: wie ein erschlagener Mann von seinen Sippenbrüder nach Hause gebracht wird. Ich las, dass die germanischen Sagas deswegen tragisch sind, da sie meistens auf Intrigen basieren und in der Regel enge Verwandte, Vater gegen Sohn, Bruder gegen Bruder, oder auch zwei Freunde gegeneinander kämpfen müssen, häufig gegen ihren Willen, aber gebunden an Eid oder Sippengesetze. Außerdem fand ich den Themenkomplex des Neidings hier ausführlich dargestellt.

Ich entschied mich, den Roman während der Zeit der Sachsenkriege spielen zu lassen, da mir der Übergang vom alten Glauben zum Christentum sehr reizvoll erschien und der Krieg der altgläubigen Sachsen gegen die christlichen Franken einen starken Hintergrund bot. Nach zehn Monaten der Vorbereitung begann ich Anfang 2007 mit der Niederschrift des Neidings. Fünf Jahre später beendete ich die Erstfassung.

Ich begann den Roman aus Interesse über die germanischen Stämme, aber auch einer gewissen Überheblichkeit ihnen gegenüber heraus. Doch die Beschäftigung mit der altnordischen Mythologie und Kultur erwies sich als Glücksgriff. Die Schönheit und das Brachiale der Edda, deren Spruchweisheit mich in ihrer natürlichen Lebensklugheit sehr überrascht hat, war eine intensive Erfahrung. Hávamál, das alte Sittengedicht, scheint mir auch heute noch ein kluger Ratgeber zu sein.

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Conni und die Buchhändler

So langsam wird es wirklich grotesk. Nach bereinigten Preußler-Geschichten treten wir nun in die zweite Phase ein. Da bekommt in der Kinderbuchreihe „Conni“ von Dagmar Hoßfeld die 15-jährige Hauptdarstellerin zu ihrem Geburtstag einen Amazon-Gutschein geschenkt. So weit, so unauffällig. Doch einige Buchhändler laufen Sturm gegen die Erwähnung des Online-Anbieters in dem Roman – und Verlag und Autorin reagieren.

Auf Seite 13 des Bandes „Mein Leben, die Liebe und der ganze Rest“ heißt es:

Mandy hat mir neben ihrer Karte, auf die sie unzählige Kreuze und Os – für jede Menge Hugs and Kisses – gekritzelt hat, einen Amazon-Gutschein geschickt, den ich online einlösen kann. Spitze!

Stellvertretend für eine ungenannte Zahl von aufgebrachten Buchhändlern äußern sich Annemarie Schneider und Jutta Bummel von der Buchhandlung „Eulenspiegel“ in Hochheim gegenüber dem Börsenblatt:

Wir können hier in der Buchhandlung nur den Kopf schütteln. Wir gehen mit viel Engagement in Kindergärten und Schulen, haben in dieser Woche mehr als zehn Klassenbesuche hier im Laden, um Kinder und Jugendliche für das Lesen zu begeistern und bekommen jetzt so etwas zu lesen. Was hat sich das Carlsen-Lektorat dabei gedacht?

Dann kündigen sie an, dass sie und weitere Buchhändler den Band nicht mehr verkaufen wollen, was ihr gutes Recht ist. Der Kunde denkt sich seinen Teil und kauft das Buch woanders. Doch die Reaktionen der Buchhändler sorgten für Aufregung beim Carlsen- Verlag, der sofort reagiert. Carlsens Vertriebschef Urban van Melis:

Wir haben kein Interesse, bestimmte Kunden oder Kundengruppen zu bevorzugen. Uns liegt die Breite des Buchhandels sehr am Herzen, anders könnte unser Verlag gar nicht erfolgreich sein. Wir sehen uns klar als Unterstützer des stationären Sortiments.

Nach Rücksprache mit der Autorin wird bei der Nachauflage der Name des Online-Anbieters wegfallen. Conni wird von ihrer britischen Freundin dann einen „Geschenkgutschein“ bekommen.

Jetzt können die betroffenen Buchhändler aufatmen – und die im Verkauf befindlichen Exemplare an Carlsen retournieren.

Zettelkästen – Maschinen der Phantasie

Wer viel liest und sich zur späteren Verwendung Notizen macht, sucht nach einem System, um dZettelkästen Marburg 1as Geschriebene wieder aufzufinden und nutzbar zu machen. Lange Zeit dienten dazu die Zettelkästen. Eine Ausstellung im Deutschen Literaturarchiv Marbach führt uns durch die Zettellabyrinthe von 30 Literaten und Wissenschaftlern. Sie erzählt von den Materialsammlungen und ihren Urhebern, gibt Einblicke in Skizzen, Gedankensplittern und Notizen von Verfassern wie Jean Paul, Arno Schmidt und Walter Kempowski, Hans Blumenberg, Friedrich Kittler, Niklas Luhmann und Aby Warburg. Die Ausstellung ist noch bis zum 15. September 2013 in Marbach zu sehen. 

Hilfe! Das Genre

Das Genre sagt erst mal nichts über den Anspruch aus, ein Krimi, historischer Roman oder Science – Fiction ist nicht per se trivial oder Unterhaltungsliteratur, genauso wenig wie es sich beim  bürgerlichen Realismus  per se um anspruchsvolle Literatur handelt. Auch der sogenannte Realismus ist ein Genre, nicht nur alles, was von ihm abweicht. Entweder man verzichtet ganz, wie Ursula LeGuin einmal gefordert hat, auf den Genre-Begriff und mutet dem Leser zu, sich ohne vorherige Schubladen (außer dem Autorennamen) einem Buch zu nähern, oder man erreicht, dass alle Genres gleichrangig nebeneinander stehen und nicht pauschal als Unterhaltungsliteratur abgewertet werden.

Lange Zeit war der Genre-Begriff einer Deutung durch die akademische Textkritik und des journalistischen Feuilletons unterworfen, so dass aus dem an sich neutralen Gattungsbegriff eine literarische (Ab-)Wertung wurde.  Diese Ideologie war so weit verbreitet, dass lange Zeit niemand die Verallgemeinerung infrage stellte.  In Deutschland begann es mit der „U- und E“-Debatte erst sehr spät : die Diskussion der Unterscheidung zwischen unterhaltender und ernsthafter Literatur. Kann eine unterhaltsame Literatur auch ernsthaft sein? Ist es ernsthafter Literatur auch möglich, zu unterhalten? Und wenn dem so ist, was taugt dann diese künstliche Trennlinie, die uns doch nur davon abhält, zum wahren Kern der Dinge vorzustoßen?

Schublade

Wenn ich eine Science-Fiction-Geschichte schreibe, bin ich ein Science-Fiction-Autor. Wenn ich einen historischen Roman schreibe, bin ich ein Autor historischer Romane. Was bin ich aber, wenn ich einen Science-Fiction- und einen historischen Roman geschrieben habe? Ein historischer Science-Fiction-Autor oder ein Science-Fiction-Autor historischer Romane? Ein Retro-Science-Fiction-Autor?

forum

Auf fnw_2013_02_coverdem Heldenmarkt in Bochum stieß ich auf ein Magazin namens forum. Wer sich nicht vom Untertitel „Nachhaltig Wirtschaften – Das Entscheider-Magazin“ abschrecken lässt, wird mit lesenswerten Artikeln zum Thema „Städte von morgen“ belohnt. Neben einer Menge fantastischer Abbildungen bietet forum so viele Ideen zur Entwicklung der Metropolen, wie sich ein SF – Autor nur wünschen kann. forum erscheint vierteljährlich.

Der Rote Löwe

Bei manchen Büchern ist es ein kleines Wunder, sie heute in den Händen zu halten. Der Weg von Mária Szepes berühmten Roman „Der Rote Löwe“, ist von Zufällen und Unwägbarkeiten begleitet gewesen, und hat doch auf verschlungenen Pfaden alle Widrigkeiten überstanden. Scepes schrieb den „Roten Löwen“ während des Zweiten Weltkrieges, und als sie ihn 1945 abschloss, war aus der geplanten Novelle ein umfangreicher Roman geworden. Er wurde 1946 in Ungarn veröffentlicht, aber schon bald unter dem neuen Regime als nicht systemkonform eingestuft und verboten. Als die Anweisung erlassen wurde, alle Ausgaben des Romans zu vernichten, schien das Schicksal von „Der Rote Löwe“ besiegelt zu sein und nur durch die Hilfe eines befreundeten Bibliothekars namens Bela Hamvas gelang es der Autorin, vier Ausgaben zu retten. Jahrzehntelang kursierten von Lesern abgetippte Varianten des Buches im Untergrund.

Der Roman erzählt die Geschichte des jungen Alchimisten Hans Burger, der im 16. Jahrhundert den „Roten Löwen“ entdeckt, ein Pulver, das ewiges Leben verspricht. Er tötet seinen Lehrmeister, um in dessen Besitz zu kommen und nimmt das Pulver zu sich. Damit beginnt eine endlose Reise durch die Jahrhunderte, doch in jeder neuen Existenz verfolgt ihn sein Verbrechen.

Nach Deutschland fand das Manuskript in den 70ern. Die von Werner Fuchs, Ronald M. Hahn und Hans Joachim Alpers gegründete Literaturagentur namens Utopop hatte es sich zur Aufgabe gemacht, der einseitigen Fixierung auf englischsprachige Literaturimporte entgegen zu treten und den deutschen Verlagen ein breites Spektrum deutscher und internationaler Science Fiction und Phantastik anzubieten. Schließlich kam Ende der 70er Jahre ein Kontakt mit Mária Szepes zustande, die zum Glück der deutschen Sprache mächtig war, und bald schon machte sich ein Exemplar von „A vörös oroszalan“ auf den Weg. Es handelte sich dabei aber nicht, wie die Mitarbeiter von Utopop feststellen mussten, um ein Buch, sondern um eines der abgetippten Exemplare, und da keiner von ihnen Ungarisch beherrschte, wurde das Manuskript fotokopiert und an verschiedene Verlage geschickt. Es stellte sich heraus, dass keiner der deutschen Verlage mit diesem merkwürdigen Manuskript etwas anfangen konnte. Wolfgang Jeschke trieb schließlich einen Übersetzer auf und ließ ihn ein Gutachten erstellen, das begeistert ausfiel. Also kaufte Heyne das Manuskript. Die deutsche Fassung von „Der Rote Löwe“ erschien 1984 als Taschenbuch und wurde ein großer Erfolg.