Schwierige Lieblingsbücher

Vor Jahren stieß ich auf die Novelle „Mit den Toten geboren“ von Robert Silverberg. Sie befand sich in einem Sammelband mit zwei weiteren Werken dieses Autors, alle gleichsam hoch dekoriert. Die Ausgabe war nicht die schönste, aber als ich den Anfang der Novelle las, faszinierte mich ihr Ton und ich spürte ein Staunen darüber, wie emotional diese Geschichte war. Bis dahin war ich eher an die technische Seite der SF-Literatur geraten, die mitunter intellektuell herausfordernd war, aber mich nie ergriffen hatte. Mit einem Satz: ich war begeistert. Ich lieh sie einem Freund, ebenfalls Autor phantastischer Literatur, der gute Sachen zu schätzen wusste, und freute mich auf sein Urteil. Als er mir das Buch zurück gab, sah er mich an wie drei Tage Regenwetter: er hätte noch nie etwas so Langweiliges gelesen wie diese Geschichte, sie wäre absolut unerträglich gewesen. Ich war baff.

Bis heute gehört „Mit den Toten geboren“ zu meiner Lieblingslektüre. Es ist sicherlich eines von den Büchern, die man lieben oder hassen kann, aber die wenigsten werden ihm gleichgültig gegenüber stehen. Jahre später verschwand der Band aus meinem Besitz, nachdem ich ihn verliehen hatte, und lange Zeit versuchte ich ihn gebraucht zu erstehen. Erst durch Zufall fand ich einen Händler auf der Essener „Spiel“, der eine andere Ausgabe dieser Novelle besaß, hier war sie mit zwei weiteren Erzählungen unter dem Titel „Drei Novellen über den menschlichen Geist“ versammelt. Ich musste nicht lange überlegen, kaufte sie und tütete sie ein. Ich versuchte einem Freund, der mich begleitete, meine irrsinnige Freude zu erklären, er nickte nur und lächelte mich nachsichtig an.

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2 Antworten zu Schwierige Lieblingsbücher

  1. teekässelchen schreibt:

    die spielmesse in essen ist immer ein guter tipp, um nicht mehr erhältiche sf-romane zu ergattern.

    • mblasius schreibt:

      Ich hatte gehofft, auf der „Spiel“ einen Händler mit gebrauchten, nicht mehr erhältlichen Büchern zu finden. Ironischerweise war in dem Jahr meines Besuches kaum jemand mit Literatur auf der Messe und erst im allerletzten Durchgang, fast schon auf dem Nachhauseweg, bin ich durch Zufall auf einen gestoßen, der dafür aber ausßerordentlich gut sortiert war.

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