Der kleine Supermarkt an der Südstraße mit zugehörigem Schnellrestaurant. Der Mond steht schon am Himmel, während die Mitarbeiter die Obst- und Gemüsekisten hereinholen. Feierabend liegt in der Luft. Mitten im Godesberger Gewerbegebiet kündigt die Schließung des Supermarktes den Wechsel vom geschäftigen Treiben an. Die Nacht hat schon ihre Finger ausgestreckt.

Am Rande der Annaberger Straße steht ein altes Wegekreuz. In der Nische einer Außenwand einer Werkshalle. Der Weg steigt schon an, bald führt er auf verschlungenen Pfaden durch den Wald bis hinauf zum Annaberger Hof. Der Spruch steht so niedrig, dass man sich beinahe bücken muss, um ihn lesen zu können. Autos parken davor. Einen Moment des Innehaltens, dann geht es weiter.

Der kleine Friedhof in Friesdorf. Obwohl direkt an der Hauptstraße gelegen, wirkt er fast versteckt. Nur das auffällig geformte Gebäude fällt ins Auge. Im Mondlicht scheinen die Wände beinahe transparent und die Äste der Bäume zeichnen fragile Muster auf die Mauern.

Ich versuche jeden Abend 10000 Schritte zu gehen. Gestern bin ich zwar auch wieder knapp drunter geblieben, dafür sind erneut etliche Fotos mit meinem Pixel 4a entstanden.

Momentan finde ich das Knipsen mit dem Smartphone reizvoller als mit den Fotoapparaten. Natürlich ist die beste Kamera immer die, die man gerade dabei hat. Aber ich mag diese Reduktion, die zu einer gewissen Kreativität zwingt, das Schlichte.

Außerdem begleitet mich das Pixel auf all meinen Spaziergängen und ich kann meiner Frau die Fotos direkt zusenden, während sie rät, wo ich mich gerade aufhalte. Das macht Spaß und motiviert mich bei den Versuch, jeden Abend 10000 Schritte zu laufen.

Der Pakt

Lange Zeit gab es einen unausgesprochenen Pakt zwischen Bürger und Staat, der lautete: Du arbeitest und zahlst deine Steuern, dafür wirst du dir einen bescheidenen Wohlstand aufbauen, eine Rente haben, die dir die Existenzangst nimmt, und deinen Kindern wird es besser gehen als dir. Es war die Zeit, wo ein Einkommen in einem normalen Beruf noch reichte, eine Familie zu ernähren. Dieser Pakt wurde vom Staat einseitig aufgekündigt, auch wenn er noch nicht alle sozialen Pflaster abreißen will.

Wenn jetzt unsere Bundeskanzlerin in den Ruhestand geht, hinterlässt sie ein gespaltenes Land. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist größer geworden, der Mittelstand bröckelt, der Niedriglohnsektor ist riesig. Wir haben einen Mindestlohn, der kaum zum Leben reicht und der trotz besseren Wissens so niedrig ist, dass am Ende eines langen Arbeitslebens die Rente auf Höhe der Grundsicherung liegt. Politischer Mehltau ist bis in die letzte Ritze gekrochen und lähmt das geistige Leben des Landes. Der öffentliche Diskurs ist praktisch abgeschafft, eine falsche Moral und Diffamierungen ersetzen Debatten, die sich in Nebensächlichkeiten erschöpfen. Der gute Bürger ist ein Untertan geworden.

Aber Resignation kann nicht die Antwort sein, wenn man etwas ändern möchte. Bei der letzten Kommunalwahl in unserer Stadt ist eine neue politische Partei von null auf hundert direkt in den Stadtrat gewählt worden. Und sie macht ihren Job gut, trotz verkrusteter Strukturen der Altparteien bringt sie frischen Wind in die Stadtpolitik und auf einmal gehen Dinge, die lange undenkbar waren. Das ist nicht die Lösung aller Probleme, aber zumindest ein guter Anfang.