»GEGEN UNENDLICH«: Die Jubiläumsnummer

GU 10 CoverMitten in unseren Umzug fiel die Veröffentlichung der Jubiliäumsnummer von »GEGEN UNENDLICH«. Seit knapp zwei Jahren und mit nunmehr der zehnten Ausgabe bringt die ebook-Reihe aus dem weiten Feld der phantastischen Literatur einen bunten Mix zeitgenössischer und klassischer Autoren.
Auch diesmal haben wir wieder eine abwechslungsreiche Sammlung für unsere LeserInnen zusammengestellt. Lesen Sie in der Jubiläumsnummer von verblüffenden Erfindungen, von denen Unbefugte besser die Finger lassen (Uwe Hermann, »Der Einfänger«), von Weltraumjägern, deren Kindheitssehnsucht sich auf grausame Weise erfüllt (Silke Jahn-Awe, »Kampfpiloten«), und von einem »Haus am Ende der Träume« (Michael Siefener). In der Klassiker-Abteilung gibt es diesmal nicht weniger als drei Beiträge, und zwar eine Neuübersetzung von Sakis boshafter Geschichte »Die Musik auf dem Hügel«, eine Übersetzung von Julius Longs verstörender Story »Der bleiche Gast« (im Original zuerst im »Weird Tales Magazine« erschienen) und eine Neuveröffentlichung von Hanns Heinz Ewers surrealer Groteske »Mein Begräbnis«. Daneben sind wie gewohnt die Herausgeber Blasius, Fieberg und Pack mit je einem Beitrag vertreten.
Das Titelmotiv stammt diesmal wieder von Stefan Böttcher und ist eines meiner Favoriten. Anlässlich des Jubiläums haben wir die künstlerischen Vorlagen für die zurückliegenden Titelillustrationen Revue passieren lassen und die Coverbilder aller Ausgaben versammelt. Wir wünschen viel Spaß bei der Lektüre.

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»Der Neiding 6 – Schwertzeit«

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Heute beendete ich den sechsten Teil von »Der Neiding«. Der letzte Satz im letzten Band. Nach acht Jahren ist die große Geschichte von den Brüdern Arbogast und Farold, die zugleich die Geschichte vom Sachsenkrieg, dem Aussterben des alten Glaubens und dem Siegeszug des Christentum ist, zu Ende erzählt. Es ist die Demut des Geschichtenerzählers, hinter den Figuren und ihren Erlebnissen zurück zu treten, dafür zu sorgen, dass alles lebendig vor die Augen des Lesers tritt, die auch sein größter Stolz ist. Nun heißt es Abschied nehmen von Farold und Arbogast. Ich wünsche mir, dass der Leser ein ähnliches Vergnügen an der Geschichte finden möge, wie ich es beim Verfassen hatte. »Der Neiding 6 – Schwertzeit« wird Ende März im Handel erhältlich sein.

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Die Zukunft des Schreibens …

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Der Neiding 6

 Die Arbeit am sechsten und abschließenden Teil vom Neiding neigt sich ihrem Ende entgegen. Noch drei Kapitel sind zu bearbeiten, eines davon muss fast komplett neu geschrieben werden, dann kann das Manuskript ins Korrektorat und Lektorat. Seit dem letzten Band sind einige Monate vergangen und das anvisierte Veröffentlichungsdatum von Teil 6 lag im Herbst letzten Jahres, aber ich habe gelernt, dass Charaktere ihre eigene Geschwindigkeit haben, in der sie ihre Geschichten erzählen. Auch wenn ich weiß, dass ich die Geduld einiger Leser ein wenig strapaziert habe, hoffe ich doch, dass sie von dem bald erscheinenden Band entschädigt werden.

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Amazon und das Selfpublishing

Das größte Versprechen, was vor einigen Jahren von den neuen digitalen Formaten ausging, war das Aufbrechen alter Strukturen, verbunden mit der Hoffnung, dass es besser werden würde. Besser für den Leser. Und besser für die Verfasser. Wo bis dahin der Weg an die Öffentlichkeit über die Verlage führte, die somit eine Türhüter-Funktion besaßen, war nun jeder frei, seine Geschichte der Öffentlichkeit anzubieten. Der Markt würde es schon richten. Es war etwas Neuartiges, bei einem Anbieter zu verlegen, der keinerlei literarische Qualitätskriterien besitzt und soweit vom traditionellen Buchhandel und Verlagswesen entfernt ist, wie man es sich vorstellen kann. Für Amazon zählen einzig und allein die Downloads, die Anzahl verkaufter eBooks. Das war für viele Autoren, die vom traditionellen Verlagswesen gelangweilt oder enttäuscht waren, eine erfrischende Neuerung.
Selfpublishing heißt in Deutschland immer noch Amazon. Das abgeschlossene Ökosystem des Onlinehändlers hat das eBook nicht nur populär gemacht, es hat auch den größten Kundenstamm an sich gebunden. Nirgendwo gibt es mehr Leser, nirgendwo wird mehr verkauft. Alle anderen Händlerkanäle sind bloße Ergänzungen.
Was ist bislang dabei herausgekommen? Ist Amazon der große Teufel, den wir Autoren unsere Seele verkaufen? Jein. Als Geschäftspartner ist Amazon zuverlässig und erfüllt seinen Teil der Abmachung. Unsere eBooks werden auf der weitreichenstärksten Plattform angeboten, das Hochladen und die Konvertierung der eBooks funktioniert zuverlässig, die Tantiemen werden pünktlich gezahlt. Knapp achtzig Prozent meiner Einnahmen stammen von Amazon.
Anderseits bildeten sich mit Amazon neue Bedingungen heraus. Der mysteriöse Algorithmus, der unsere Werke platziert und sie in eine Rangliste einsortiert, entscheidet über Erfolg und Misserfolg. Die vorderen Plätze werden in der unüberschaubaren Flut von eBooks gefunden, die hinteren nicht. Die Kundenrezensionen, von jedem Leser zu verfassen, bekamen eine riesige Bedeutung. Dies führte auf Autorenseite zu einer großen Anzahl gefälschter Bewertungen, die als Gefälligkeiten von Familie, Freunden und Bekannten verfasst werden, und die man mittlerweile schon im großen Stil bei Unternehmen in Auftrag geben kann. Und zu einem Haufen schlechter Bewertungen, die Autoren der Konkurrenz angedeihen lassen, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Außerdem tut Amazon wenig, um seine Geschäftspartner, die Selfpublisher, zu schützen. Hier ist es, ganz der Händler, näher an seinen Kunden als an seinen Autoren. Selbst die skurrilsten Kundenbewertungen, die rein gar nichts mit dem jeweiligen eBook zu tun haben, werden nicht entfernt. Die damit verbundenen schlechten Bewertungen sind für Autoren, die von den Tantiemen ihrer Bücher leben, existenziell. Amazon kümmert es nicht. Außerdem macht es Amazon durch seine großzügige Umtauschaktion leicht, eBooks nach dem Lesen wieder zurückzugeben. So entstand eine breite Nische an Lesern, die Amazon als eine riesige Bücherei begreifen. Sie kaufen eBooks, lesen sie innerhalb einer Woche durch, und geben das Werk dann wieder zurück. Der Kaufpreis wird ihnen zurückerstattet, der Autor verdient keinen Cent.
Auffallend ist der freie Fall der eBook-Preise, der von Amazon in den letzten Jahren aktiv gefördert wurde. Als PR-Aktionen werden Gratistage empfohlen, die zukünftige Leser auf den Autor und sein Werk aufmerksam machen sollen. Das Verschenken der eigenen Werke, ein zweischneidiges Schwert. Ist eine kostenlose Leseprobe oder ein Gratisband einer Reihe in meinen Augen eine gute Werbemaßnahme, zeugt das zeitweise Verschenken eines ganzen Romans von einer geringen Wertschätzung der eigenen Arbeit gegenüber. Oder anders ausgedrückt: Wer verkaufen will, darf nicht verschenken. So hat sich im Amazon-Kosmos in weiten Kreisen mittlerweile eine Billig- und sogar Gratismentalität durchgesetzt, die es nicht mehr einsieht, für Literatur zu bezahlen. Eine Tasse Kaffee ist heute auf dem Markt mehr wert als ein Roman, der im Selfpublishing als eBook erscheint. Mittlerweile ist die Abwärtsspirale bei 0,99 EUR für ein eBook bzw. für 100 Seiten angelangt. Man bekommt als Autor zwar bis zu 70 Prozent des Verkaufspreises, im Vergleich zu den mageren 7 – 10 Prozent bei den Verlagen, muss aber aufgrund der niedrigen eBook-Preise ungleich mehr Ausgaben verkaufen, um sein Auskommen zu haben. Amazon fördert hier den Hang zur Selbstausbeutung (»bevor es Verlage tun, beuten wir uns lieber selber aus«), dem viele Selbstverleger in der Hoffnung auf Erfolg verfallen.
Das freie Spiel des Marktes hat erstaunlicherweise keine mutigere, spannendere, eigenwilligere Literatur herausgebracht, wie es am Anfang von vielen erwartet wurde. Auch von mir. Schaut man sich die Angebote an, findet man zumeist nur Eingängiges: leicht verdauliche Genreliteratur dominiert, auch in den Bestsellerlisten. Die literarische Ich-AG der Selfpublisher hat smarte Autoren hervorgebracht, die es verstehen, sich zu vermarkten und zu gefallen. In dieser Hinsicht unterscheiden sie sich nicht von den Abgängern des Literaturinstituts und der Schreibschule in Leipzig oder Hildesheim, die schon von früh an bestens vernetzt sind und wissen, welche Erwartungshaltungen sie zu bedienen haben. Nur findet man bei den Verlagen ab und an tatsächlich einen eigenwilligen- und ständigen Roman in den Bestsellerlisten, bei den eBooks eher nicht. Das mag an den unterschiedlichen Lesegewohnheiten liegen oder an der vorhandenen bzw. fehlenden Werbung. Vor Kurzem sagte jemand zu mir, er lese seit Jahren nur noch Selbstverleger, da ihn der Einheitsbrei der Verlage langweilen würde. Vielleicht, dachte ich mir, liegt hier drin ja wirklich eine Chance. Aber momentan scheint es mir so, als seien die Verlage die mutigeren Verleger

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Charlie Hebdo

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Silicon Valley-Liberalität

Zu viel für Apple: Jesus mit Joint (Foto: Cicero)

Zu viel für Apple: Jesus mit Joint (Foto: Cicero)

Heute Vormittag, beim Stöbern in der Buchhandlung, fiel mein Blick auf das Cover der Januar-Ausgabe des Cicero Magazins. Egal, was man auch von der Art und Weise der Titelillustration halten mag, in dem Moment war ich froh, dass diese Buchhandlung nicht im Besitz von Apple ist. Denn in diesem Fall hätte ich dieses Cover nicht zu Gesicht bekommen.
Als Cicero die elektronische Ausgabe des aktuellen Magazins in den Zeitungskiosk von Apple hochladen wollte, scheiterten sie an den restriktiven Auflagen des amerikanischen Konzerns. Erst als das Cover durch ein anderes ersetzt wurde, konnten sie ihr Heft zum Verkauf im App Store anbieten. Ähnlich erging es dem Entwickler Lucas Pope, der sein Spiel »Papers, Please« für iOS über den Online-Store von Apple vertreiben wollten. Problem hier war ein Nacktscanner im Spiel. Erst nach einigem Hin und Her erlaubte Apple das Spiel dann doch. 2012 musste Focus das Bild einer barbusigen Frau zensieren, um nicht aus dem App Store zu fliegen.
Solche Beispiele zeigen sehr schön, dass diese angebliche Silicon Valley-Liberalität genau so prüde ist, wie all die anderen erzkonservativen Instanzen, die aber über ein ungleich schlechteres Image verfügen. Der global agierende Softwarekapitalismus, der seine Werte und Mythen zu Werbezwecken einsetzt, predigt hier Wasser und trinkt Wein. Und die Anbieter, die ihre Produkte zum Markt (in den App Store) tragen wollen, laufen Gefahr, aufgrund der asymmetrischen Machtlage im vorauseilendem Gehorsam die Schere im Kopf einzusetzen. Wer entwickelt schon ein Produkt, was es dann nicht in den Verkauf schafft. So wird eben vieles prüder, verliert seinen Mut und unterwirft sich dem großen Bruder, der mittlerweile, ganz im Gegensatz zum legendären Werbespot »1984«, Apple ist. Aber vielleicht kommt der eine oder andere Anbieter auch zu dem Ergebnis, dass man nicht alles schlucken muss, was einem aufgetischt wird, und es für dieses Spiel immer zwei braucht?

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»Audacious«

Früher irgendwann, in grauer Vorzeit, als die ersten MP3s auf unseren Computer Einzug hielten, benutzten wir alle Winamp. Das kleine Programm entlockte unseren PCs Musik zu allen Gelegenheiten, spielte auf WG-Partys und langen Wochenendmittagen, während des Kochens und beim Sport. Winamp war all das, was iTunes nie war: schlank, schnell, aufgeräumt und auch die penibel geordnetste Musiksammlung in Ruhe lassend. Außerdem wollte es keine Daten von uns. Mit dem Kauf eines iBooks hielt dann auch iTunes bei mir Einzug, um dann unter Win 7 von MusicBee abgelöst zu werden. Unter Linux benutzte ich seitdem Amarok, bis ich auf ein kleines Programm aufmerksam wurde, das die Nachfolge des legendären Winamp angetreten hat: Audacious. Schon bei den ersten Hördurchläufen fiel mir auf, wie viel Spaß dieses kleine und durchdachte Programm machen kann. Ich fühlte mich wie in alte Zeiten versetzt, zumal es im minimierten Modus genau wie Winamp aussieht. Audacious verbraucht wenig Resourcen, besitzt eine hohe Audioqualität und unterstützt eine Vielzahl von Formaten. Es ist frei und open source, und läuft unter Linux und Windows.

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Die letzten Wochen …

Cover_GU_9_M… des Jahres erweisen sich als sehr produktive Zeit. In wenigen Tagen erscheint die Nummer 9 von GEGEN UNENDLICH, in der meine Erzählung »Analoge Tendenzen« zu finden sein wird. Eine Kurzgeschichte aus dem Jahr 2005, die für die Ausgabe noch ein wenig überarbeitet wurde, und bei der es großen Spaß machte, sie noch einmal zur Hand zu nehmen. Schon im Februar haben wir dann mit der Nummer 10 ein kleines Jubiläum erreicht. Blättere ich die bisherigen Ausgaben durch, freue ich mich darüber, dass wir neben den üblichen Verdächtigen der doch sehr überschaubaren und gut vernetzten deutschen SF- und Phantastikszene auch mal nicht so häufig vertretene Autoren bringen konnten, die dem zu Konventionen erstarrten Genre frischen Wind einhauchten.

Gleichzeitig neigt sich die Arbeit am letzen Band von »Der Neiding« ihrem Ende entgegen.  »Der Neiding 6«, der Abschluss der großen Sachsensaga um die Brüder Farold und Arbogast, wird Anfang nächsten Jahres veröffentlicht werden. Noch einmal begleite ich  die mir über die Jahren vertraut gewordenen Gestalten, die  unausweichlichem ihrem Schicksal entgegen gehen. »Unser Schicksal ist schon längst von den Nornen bestimmt«, würde Arbogast sagen, und so bleibt mir nur, den Charakteren bis zu ihrem vorherbestimmten Ziel zu folgen.

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Informationen

Bereska schrieb in seinen Kolberger Heften von der Informationsflut des Radios. Knapp vierzig Jahre ist das nun her, und mutet schon nostalgisch an. Ich frage mich, ob wir heutzutage einen Scheitelpunkt erreicht haben, wo die Menge der auf uns einströmenden Informationen kaum noch gesteigert werden kann – oder ob wir in vierzig Jahren angesichts aktueller Verhältnisse müde lächeln werden? Immerhin, so lautet ein berühmter Vergleich, stecken in einer Wochenendausgabe der New York Times so viele Informationen, wie der Mensch des Mittelalters während seines ganzen Lebens erhalten hat. Und wenn die Menge an Informationen, die wir aufzunehmen vermögen, nicht mehr gesteigert werden kann, gibt vielleicht Google Glass die Richtung vor, wo die Umwelt nur noch aus konsumrelevanten Informationen besteht und alles andere als nicht verwertbar ausgeblendet werden wird? Letztens auf der Rückfahrt nach Bonn war ich im Zugabteil der einzige Mensch, der weder auf ein Smartphone noch auf ein Notebook starrte, sondern aus dem Fenster sah und nachdachte. Für eine Weile kam es mir so vor, als sei ich der letzte Vertreter der aussterbenden und unterschätzten Kulturtechnik des aus dem Fenster guckens. Ich erinnerte mich an eine Erzählung von Ray Bradbury, in der ein Mann nachts auf der Straße von der Polizei angehalten wird, weil er dort spazieren geht. Was er dort treibe, will der Polizist misstrauisch wissen , der es nicht glauben kann, dass ein Mensch einfach so zu Fuß durch die Gegend läuft. Der Schaffner hat mich das nicht gefragt, aber ein wenig misstrauisch geguckt hat er schon, bilde ich mir ein.

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GEGEN UNENDLICH Nr. 8

cover_gegen_unendlichZu Beginn der dunklen Jahreszeit erscheint die Nummer 8 unserer eBook-Reihe im entsprechenden Gewandt, welches uns von Crossvalley Smith auf den Leib geschneidert wurde. Die Erzählungen in der aktuellen Ausgabe handeln von Gespenstern und dem Tod, rheinischem Karneval und einem Kostümball, der ein böses Ende nimmt, von einer fatalen Séance und einer widerrechtlichen Erbschaft, die sich gegen ihren Erben richtet, einem Kuhhandel mit dem Jenseits und der digitalen Weiterentwicklung des Geschichtenerzählens, mit dem sich der Kreis von Alt und Neu schließt.

DIE STORYS:

Michael Blasius: »Der Geist von Melaten«
Christian Weis: »Romangeister«
Joachim Pack: »Die Liste«
Michael Siefener: »Das Erbe«
Andreas Fieberg: »Wo sich die Geister scheiden«
Gustav Meyrink: »Der Mann auf der Flasche«

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Die Rückkehr aufs Land

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Nicht häufig verirrt sich ein Comicband in meine Hände, um so mehr freue ich mich, wenn es sich dabei um ein besonders schönes Exemplar handelt. Ein paar Jahre ist die deutsche Veröffentlichung von »Die Rückkehr aufs Land 1« von Jean-Yves Ferri und Manu Larcenet schon her, von der der Verlag REPRODUKT mittlerweile einen zweiten Band herausgebracht hat.
Der autobiographische Comic handelt von Manu und Mariette, die dem Leben in der Stadt Lebewohl sagen und mit ihrer Katze Speed aufs Land ziehen. In den einzelnen Episoden begleiten wir das junge Paar vom Einzug in das neue Haus, dem Kennenlernen der Umgebung mit der mitunter eigenwilligen Landbevölkerung, bis zum Alltag mit seinen ungewohnten Herausforderungen. Schweigsame Nachbarn kommen auf ein Glas selbst gebrannten Schnaps vorbei, die attraktive Bäckerin erweist sich als hilfreich bei Radiergummimangel, ein Gemüsegarten will angelegt werden, beim Pilze sammeln im Wald unterstützt das Internet, es folgt eine Einladung zum Holzfällen und dem jährlichen Schweinefest, und ein Eremit im Wald, bei dem es sich um den ehemaligen Bürgermeister handelt, erweist sich als Psychiaterersatz. Und kaum hat Manu sich richtig eingelebt, wünscht sich Mariette ein Kind …
Der Humor speist sich in »Die Rückkehr aufs Land« aus den schon häufig verwendeten Unterschieden zwischen Städtern und Landbevölkerung, aber Ferri und Larcenet zeichnen die Kontraste auf eine sehr liebevolle Art und Weise, ohne ins allzu Karikaturhafte zu verfallen. Dazu kommt, dass man durch das autobiographische Element eine sehr glaubwürdige Gestaltung des Landlebens vorfindet und die kleinen Alltäglichkeiten mit charmanter Hand dargestellt werden. Abgerundet wird das Leseerlebnis durch die schöne Aufmachung des Bandes, der sich an das Querformat des französischen Orginals gehalten hat.

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Nichts geht mehr

SAMSUNGSeit Jahren strebt Bonn an, Fahrradhauptstadt von NRW zu werden. Dazu muss man wissen, dass Bonn nicht nur die lauteste Stadt NRWs ist, sondern auch tagtäglich von Automassen überrollt wird, die die halbe Stadt lahmlegen. Als man vor einigen Monaten im Rahmen von Sanierungsarbeiten eine Spur einer innerstädtischen Autobahnbrücke sperrte, war das Tagesthema und Hauptaufreger bei den Berufspendlern und Lokalmedien. Der Bonner General-Anzeiger richtete dafür extra einen Live-Ticker ein.
Umso erstaunlicher ist das Ansinnen der Stadt, Fahrradhauptstadt zu werden, wenn man überlegt, dass Bonn kaum über Radwege verfügt. Statt Radwege gibt es hier höchstens mal gestrichelte Linien auf den Straßen, was dazu führt, dass sich Auto- und Radfahrer beständig in die Haare kriegen, und der eine oder andere Radfahrer im wahrsten Sinne des Wortes unter die Räder kommt. Als jemand, der täglich mit dem Rad unterwegs ist, kann ich sagen, dass man schon eine beinahe unvernünftige Liebe zum Radfahren braucht, um in dieser Stadt trotz allem zu fahren. Als gebürtiger Münsteraner bin ich immer wieder begeistert, wie gut dort die Fahrradinfrastruktur ist. Nun ist Bonn nicht Münster, hier fehlt es einfach an Platz und am politischen Willen. So müsste man, wollte man den Radverkehr stärken, den Platz woanders einsparen, sprich bei den Autofahrern. Nun rächt sich eine verfehlte Stadtplanung, die jahrzehntelang primär auf den Autoverkehr ausgerichtet war und unsere Städte zu öden Durchfahrstrecken degradiert hat.

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Herbst

SAMSUNGBuntes Laub. Spaziergänge im Wald. Wanderungen im Siebengebirge. Der Aufbruch der Graugänse. Lange Sommerherbsttage an der frischen Luft mit Freunden. Klare Farben vor blauem Himmel. Das Knattern der Drachen in der Luft. Gespräche am See im Park. Die tuckernden Schiffe auf dem Rhein. Letztes Eisessen des Jahres draußen vor dem Lokal. Lange Leseabende. Das Gefühl des Übergangs. Der Herbst ist immer noch meine liebste Jahreszeit. Und während man durch das Laub stapft, kann man alle möglichen Dinge sammeln, die eine nette Herbstdekoration ergeben.

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Ausrichtung

Wieso gibt es konservative, linke, liberale, linksliberale oder rechte Zeitungen, aber kein Blatt, welches alle politischen Strömungen in sich vereint? Wäre das nicht der objektivste Grad der Berichterstattung (da es nun mal keine neutrale Berichterstattung geben kann), der einseitigem Denken durch die unterschiedlichsten politischen und weltanschaulichen Standpunkte entgegentritt? Aber wer sollte so etwas leisten können? Und wer sollte so etwas lesen? Eine Utopie.

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Druckfrisch

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Konservative Emmys?

Trotz zahlreicher Nomierungen ist »Games of Thrones« bei den diesjährigen Emmy-Awards leer ausgegangen. Gewinner des Abends war zweifellos »Breaking Bad«, die zum zweiten Mal in Folge in der Kategorie »Bestes Drama« ausgezeichnet wurde und insgesamt sechs Emmys erhielt. George R. R. Martin merkt dazu in seinem Blog an, dass in 66 Jahren trotz zahlreicher Nomierungen nicht eine SF- oder Fantasy-Serie mit einem Emmy ausgezeichnet wurde.

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Voyager

1781119_623916197685999_555754049270840656_oLange hat mir keine Neueröffnung in Bonn, dieser bissig-spießigen, zum bildungsbürgerlichen Mainstream neigenden Stadt, solche Freude gemacht wie das neue Projekt einiger Unentwegter: das Voyager. Hier finden Brettspieler, Nerds, Science-Fiction und Fantasy-Fans ein neues Zuhause. Unbedingt mal reinschauen, wenn man in der Nähe ist. Das Voyager ist ein schönes Beispiel dafür, dass eine Stadt nicht dadurch interessanter wird, dass Tausende neue Mitarbeiter von Post, Telekom und Postbank hinziehen, sondern dass kreative Köpfe was auf die Füße stellen. Die Getränkekarte lockt mit etlichen, sehr leckeren Sachen, und für das leibliche Wohl ist auch gesorgt.

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Hand-Werk

Nach zwei Wochen der Planung habe ich mich nun an die Überarbeitung vom letzten Teil des »Neidings« begeben. Eine klare, schlichte Sprache verwenden und eine reduzierte Handlung, wodurch das Historische etwas Parabelhaftes und Zeitloses bekommt. Dadurch wird es zweitrangig, wie weit die erzählte Geschichte zurückliegt. Kraftvoll erzählen, nicht intellektuell; auf das Wesentliche, allgemein Menschliche herunterbrechen. Einen historischen Roman zu schreiben kam mir lange Zeit vor, wie mit einem Schmuddelkind in der Öffentlichkeit zu erscheinen, nun stelle ich fest, dass das Kind bescheiden und klug ist.

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Versificatoren

Beim Wiederlesen von »1984«, welches ich immer noch für eine beeindruckende Dystopie halte, fällt mir auf, wie stark die Realität die damaligen Mechanismen von Kontrolle überholt hat. Es handelt sich hierbei um das, was Bjung-Chul Han das digitale Panoptikum genannt hat. In anderer Hinsicht erscheint mir Orwells Roman noch immer sehr aktuell. Bei einer Forendiskussion über Amazons neue eBook-Flatrate fragte ein User, wovon denn die Autoren dann noch leben sollten. Ein anderer Teilnehmer antwortete, dass Autoren sowieso bald durch Programme ersetzt werden würden, die Romane automatisch generieren. Dabei fiel mir die synthetisch erzeugte Musik aus »1984« ein:

Draußen vor dem Fenster sang jemand. Winston lugte unter dem Schutz des Musselinvorhangs hinaus. Die Junisonne stand noch hoch am Himmel, und drunten auf dem besonnten Hof stapfte ein Monstrum von Frau, wuchtig wie eine romanische Säule, mit stämmigen roten Unterarmen und einer um ihre Taille gebundenen Sackleinwandschurze, zwischen einem Waschfass und einer Wäscheleine hin und her, auf der sie eine Reihe viereckiger weißer Dinger aufhangte, die Winston als Kinderwindeln erkannte. So oft ihr Mund nicht durch Wascheklammern verschlossen war, sang sie mit mächtiger, tiefer Altstimme:

»Es war nur ein tiefer Traum,
Ging wie ein Apriltag vorbei-ei
Aber sein Blick war leerer Schaum
Brach mir das Herz entzwei-ei!«

Das Lied wurde wahrend der letzten Wochen von ganz London geträllert. Es war einer von zahlreichen ähnlichen Schlagern, die für die Proles von einer Unterabteilung der Fachgruppe Musik herausgegeben wurden. Der Wortlaut dieser Lieder wurde ohne jedes menschliche Zutun von einem sogenannten »Versificator« zusammengestellt. Aber die Frau sang so melodiös, dass aus dem fürchterlichen Blödsinn beinahe ein hübsches Liedchen wurde.

Im Journalismus wird ein solches Programm zum automatischen Verfassen von Nachrichten schon eingesetzt. Anfang Mai meldete die »Los Angeles Times« , sie habe die erste von einer Software produzierte Nachricht publiziert und werde das in Zukunft öfter tun. Die Stuttgarter Softwarefirma Aexea verspricht eine Nachrichtenmaschine, die hochwertige Texte erzeugen kann. Mit dieser lasse sich zum Beispiel eine Nachrichtenseite basteln, bei der auf die speziellen Interessen bestimmter Leser zugeschnittene Artikel produziert werden – ganz ohne Menschen im Produktionsprozess.
Die böse Ironie an der Geschichte ist, dass für Orwell der Versificator das Instrument eines totalitären Regimes war, denn wo eine Maschine produziert, kann es auch keinen kritischen Geist geben, und dass nun im Rahmen eines freiheitlichen Kapitalismus eben dieses Instrument als Objekt der Gewinnmaximierung eingesetzt wird.

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GEGEN UNENDLICH. Phantastische Geschichten – Nr. 6

Cover_GU_6_MDie sechste Ausgabe von »GEGN UNENDLICH« wurde mittlerweile an den Handel ausgeliefert. Die sechs Erzählungen dieser Sammlung drehen sich um Veränderungen aller Art und zeigen die unterschiedlichsten Facetten der Phantastik. Abgerundet werden die Geschichten von einem Artikel zu den Hintergründen zu Ray Bradburys bei Arkham House verlegtem Band »Dark Carnival«. Die Nr. 6 ist erhältlich als Download bei Amazon und anderen Anbietern.

DIE STORYS:

Uwe Durst: »Der Puppenmacher«
Michael Blasius: »Martha«
Andreas Fieberg: »Die Krümmung der Geraden«
Ute Dietrich: »Wahnsinnsstern«
Hubert Katzmarz: »Der Physiker und die magischen Steine«
Joachim Pack: »Kurzschluß in der Zeitmaschine«
Essay: »Zu Gast im Hause Arkham. Über Bradburys Erstling Dark Carnival«

AUS DEM INHALT:

Die von Sehnsucht beflügelte magische Verwandlung eines Jungen / Implantierte Realitäten als Zufluchtsort / Die Begegnung mit dem Alter Ego / Sternenreisende, die eine drastische Transformation erleben / Ein alter Weiser und seine esoterischen Schüler / Ein Autor, der zur Figur in seiner eigenen Geschichte wird // Sechs bizarre Begebenheiten, sechs Facetten der Phantastik, unterhaltsam und pointiert erzählt! – Titelillustration von Lothar Bauer

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01/ 2013

Nach dem Frühstück suchte ich im Internet nach einer alten Professorin von mir, von der ich lange nichts mehr gehört hatte, und stieß auf den Seiten der Westfälischen Nachrichten auf eine Sterbeanzeige. Von allen meinen Professoren war Frau M. die Streitbarste und Angreifbarste, die sich mit ihrer ganzen Person einbrachte, die von Hentigs Bildungsbegriff hochhielt und uns Popper nahebrachte, die grundsätzlich erst am späten Vormittag ihre Vorlesungen hielt, da sie ein Nachtmensch war und es als Körperverletzung betrachtete, um acht Uhr morgens vor den Studenten stehen zu müssen; die den SPIEGEL mit einer Begeisterung las, dass auch ich ihn abonierte, die ein ganzes Semester darauf verwendete, einen einzigen Text hermeneutisch zu lesen, und die alle in ihren Augen denkfaulen Studenten mit ihrer Ironie nach wenigen Tagen verscheuchte, die oben unter dem Dach des Hüfferstiftes mit Freiwilligen philosophische und erziehungswissenschaftliche Bücher las, wo wir uns in ihrem kleinen Büro mit den alten muffigen Möbeln über die ausgeteilten Kopien beugten, und bei der ich 2000 als einer der letzten Studenten die Diplomarbeit schrieb, bevor sie in den Ruhestand ging. Frau M. ist im Januar 2013 in Münster verstorben.

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»Urd«

Cover Neiding 5Es ist geschafft! Gestern habe ich das letzte Kapitel von »Urd« beendet und ins Korrektorat gegeben. Die Veröffentlichung steht also kurz bevor. Ich freue mich sehr darüber und möchte mich für die vielen freundlichen Leserkommentare und interessierten Rezensionen im Netz bedanken. Als nächstes werde ich die Arbeit  kurz für ein anderes Projekt unterbrechen, bevor ich mich in zwei Wochen an den letzten Teil vom »Neiding« begebe und die Reihe abschließe.

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Realpolitik

Ein Mindestlohn mit Ausnahmen ist kein Mindestlohn.

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Balkonsommer

Heute zum ersten Mal wieder meinen Arbeitsplatz nach draußen auf den Balkon verlagert. Kein Kaffeehausliterat, denke ich, aber immerhin ein Balkonliterat. Auch die Weberknechte  haben sich wieder eingefunden. Waren sie im letzten Jahr noch zu zweit, sind es mittlerweile zwischen drei und sechs Exemplare, die regungslos in den Pflanzen unseres Balkons sitzen, durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Dafür sind die Vögel aufgebracht, die sich durch meine Anwesenheit gestört nicht mehr an die Futtersilos und Meisenknödel trauen. Während ich stoisch sitzen bleibe und arbeite, ist mir der Fluch aller Meisen der Umgebung sicher.

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