GEGEN UNENDLICH. Phantastische Geschichten – Nr. 15

GEGEN UNENDLICH 15 ist da! Brandfrisch liegt die neue Ausgabe schon bei Amazon vor, die anderen Anbieter werden aktuell beliefert.

Aus dem Klappentext:

Ein pralles Bündel an Geschichten aus Science Fiction und Phantastik, die von nicht weniger als neunzehn Autoren stammen. Soviel Abwechslung und Vielfalt war selten, und dennoch umkreisen die Geschichten dieser Sammlung wie die Planeten eines Sonnensystems einen gemeinsamen Mittelpunkt. Die unterschiedlichen Bahnen um das Zentralgestirn mögen sie durch jeweils andere Gefilde führen, und unterwegs begegnen ihn jeweils andere Phänomene, aber der Kern, der sie mit unsichtbarer Kraft an sich bindet, bleibt derselbe.

Sex, Erotik, Verführung und Leidenschaft spielen in den Geschichten über Aliens, virtuelle Welten, dystopische und apokalyptische Szenarien eine zentrale Rolle. Alles andere als leichte Kost, und dennoch bereichernd. Wir wünschen wie immer gute Unterhaltung!

DIE AUTOREN: Michael J. Awe, Gabriele Behrend, Marco Denevi, Ute Dietrich, Raven E. Dietzel, Sascha Dinse, Uwe Durst, Rainer Erler, Tino Falke, Norbert Fiks, Andreas Fink, Hans Jürgen Kugler, Manfred Lafrentz, Kurt Münzer, Lea Reiff, Nele Sickel, Fernando Sorrentino, Simon Viktor, Matthias Weber

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GEGEN UNENDLICH Nr. 15: Das Cover

GU 15

Das neue Covermotiv der kommenden Ausgabe von GEGEN UNENDLICH ist fertig. Es stammt von Stefan Böttcher, dessen tolle Bilder schon etliche Cover von GU zieren, und bildet eine gute Einstimmung auf den Inhalt.

Für die Ausgabe 15 haben wir Erzählungen von sehr unterschiedlichen Autorinnen und Autoren versammelt, die aber eine Gemeinsamkeit aufweisen:  Liebe, Sex, Erotik, Verführung und Leidenschaft sind beinahe durchgängig die grundlegenden Elemente aller versammelten Geschichten.

Extimes: 8

Schon im Kindergarten lernt der Mensch, Dinge zu tun, die er nicht möchte. In der Schule lernt er, sich von anderen bewerten zu lassen. Im Beruf, sich in sein Schicksal zu fügen. Alles andere ergibt sich dann von selbst.

Die giftige Eibe lockt die Vögel mit ihren roten Beeren. Sie schlucken die Beeren am Stück, nähren sich von dem Fruchtfleisch und scheiden die Kerne wieder aus.

Die zwei roten Umzugswagen vor dem Haus, aus dem das alte Ehepaar auszieht. Die ungewohnt kahlen Fenster ihrer Wohnung. Als die alte Frau das Haus verlässt, geht sie ohne einen Blick an den Umzugswagen vorbei, überquert die Straße und wartet an der Bushaltestelle.

Čechov

»Wenn man zu Hause lebt, in seinem Zimmer, erscheint einem das Leben normal, aber kaum geht man hinaus auf die Straße und beginnt zu beobachten, auszufragen, Frauen zum Beispiel, so ist das Leben – schrecklich.«
Anton Čechov

Während des Studiums Mitte der 90er Jahre wurde ich auf Anton Čechov aufmerksam. Ich war wegen seiner Meisterschaft in der kurzen Form ziemlich beeindruckt, aber auch wegen seiner Beobachtungsgabe und der Menschenkenntnis, die den Mediziner erkennen ließen. Aufgrund seiner Tätigkeit als Arzt, die ihm zeitlebens genauso wichtig war wie seine Schriftstellerei, schien er mit mehr im Leben zu stehen als ein hauptberuflicher Autor. Das ließ mich den Aspekt des Brotberufes neu überdenken. Jetzt nahm ich erneut seine Notizbücher zur Hand und mir fielen wieder die Gründe ein, warum ich ihn damals so begeistert gelesen habe:

»Sie müssen anständige, gut gekleidete Kinder haben, ihre Kinder müssen ebenfalls eine schöne Wohnung und Kinder haben, und deren Kinder ebenfalls Kinder und schöne Wohnungen, aber wozu das alles – weiß der Teufel.«

(aus: Anton Čechov, Tagebücher/ Notizbücher, herausgegeben und übersetzt von Peter Urban, Diogenes, 1983)

Nominierungen für den KLP 2019

Es ist mal wieder so weit. Wie jedes Jahr um diese Zeit wurden die Nominierungen für den Kurd-Laßwitz-Preis bekanntgegeben und wie jedes Jahr blickt die kleine deutsche SF-Szene auf die Liste der Kandidatinnen und Kandidaten. Im Gegensatz zum Deutschen Phantastik Preis, bei dem einige Tausend Leserinnen und Leser an der Abstimmung teilnehmen, handelt es sich beim KLP um keinen Publikumspreis, sondern die Aktiven der SF-Szene wählen die Preisträger aus ihren eigenen Reihen.

GEGEN UNENDLICH ist zum ersten Mal dabei und wurde gleich einige Male nominiert: Für Stefan Lammers Kurzerzählung »Acht Grad« und Matthias Ramtkes längere Geschichte »In der Grube«, beide aus GU 14. Neben einem guten Inhalt haben wir auch immer ein Augenmerk auf eine gute Covergraphik gehabt. Deswegen freue ich mich besonders über die drei Nominierungen in dieser Kategorie von Michael Hutter und von Stefan Böttcher, der gleich mit zwei Covern vertreten ist: Für das Titelmotiv der Nummer 14, »Alien Swamp« und von der Nummer 12 »24-7«. Michael Hutter wurde für sein Cover von der Nummer 13 nominiert (»Die Falle«).

Herzlichen Glückwunsch an alle Autoren und Künstler! Auch an Mitherausgeber Andreas Fieberg, der mit seiner Erzählung »1 Million Affen« nominiert ist. Eine Erzählung, die nicht nur einen tollen Titel besitzt.

Vorstellung GEGEN UNENDLICH 14

Nach zwei Jahren waren wir wieder zu Gast in der Buchhandlung Böttger. Es kommt selten vor, dass sich dort so unterschiedliche Autoren zu einer Lesung zusammenfinden, wie bei der Vorstellung von GEGEN UNENDLICH 14. So wurde es ein bunter, abwechslungsreicher Abend, der ein breites Spektrum phantastischer Literatur abdeckte.

Oben im Bild von rechts nach links: Uwe W. Appelbe, Friedrich Wilhelm Korff, ich, Andreas Fieberg.

Kleiner blauer Punkt

Wenn in Deutschland Zehntausende von Kindern und Jugendlichen für den Umweltschutz demonstrieren, zeugt das von einem gesunden Menschenverstand, der vielen Erwachsenen abhandengekommen ist. Manchmal ist es sinnvoll, die Sachen einfach zu betrachten.
Wenn wir es nicht schaffen, die Zerstörung unserer aller Lebensgrundlage zu stoppen und uns selbst als Teil der Natur zu betrachten, müssen wir uns um die übrigen Probleme nicht mehr kümmern. Arbeitsplätze? Tote Menschen brauchen keine Arbeit. Demographischer Wandel? Egal, wenn es keine Zukunft mehr gibt. Das Auseinanderdriften zwischen Reich und Arm. Atomare Aufrüstung. Migration. Die Zukunft der deutschen Automobilindustrie. Der Brexit. Spielt dann alles keine Rolle mehr.
Noch immer wird so getan, als wäre der Umweltschutz ein Luxusproblem. Dabei ist kein Thema wichtiger. Es gibt keinen Plan B. Das Überleben unserer Spezies ist fest an das der Erde gebunden. Ein neuer Planet, der der menschlichen Rasse Unterkunft bietet, ist nicht in Sicht und wird für lange Zeit auch nicht erreicht werden können.
Die Erde bietet uns perfekte Lebensgrundlagen. Sie ist unsere Heimat. Unter Milliarden von Möglichkeiten der Evolution ist hier menschliches Leben entstanden. Auf diesem kleinen blauen Punkt im Universum.

Lesung in Bonn am 22. März

 

Am 22. März stellen wir die aktuelle Ausgabe von GEGEN UNENDLICH in der Buchhandlung Böttger in Bonn vor. Die schöne Lokalität war schon vor zwei Jahren Schauplatz der von uns organisierten Lesereihe  »Phantastischer Sommer«, und es ergab sich eine spannende Mischung aus dem klassischen Lesungspublikum der Buchhandlung und den Freunden der Phantastik und Science-Fiction. Es werden Texte von Alban Nikolai Herbst, Georg Klein und Friedhelm Wilhelm Korff zu hören sein. Außerdem trägt der Bonner Autor Uwe W. Appelbe aus »Die Kinder« vor. Ich werde einen Ausschnitt aus meiner längeren SF-Story »Unter der Sonne von Cela 14« lesen.

Alle-Mal-Malen hier?

In Bonn gab es lange Zeit einen älteren Mann, der allgemein als »Alle-Mal-Malen-Mann« bekannt war. Abend für Abend zog er durch die Kneipen und Cafés, trat an die Tische und fragte: »Alle mal malen hier?« Bejahte man die Frage, ließ er sich schnell nieder, zog einen Block und einen Bleistift aus seiner alten Aktentasche, die er immer bei sich trug, und zeichnete ein Gruppenbild. Lehnte man sein Angebot ab, zog er von dannen, manchmal auch schimpfend.

Über die Jahre hinweg wurde dieser Mann zu einer Institution in der Stadt. Nach einer Lesungen vor zwei Jahren, bei der wir unser Magazin »GEGEN UNENDLICH« vorstellten, kehrten wir im Anschluss mit einigen Leuten in einer Kneipe ein und setzten uns an eine der langen Bierbänke vor dem Lokal. Es dauerte nicht lange, und der »Alle-Mal-Malen-Mann« fuhr mit seinem klapprigen Fahrrad vor und stellte uns die berühmte Frage. Ich überlegte nicht lange. Das war das letzte Mal, dass wir ihn sahen. Einige Monate später starb der Maler, dessen Künstlername Jan Loh lautete. Heute jährt sich sein erster Todestag.

Erste!

Jedes Jahr im März ist die erste Mauerbiene der Vorbote des Frühlings. Sturmtief hin oder her. Die nächsten Tage werden sich nach und nach die anderen Bienen aus ihren Brutkammern herausarbeiten, zuerst die Männchen aus den vorderen, dann die Weibchen aus den hinteren.

Extimes: 7

Das Wetter so ungemütlich, dass sich nur Hundebesitzer und Eltern draußen aufhalten.

Das kleine Mädchen auf dem Weg zur Schule, verkleidet wie ein Waldgeist. Ein Waldgeist mit Schulranzen.

Nach dem Aussortieren alter Bücher sieht das Bücherregal aus wie ein schadhaftes Gebiss.

Ecken und Kanten

In der »Bibliothek von Babel« findet sich ein außergewöhnlicher Band, »Unliebsame Geschichten« von Léon Bloy. Das schmale Buch mit einer Handvoll von Erzählungen war seinerzeit meine erste Begegnung mit diesem Autor. Selten habe ich so etwas Scharfzüngiges und Polemisches, phasenweise sogar Bösartiges gelesen, das aber immer das Gefühl mit sich brachte, dass da jemand ziemlich genau hingeschaut und ohne falsche Rücksicht den Menschen dargestellt hat.

Später las ich einiges über den bemerkenswerten Lebenslauf von Bloy. Ein Mensch, mit unglaublichen biographischen Brüchen, Lebens- und Sinnkrisen und einer Radikalität, die kein Platz für ein Abwägen ließ. Er war entweder entflammt oder erzürnt, gänzlich hingegeben oder unerbittlicher Widersacher.

Wie immer man auch zu Léon Bloy stehen mag, er war ein Schriftsteller mit Ecken und Kanten. Er gönnte sich den Luxus einer eigenen Meinung, spottete und beleidigte, wenn sein Temperament mit ihm durchging, widmete sich den großen Themen Religion und Politik, an denen sich die Geister scheiden. Seine Radikalität überschritt häufig die Grenzen der Höflichkeit. Er hatte keine Sorgen, potentielle Leser mit seiner Meinung zu vergrätzen und sprach klar heraus. Solchen Autorentypus findet man nicht mehr häufig in der Öffentlichkeit. Querköpfe wie Handke sterben langsam aus. Die neue Autorengeneration ist smarter – und glatter. Was schon die Politiker beherzigen, wird auch von ihnen praktiziert: Mach Dich nicht angreifbar! Meide heikle Themen! Fall nicht negativ auf!

Natürlich macht das den Umgang mit ihnen erträglicher. Aber die »Unliebsamen Geschichten« zeigen, was uns allen dadurch entgeht.

Winter is coming

Es stimmt, dass es nicht die Faschisten in der Gestalt der Faschisten sind, die zu fürchten sind. Und auch nicht die Faschisten in der Gestalt der Demokraten. Wenn heute EU-Gremien beschlossen haben, dass zukünftig auch die Erfassung des Fingerabdrucks im Personalausweis Pflicht wird, dann entfernen sich diese Institutionen wieder einen Schritt weiter von einem demokratischen Gemeinwesen, wie ich es mir vorstelle. Zur Aushöhlung der Demokratie braucht es keine »Rechtspopulisten«.

Die erkennungsdienstliche Erfassung aller Bürger der Europäischen Union lässt Ungutes für die Zukunft erahnen. Immer mehr Daten der Bürger werden erhoben und miteinander verknüpft, die Befugnisse der Sicherheitsapparate immer weiter ausgebaut. Stück für Stück ändert sich so das Verhältnis zwischen Bürger und Staat. Der wohlwollende Blick eines Nanny-Staates wird der paranoide Blick eines Überwachungsapparates, der in jedem Bürger einen potentiellen Verbrecher sieht.

Als Jonathan Nolan 2009 die Idee einer Fernsehserie namens »Person of Interest« mit einer allmächtigen Überwachungs-KI an amerikanische Fernsehsender verkaufen wollte, fand man seine Ideen unrealistisch und politisch zu provokativ. Nachdem die Serie 2011 angelaufen war, schrieb die New York Times, dass das Konzept ein wenig an den Haaren herbeigezogen wirkte. Dann kam Edward Snowden und die Welt konnte schwarz auf weiß lesen, was hinter der Kulisse der Demokratien vorging. Die Realität hatte die Serie in vielen Bereichen bereits eingeholt. Als »Vault 7« geleakt wurde, berichteten die Medien kurz darüber und gingen wieder zur Tagesordnung über. Und wir auch.

Früher dachte ich, dass man miese Machenschaften nur publik zu machen bräuchte, damit die Politiker sich bewegen und auf den öffentlichen Druck reagieren. Doch ich habe mich geirrt. Unsere Regierung hat den NSA-Untersuchungsausschuss und andere Untersuchungen einfach ausgesessen. Und nichts passierte. Der Leak wird keine Konsequenzen haben und wir werden keine Informationen bekommen. Wie auch im Fall Amri. Aber es wurde offensichtlich, wie schwer es für die parlamentarischen Kontrollorgane ist, ihre Geheimdienste zu kontrollieren. Die Geheimdienste sind auch aus dieser Affäre gestärkt hervorgegangen. Ich denke in diesen Zeiten häufig an den berühmten Monolog von Harold Finch aus »Person of Interest«.

»MŒBIUS« vom 15.9.2019 – 16.2.2020 in Brühl

Moebius Brühl

Abb.: Arzak le rocher, 1995, Gouache und Acryl auf Papier © 2019 Moebius Production

Vor einigen Jahren brachte das Max Ernst Museum in Brühl eine großartige Ausstellung der künstlerischen Arbeiten von Tim Burton. Horden von nerdigen Typen warteten geduldig in einer langen Schlange an der einzigen Kasse des Hauses, das auf einen solchen Ansturm kaum vorbereitet war. Ich habe noch nie ein solch buntes Durcheinander in einer Museumsausstellung gesehen, es war ein Riesenspaß.

Jetzt widmet sich das Max Ernst Museum in einer neuen Ausstellung den Bilderwelten des französischen Comiczeichners Jean Giraud, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Moebius:

Das Max Ernst Museum Brühl des LVR zeigt eine Ausstellung mit visionären Bildwelten des bedeutenden französischen Comiczeichners und Szenaristen Jean Giraud (1938-2012), der unter dem Namen »Mœbius« international bekannt geworden ist. Mœbius erforschte die Sphären der Träume und der Science-Fiction. Mit seiner immensen Imaginationskraft schuf er in präziser Strichführung surreale Welten im ständigen Fluss. In seinen Geschichten treffen utopische Architekturen und futuristische, menschenüberfüllte Megametropolen auf Wüstenlandschaften und schamanistische Reisen durch Raum und Zeit.

Bei Mœbius verschwimmen die Genregrenzen zwischen Comicstrip und Kunst. Seine fantastischen Erzählungen werden für den Betrachter dabei zur Seelenreise in das Ich des großen Meisters der Linie und damit in unbekannte Bereiche der Fantasie, die überraschend detailgenau und suggestiv Form annehmen.

Die Ausstellung widmet sich dem umfangreichen Werk von Mœbius und seinen komplexen Bildgeschichten: Ausgehend von seinen Notizbüchern (»Carnets«), in denen er grundlegende Ideen seiner Bildproduktion konzentriert hat, über skizzenhafte Zeichnungen, szenisch gegliederte Comicfolgen, abstrakte Gemälde bis hin zu populären Druckgrafiken wird das Spektrum seiner faszinierenden Zeichenkunst ausgebreitet.

Neufassung von »Der Neiding«

Fast drei Jahre ist es her, dass der sechste und letzte Teil meines historischen Romans »Der Neiding« veröffentlich wurde. Bis heute finden die Bände ihre Leser, was mich sehr freut. Aber mit dem Ende war ich nicht zufrieden gewesen. Also nahm ich das Manuskript im letzten Herbst noch einmal zur Hand und schrieb Band 5 und Band 6 neu.

»Der Neiding« wird Mitte des Jahres als Einzelband neu veröffentlicht werden. Als eBook und erstmals auch als Taschenbuch. Und er wird unter meinem neuen Namen erscheinen.

»GEGEN UNENDLICH«: Die Jubiläumsnummer

GU 10 CoverMitten in unseren Umzug fiel die Veröffentlichung der Jubiliäumsnummer von »GEGEN UNENDLICH«. Seit knapp zwei Jahren und mit nunmehr der zehnten Ausgabe bringt die ebook-Reihe aus dem weiten Feld der phantastischen Literatur einen bunten Mix zeitgenössischer und klassischer Autoren.
Auch diesmal haben wir wieder eine abwechslungsreiche Sammlung für unsere LeserInnen zusammengestellt. Lesen Sie in der Jubiläumsnummer von verblüffenden Erfindungen, von denen Unbefugte besser die Finger lassen (Uwe Hermann, »Der Einfänger«), von Weltraumjägern, deren Kindheitssehnsucht sich auf grausame Weise erfüllt (Silke Jahn-Awe, »Kampfpiloten«), und von einem »Haus am Ende der Träume« (Michael Siefener). In der Klassiker-Abteilung gibt es diesmal nicht weniger als drei Beiträge, und zwar eine Neuübersetzung von Sakis boshafter Geschichte »Die Musik auf dem Hügel«, eine Übersetzung von Julius Longs verstörender Story »Der bleiche Gast« (im Original zuerst im »Weird Tales Magazine« erschienen) und eine Neuveröffentlichung von Hanns Heinz Ewers surrealer Groteske »Mein Begräbnis«. Daneben sind wie gewohnt die Herausgeber Blasius, Fieberg und Pack mit je einem Beitrag vertreten.
Das Titelmotiv stammt diesmal wieder von Stefan Böttcher und ist eines meiner Favoriten. Anlässlich des Jubiläums haben wir die künstlerischen Vorlagen für die zurückliegenden Titelillustrationen Revue passieren lassen und die Coverbilder aller Ausgaben versammelt. Wir wünschen viel Spaß bei der Lektüre.

»Der Neiding 6 – Schwertzeit«

Cover Neiding 6

Heute beendete ich den sechsten Teil von »Der Neiding«. Der letzte Satz im letzten Band. Nach acht Jahren ist die große Geschichte von den Brüdern Arbogast und Farold, die zugleich die Geschichte vom Sachsenkrieg, dem Aussterben des alten Glaubens und dem Siegeszug des Christentum ist, zu Ende erzählt. Es ist die Demut des Geschichtenerzählers, hinter den Figuren und ihren Erlebnissen zurück zu treten, dafür zu sorgen, dass alles lebendig vor die Augen des Lesers tritt, die auch sein größter Stolz ist. Nun heißt es Abschied nehmen von Farold und Arbogast. Ich wünsche mir, dass der Leser ein ähnliches Vergnügen an der Geschichte finden möge, wie ich es beim Verfassen hatte. »Der Neiding 6 – Schwertzeit« wird Ende März im Handel erhältlich sein.

Der Neiding 6

 Die Arbeit am sechsten und abschließenden Teil vom Neiding neigt sich ihrem Ende entgegen. Noch drei Kapitel sind zu bearbeiten, eines davon muss fast komplett neu geschrieben werden, dann kann das Manuskript ins Korrektorat und Lektorat. Seit dem letzten Band sind einige Monate vergangen und das anvisierte Veröffentlichungsdatum von Teil 6 lag im Herbst letzten Jahres, aber ich habe gelernt, dass Charaktere ihre eigene Geschwindigkeit haben, in der sie ihre Geschichten erzählen. Auch wenn ich weiß, dass ich die Geduld einiger Leser ein wenig strapaziert habe, hoffe ich doch, dass sie von dem bald erscheinenden Band entschädigt werden.

Amazon und das Selfpublishing

Das größte Versprechen, was vor einigen Jahren von den neuen digitalen Formaten ausging, war das Aufbrechen alter Strukturen, verbunden mit der Hoffnung, dass es besser werden würde. Besser für den Leser. Und besser für die Verfasser. Wo bis dahin der Weg an die Öffentlichkeit über die Verlage führte, die somit eine Türhüter-Funktion besaßen, war nun jeder frei, seine Geschichte der Öffentlichkeit anzubieten. Der Markt würde es schon richten. Es war etwas Neuartiges, bei einem Anbieter zu verlegen, der keinerlei literarische Qualitätskriterien besitzt und soweit vom traditionellen Buchhandel und Verlagswesen entfernt ist, wie man es sich vorstellen kann. Für Amazon zählen einzig und allein die Downloads, die Anzahl verkaufter eBooks. Das war für viele Autoren, die vom traditionellen Verlagswesen gelangweilt oder enttäuscht waren, eine erfrischende Neuerung.

Selfpublishing heißt in Deutschland immer noch Amazon. Das abgeschlossene Ökosystem des Onlinehändlers hat das eBook nicht nur populär gemacht, es hat auch den größten Kundenstamm an sich gebunden. Nirgendwo gibt es mehr Leser, nirgendwo wird mehr verkauft. Alle anderen Händlerkanäle sind bloße Ergänzungen.

Was ist bislang dabei herausgekommen? Ist Amazon der große Teufel, den wir Autoren unsere Seele verkaufen? Jein. Als Geschäftspartner ist Amazon zuverlässig und erfüllt seinen Teil der Abmachung. Unsere eBooks werden auf der weitreichenstärksten Plattform angeboten, das Hochladen und die Konvertierung der eBooks funktioniert zuverlässig, die Tantiemen werden pünktlich gezahlt. Knapp achtzig Prozent meiner Einnahmen stammen von Amazon.

Anderseits bildeten sich mit Amazon neue Bedingungen heraus. Der mysteriöse Algorithmus, der unsere Werke platziert und sie in eine Rangliste einsortiert, entscheidet über Erfolg und Misserfolg. Die vorderen Plätze werden in der unüberschaubaren Flut von eBooks gefunden, die hinteren nicht. Die Kundenrezensionen, von jedem Leser zu verfassen, bekamen eine riesige Bedeutung. Dies führte auf Autorenseite zu einer großen Anzahl gefälschter Bewertungen, die als Gefälligkeiten von Familie, Freunden und Bekannten verfasst werden, und die man mittlerweile schon im großen Stil bei Unternehmen in Auftrag geben kann. Und zu einem Haufen schlechter Bewertungen, die Autoren der Konkurrenz angedeihen lassen, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Außerdem tut Amazon wenig, um seine Geschäftspartner, die Selfpublisher, zu schützen. Hier ist es, ganz der Händler, näher an seinen Kunden als an seinen Autoren. Selbst die skurrilsten Kundenbewertungen, die rein gar nichts mit dem jeweiligen eBook zu tun haben, werden nicht entfernt. Die damit verbundenen schlechten Bewertungen sind für Autoren, die von den Tantiemen ihrer Bücher leben, existenziell. Amazon kümmert es nicht. Außerdem macht es Amazon durch seine großzügige Umtauschaktion leicht, eBooks nach dem Lesen wieder zurückzugeben. So entstand eine breite Nische an Lesern, die Amazon als eine riesige Bücherei begreifen. Sie kaufen eBooks, lesen sie innerhalb einer Woche durch, und geben das Werk dann wieder zurück. Der Kaufpreis wird ihnen zurückerstattet, der Autor verdient keinen Cent.

Auffallend ist der freie Fall der eBook-Preise, der von Amazon in den letzten Jahren aktiv gefördert wurde. Als PR-Aktionen werden Gratistage empfohlen, die zukünftige Leser auf den Autor und sein Werk aufmerksam machen sollen. Das Verschenken der eigenen Werke, ein zweischneidiges Schwert. Ist eine kostenlose Leseprobe oder ein Gratisband einer Reihe in meinen Augen eine gute Werbemaßnahme, zeugt das zeitweise Verschenken eines ganzen Romans von einer geringen Wertschätzung der eigenen Arbeit gegenüber. Oder anders ausgedrückt: Wer verkaufen will, darf nicht verschenken. So hat sich im Amazon-Kosmos in weiten Kreisen mittlerweile eine Billig- und sogar Gratismentalität durchgesetzt, die es nicht mehr einsieht, für Literatur zu bezahlen. Eine Tasse Kaffee ist heute auf dem Markt mehr wert als ein Roman, der im Selfpublishing als eBook erscheint. Mittlerweile ist die Abwärtsspirale bei 0,99 EUR für ein eBook bzw. für 100 Seiten angelangt. Man bekommt als Autor zwar bis zu 70 Prozent des Verkaufspreises, im Vergleich zu den mageren 7 – 10 Prozent bei den Verlagen, muss aber aufgrund der niedrigen eBook-Preise ungleich mehr Ausgaben verkaufen, um sein Auskommen zu haben. Amazon fördert hier den Hang zur Selbstausbeutung (»bevor es Verlage tun, beuten wir uns lieber selber aus«), dem viele Selbstverleger in der Hoffnung auf Erfolg verfallen.

Das freie Spiel des Marktes hat erstaunlicherweise keine mutigere, spannendere, eigenwilligere Literatur herausgebracht, wie es am Anfang von vielen erwartet wurde. Auch von mir. Schaut man sich die Angebote an, findet man zumeist nur Eingängiges: leicht verdauliche Genreliteratur dominiert, auch in den Bestsellerlisten. Die literarische Ich-AG der Selfpublisher hat smarte Autoren hervorgebracht, die es verstehen, sich zu vermarkten und zu gefallen. In dieser Hinsicht unterscheiden sie sich nicht von den Abgängern des Literaturinstituts und der Schreibschule in Leipzig oder Hildesheim, die schon von früh an bestens vernetzt sind und wissen, welche Erwartungshaltungen sie zu bedienen haben. Nur findet man bei den Verlagen ab und an tatsächlich einen eigenwilligen- und ständigen Roman in den Bestsellerlisten, bei den eBooks eher nicht. Das mag an den unterschiedlichen Lesegewohnheiten liegen oder an der vorhandenen bzw. fehlenden Werbung. Vor Kurzem sagte jemand zu mir, er lese seit Jahren nur noch Selbstverleger, da ihn der Einheitsbrei der Verlage langweilen würde. Vielleicht, dachte ich mir, liegt hier drin ja wirklich eine Chance. Aber momentan scheint es mir so, als seien die Verlage die mutigeren Verleger.

Silicon Valley-Liberalität

Zu viel für Apple: Jesus mit Joint (Foto: Cicero)

Zu viel für Apple: Jesus mit Joint (Foto: Cicero)

Heute Vormittag, beim Stöbern in der Buchhandlung, fiel mein Blick auf das Cover der Januar-Ausgabe des Cicero Magazins. Egal, was man auch von der Art und Weise der Titelillustration halten mag, in dem Moment war ich froh, dass diese Buchhandlung nicht im Besitz von Apple ist. Denn in diesem Fall hätte ich dieses Cover nicht zu Gesicht bekommen.
Als Cicero die elektronische Ausgabe des aktuellen Magazins in den Zeitungskiosk von Apple hochladen wollte, scheiterten sie an den restriktiven Auflagen des amerikanischen Konzerns. Erst als das Cover durch ein anderes ersetzt wurde, konnten sie ihr Heft zum Verkauf im App Store anbieten. Ähnlich erging es dem Entwickler Lucas Pope, der sein Spiel »Papers, Please« für iOS über den Online-Store von Apple vertreiben wollten. Problem hier war ein Nacktscanner im Spiel. Erst nach einigem Hin und Her erlaubte Apple das Spiel dann doch. 2012 musste Focus das Bild einer barbusigen Frau zensieren, um nicht aus dem App Store zu fliegen.
Solche Beispiele zeigen sehr schön, dass diese angebliche Silicon Valley-Liberalität genau so prüde ist, wie all die anderen erzkonservativen Instanzen, die aber über ein ungleich schlechteres Image verfügen. Der global agierende Softwarekapitalismus, der seine Werte und Mythen zu Werbezwecken einsetzt, predigt hier Wasser und trinkt Wein. Und die Anbieter, die ihre Produkte zum Markt (in den App Store) tragen wollen, laufen Gefahr, aufgrund der asymmetrischen Machtlage im vorauseilendem Gehorsam die Schere im Kopf einzusetzen. Wer entwickelt schon ein Produkt, was es dann nicht in den Verkauf schafft. So wird eben vieles prüder, verliert seinen Mut und unterwirft sich dem großen Bruder, der mittlerweile, ganz im Gegensatz zum legendären Werbespot »1984«, Apple ist. Aber vielleicht kommt der eine oder andere Anbieter auch zu dem Ergebnis, dass man nicht alles schlucken muss, was einem aufgetischt wird, und es für dieses Spiel immer zwei braucht?

»Audacious«

Früher irgendwann, in grauer Vorzeit, als die ersten MP3s auf unseren Computer Einzug hielten, benutzten wir alle Winamp. Das kleine Programm entlockte unseren PCs Musik zu allen Gelegenheiten, spielte auf WG-Partys und langen Wochenendmittagen, während des Kochens und beim Sport. Winamp war all das, was iTunes nie war: schlank, schnell, aufgeräumt und auch die penibel geordnetste Musiksammlung in Ruhe lassend. Außerdem wollte es keine Daten von uns. Mit dem Kauf eines iBooks hielt dann auch iTunes bei mir Einzug, um dann unter Win 7 von MusicBee abgelöst zu werden. Unter Linux benutzte ich seitdem Amarok, bis ich auf ein kleines Programm aufmerksam wurde, das die Nachfolge des legendären Winamp angetreten hat: Audacious. Schon bei den ersten Hördurchläufen fiel mir auf, wie viel Spaß dieses kleine und durchdachte Programm machen kann. Ich fühlte mich wie in alte Zeiten versetzt, zumal es im minimierten Modus genau wie Winamp aussieht. Audacious verbraucht wenig Resourcen, besitzt eine hohe Audioqualität und unterstützt eine Vielzahl von Formaten. Es ist frei und open source, und läuft unter Linux und Windows.

Die letzten Wochen …

Cover_GU_9_M… des Jahres erweisen sich als sehr produktive Zeit. In wenigen Tagen erscheint die Nummer 9 von GEGEN UNENDLICH, in der meine Erzählung »Analoge Tendenzen« zu finden sein wird. Eine Kurzgeschichte aus dem Jahr 2005, die für die Ausgabe noch ein wenig überarbeitet wurde, und bei der es großen Spaß machte, sie noch einmal zur Hand zu nehmen. Schon im Februar haben wir dann mit der Nummer 10 ein kleines Jubiläum erreicht. Blättere ich die bisherigen Ausgaben durch, freue ich mich darüber, dass wir neben den üblichen Verdächtigen der doch sehr überschaubaren und gut vernetzten deutschen SF- und Phantastikszene auch mal nicht so häufig vertretene Autoren bringen konnten, die dem zu Konventionen erstarrten Genre frischen Wind einhauchten.

Gleichzeitig neigt sich die Arbeit am letzen Band von »Der Neiding« ihrem Ende entgegen.  »Der Neiding 6«, der Abschluss der großen Sachsensaga um die Brüder Farold und Arbogast, wird Anfang nächsten Jahres veröffentlicht werden. Noch einmal begleite ich  die mir über die Jahren vertraut gewordenen Gestalten, die  unausweichlichem ihrem Schicksal entgegen gehen. »Unser Schicksal ist schon längst von den Nornen bestimmt«, würde Arbogast sagen, und so bleibt mir nur, den Charakteren bis zu ihrem vorherbestimmten Ziel zu folgen.